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Full text of "Wie leiten wir das Deutsche Kind"

Nie leiten wir das 

Deutfche ftfttd 



von 



L Oswald ö&ellinghufen 



Nie leiten wir das 

Dcutfdie Sind 



ton 



X. Oswald ÖÖellinghufen 



2. erweiterte Auflage 
4 — 5 Taufend 



Der lag „Deut Hie Revolution" Düffeldorf 



Copyright 1936 by Detlag Deutfd)e Reoolution, Düffelöotf. 
pile ncdjte, insbefonbcte bie bet Uebctfettung, notbetialten. 

Enttourf bes Titelblattes uon fj. G. Strich, 
printeb in Betmany. 



Dtuth: 

Bud|btuchetei fluguft Effet 

Düffelbotf, Bilhet-pllee 166. 



(Die leiten wir das Üeutfdie Bind 

puf bau : 

Dorausfetfung füt Deutfch.es TJOirhen am fiinbe . . 9 

Bas Üeutfdie fiinb 24 

Beutfdie finofpen3eit — ihre Sdjönheit unb Gefahren . 32 

Das Deutfdie Eltetnheim — bet 5eelent|0tt bes fiinbes 50 
Elterliches TflitRen in fjeim unb Schule — ber Seelen- 

fchuh bes Beutfdien fiinbes .... 72 

TRutterlich.es Geleit in ber "Reife unb 5turm3eit . . 9f 

Sieg bet TJeutfchen Seele 102 



Dottoort. 

fluf ben tDunfd] nieler Eltern unb fiömpfer füt 
bie Deutfche 3uhunft nad] einem hu^en, leicht oer- 
ftänblidien lBeghelfec füt bie fiinbeser3iehung ift 
biefes Büdilein entftanben. Entftanben ohne Bericht 
auf bie ÜJiebergabe eigener Gebanhen unb Erhennt- 
niffe, aber in enger Anlehnung an bie religion-philo- 
fophifdien tDerhe oon f rau Dr. TTlathübe £ubenborff, 
insbefonbere ihr ÜJerh: „"Des fiinbes Seele unb ber 
Eltern flmt", 3U beffen ausführlicheren Darlegungen 
es hinführen toill. — möchte es bem Deutfdien 
üolhe fjilfe fein! Das ift fein alleiniger Sinn. 

Die Derfafferin. 



Dorausfct3ung für Beutfehes Birken am Rinde 



„fieinet fei gleich bem anbetn, 
Doch gleich f*> jebei bem fiöchften. 
DJie Das 3U machen? 
Es fei jcber oollenbct in {H\l" 

ftiebtich Schiller. 



Unfere fiinber 3U guten Deutfchen 3U bilben, ift aölhifcher 
Eebensroille. 3ft Doch eine foltfie Entroichlung entfeheibenb für 
ben Beftanb unb bie Erhaltung unferes Domes. — Ein feh,t 
ernftes unb heiliges flmt ift barum Elternfchaft unb £r3ieb,er- 
aufgabe. 

tDeife unb norforglich ift es oon ber Tlatur fo feftgelegt, 
baß biefes flmt nor allem in ben fjänben ber TTlütter bes Dolhes 
ruht, unb biefe Tatfache follte nicht nur für bie Säuglings- unb 
Rleinhinberjahre Geltung behalten fonbern auch für bie fpätere 
3eit. — Die TTlütter, bie mit bem fiinbe fchon nor feiner Geburt 
fo innig körperlich, oerbunben unb feelifch nerrooben ift, um- 
fmnt unb umforgt auch feine fpätere Entroichlung naturgemäß 
am tiefften, unb ba bas Sdiichfal ihres fiinbes aom Schichfal 
ihres Dolhes untrennbar ift, fo umhütet ihre Seele auch in- 
frinhtmäßig bas Eeben ihres Dolhes mit ber gleichen Jnnigheit 
roie ihres fiinbes TDohlergehn. — freilich hann fich, ihte TTTutter- 
forge für ihr üolh nur bann entfalten unb ihm fjilfe fein, roenn 
fie teilhat an feiner Cebensgeftaltung, roenn biefe große ÜJelt 
ihr ebenfo erfchloffen ift roie bie hieine Hielt ber fiinberftube. 
— UJirb fie in biefe gebannt, fo muß ihr Sinn für's Große unb 
Gan3e nerhümmern unb in ben eigenfüchHgen pflichten unb 
Sorgen biefer Meinen Hielt erftichen. Dur feltene f rauen roerben 
in folcher Enge fähig bleiben, ihren fiinbern große 3iele 3U 



jetgen. — Tlut in außecgecoörmlichen $zi\zn, in ber Tobesge- 
fatic ihres Bolhes, toitb Die Tflutterfeele bann bas Bolhsge- 
fdietien umfocgen unb hinauscoachfen übet bie 6ren3en itites 
Bannhceifes. „3m engen ficeis oetengett fidl bet Sinn, es 
toächft bec TTlenfch mit feinen höheren 3roecRen!" 

Tlicht nuc bie frauen unb TTlütter oerhümmem feelifdi 
unb geiftig in bec Begre^ung, bie folgen treffen bas gan3e 
Bolh; benn bie TJOelt ift nun einmal 3toeigefdileditlidi gefchaffen, 
bamit bie höcpecliche unb feelifdie Becfchiebenheit ber Gefchlech- 
ter fidi 3ur Bolhommenheit ergän3t. — IDenn bie Sippe bie 
fiein^elle bes Bolhes ift, unb bas hann nict]t beftritten toerben, 
bann muß audi bie fjaupttcägecin biefer 3elle — bie fcau unb 
TTluttec — am Hufbau bes oölhifchen Eebens, coie am flufbau 
bet Sippe, einen fjauptanteil haben, ein Tlatucgefeh. Gibt fte 
bem fiinbe boch, nicht nut — toie bet TTlann — bie fieinyelle 

— fonbetn außecbem noch, bie Entcoichlung unb beiben Ge- 
fd]leditetn bas £eben. — Jhr TTlittoithen unb mittaten am 
Bolhsgefdiehen ift batum bie natutgefetjlidie Botbebingung 3U 
feinem Gebeit]en unb 3m echten Bolhsgemeinfchaft. — So toenig 
man ben TTlann nuc als Gefchlechtsroefen — nut als £t3euget 

— coecten bütfte, fo toenig netttägt bas Bolhstoohl bie ein- 
feitig gefchlechtliche Bkctung bec frau, bie in it|c nuc bie Ge- 
bäcerin achtet. Eine Einteilung, bie beibe Gefchlechtet in bie 
Tiefe reißen muß unb 3U nölhifchec Tnuttecfchaftfceube nicht 
beg eiftern nann. 

Bie Beutfche f cau — oon fiinb auf 3ut Tnitoetanttoottung 
am Schichfal ihres Bolhes er3ogen unb auf allen Gebieten ge- 
ftächt, bie, ihrer geiftigen unb feelifdien TJOefensatt entfpcechenb, 
oortoiegenb fcauengebiete fmb* — coücbe an ih.ten pufgaben 
toiebet feelifch coachfen, unb nach ö« jahrhunbertelangen, oom 
Orient übernommenen finnlichen TJOectung unb Erniebrigung 
toütbe fi* h^imfinben 3U artechtem Beutfchem Benhen unb 
fühlen unb 3U bem Beutfchen fcauenfto^, bec bem manne, 

* Dt. TTl. Cubenbotff : „TJae TJ0eib unb feine Beftimmung". 
10 



roieber bie heiligen, oolhserhaltenben Greven reiner Sitte 5ieh,t. 
"naturgemäß umfinnt unb umforgt fie bann roieber ben Beftanb 
unb bas TDachfen ihres Dolhes unb toirb fidi ihrer Derant- 
roortung an feinem Dafein beroufjt. So roirb ihr TTlutterfchaft 
roieber eine heilige Aufgabe, unb es bebarf keiner Gefetje unb 
Keiner Gefchenhe, fie bafür 3U begeiftern. Unferes Dolhes £e- 
ben hat feinen naturgegebenen, gottgewollten Schuh, ber ihm 
unter einfeitiger, eingefdileditlidier Dorherrfchaft fehlt. — Ein 
3uftanb, ber (ich unheilaoll ausroirhen unb ernfte Befahren 
heraufführen muß. 

„TTlann unb frau ftehen in ber Einheit bes Üolhes gleich- 
roertig, aber roefensoerfchieben nebeneinanber. Die frau foll 
bie hohe Stellung 3urücnerhalten, bie fie einft bei unferen Ahnen 
oor Einbringen frember tUeltanfchauung unb Sitte hatte."* 

Diefe forberung bes beroährten felbherrn bes rOelthrieges 
ift bie oberfte Tlotroenbigheit für ben Beftanb unferes Dolhes 
unb für bie Entroithlung unferer fiinber 3U feinen roertoollen, 
lebenserhaltenben Trägern. Denn nicht eingeengte Dienerinnen, 
fonbern nur freie unb roürbeoolle frauen Können auch ihre 
fiinber 3U freien, hochgefinnten, felbftoerantroortUchen Deutfchen 

— 3U perfönlichheiten bilben, bie feft in fich, unb in ihrem 
Üoltatum ftehen. Shlaoengeift er3eugt unb formt engftirnige, 
trieboerfhlaote, genußgierige TTlaffenmenfchen — finechte, bie 
fich abrichten laffen, ohne mehr 3U benken unb 3U urteilen. — 
Ein üolh aber bleibt nur lebenbig, roenn feine üolhsm'nber 
feelifch unb geiftig lebenbig finb, fonft enbet es in Eeichenftarre. 

— Sein Sottlieb, fein Eigenfang oerftummt; es geht unter im 
Dölherleben, roie bas euyelne Dolhshinb untergeht in ber 
TTlaffe. Damit hat es aufgehört, eine eüyigartige Sottoffen- 
barung 3U fein. Unb bas gerabe ift ber Sinn feines Seins unb 
auch öer Sinn bes eisernen TTlenfchenlebens. 

Unb bas ift es barum auch, *oas bas ÜJefenhafte einer 



* Etidi Cubcnborff : „TTleine fiampf3iele". 

11 



guten führung Des fiinbes fein muß, baß fie bas fiinb gottarad] 
unb gottlebenbig erhält, bafi fie bas Göttliche, im fiinbe ftärht. 
Denn toit TJeutfche — unb bas ift es toiebetum, roas uns ooh 
anbeten Tiaffenriölhern unb 3umal com Ocientaien am tiefften 
ttennt, roir fehen Gott nicht außerhalb ber Hielt als eine Ober 
biefe Hielt herrfchenbe, fie lohnenbe ober ftrafenbe perfon — 
nein, uns Deutfdien — fo ift es uns eingeboren, unb bleibt es 
uns auch raffetümlid], trotj aller Oberfrembung burch. priefter- 
lichen 6laubens3roang, fo lange Beutfche ßinber geboren wer- 
ben — uns ift bas gan3e löeltall gottburchfeejt. Unb roir fehen 
im TTlenfchen ben einigen betoußten Träger bes Göttlichen,* 
bas fleh m iebet Haffe unferer Erbe anbers offenbart, roeil es 
bie Dielgeftaltigneit liebt unb bie Tllannigfaltigheit, bie im Ceben 
ber Tlatur unfere Ginne unb unfere Beele fo ent3ücht, unb bie 
roir TTlenfchen allein fähig finb, in ihrer 3aubetptacht 3U er- 
leben. TTluß boch fchon einer feelifch gan3 tot fein, roenn er fleh 
ber TDunbetroirhung ber Tlatur oerfchjießen nann unb fle nicht 
mehr fühlt. — 

Bas gan3e TJDeltall bie Erlernung bes Göttlichen unb fo 
not allem auch bie Meine TTlenfchenhnofpe, bie unter eurer Ob- 
hut fleh tntfalten foll. — Der TTtenfch bie letzte Krönung ber 
allmählichen Entroithlung unferer Erbe unb all ihrer Eeberoelt 
3ü immer größerer THachheit. — Unb bu — forgenbe TTlutter 
— bie bu bas heimenbe Ceben im Gchoße huteft, bis es reif ift 
3um Eigenbafein, fo nahe bift bu bem großen Geheimnis bes 
THerbens, unb am heften Nönnteft bu flntroort geben auf bie 
fragen nach »hm- Penn in bir t>oll3iet|t fidl nodl einmal — mit 
bem TJDachstum beines fiinbes — bie Entroithlung aller Eebe- 
roelt oon bet Reinyelle — bem urfprunglichen, mit ber Tflöglich- 
heit ber Unfterblichheit begabten Enteilet — Ober bie Paarung 
ber 3ellen (ber männlichen unb roeiblichen fiein^elle], 3um fluf- 
bau bes TTlenfchen. 3n ber fdjütfenben Geborgenheit bec pe um- 
fchüeßenben Eihaut rpirb aus bem befruchteten Keimbläschen 
unter fottgefetjter Selbftteiiung bie 3ellenhäufung unb ihre 



' Dt. TU. Cubtnbotff : „Der Stell Utfpmng unb BJefen". 3 BBnbt. 
12 



Sonbetung in hörperbauenbe, hörpererhaltenbe, fterbiidje Sei- 
len (Heroen, TTlusRel, Rnod]en, 6eroebe3ellen ufto.) unb in bas 
Eeben toeitertragenbe, 3ur UnfterblichReit fähige Reinheiten, 
bie bet Sicherung bet fottpflmyung — ber flrterhaltung bienen. 
Unb über bie Entroichlungftufe bes hiemenatmenben flmphibi- 
ums hmroeg 5ur Eungenatmung oollenbet fleh, in toftlofet flb- 
roanblung unb unter ftetiger Beroollhommnung bie firönung ber 
Sdiöpfung, ber flufbau bes TTlenfchen. — Ein IDerbegang, ber 
einftmals bis 3u feinem gotterfehnten £nb3iel einer 3eitenfpanne 
tum Jahrmillionen umfehloß, roirb non jebem roerbenben Hlen- 
fdienhinb im heiligen frieben bes TTlutterleibes noch einmal — 
im 3eitlauf roeniger TTlonbe — toieberholt. — Eine UJah.rh.eit, 
bie uns erfchauern läßt in ihrer göttlichen Unfaßbarheit, ein 
roirhliches UJunber! — Ulie heiligt biefe Erkenntnis bas Banb 
3ur TTlutter, unb roie innig oerbinbet fie bie frauen mit bem 
DJeltgefchehen unb ftellt fie in ben TTIittelpunht bes nölhifchen 
Eebens als feine gottbeftimmten Hüterinnen. — 

Unfere noch naturoerroachfenen flhnen fühlten inftinht- 
mäßig bie Erhabenheit unb Reinheit biefes IDerbens. 3hnen 
galt barum bie Befruchtung unb Geburt nicht als Beflechung 
unb Sünbe roie bem rour3ellofen unb baher naturfeinblichen 
flusrourf ber Orientoölher, bem Hüben: „Siehe, in Ungerechtig- 
keit bin ich geboren, unb in Sünbe hat mich empfangen meine 
TTlutter."* — Eine folche Einteilung muß freilich 3"* Schänbung 
unb Entcoertung bes BJeibes führen. — Hein, unferen Ahnen 
galt bas TUerben bes TTlenfchen fo rein roie bas Ei unb feine 
fdiütjenbe fiaut. Ben Brunnen ber Urb nannten fie es, unb 
3roei roeiße Schroäne — fo fagten fie — , bie ftumm ihre eroigen 
Greife 3iehen, hüten fein Geheimnis. — Ob He bamit nicht fagen 
wollten : XDer in bie Tiefe fchaut, ber fleht auf ben Grunb, unb 
ihm löft fid] bas Bätfei; roer auf ber Oberfläche bleibt, bem ift 
es oerfchroiegen! — Erft mußte man bies flnnnoüe Sagen 
unferes Blutes in eine naturroibrige Storthenfabel umfSIfchen, 
bas heilige, oolhserhaltenbe XDerben mit bem Sumpf geift bes 

* Pf. 51, 5. 

13 



Orients befchmuhen, fo ben fiinbern bie Blutsuerbunbenhrit 
mit ben Eltern rauben unb Die Sippe 3u einer rour3ellofen 
Sdiar madien, bie ber Storcrjenroillhür ihre 3ufammenfetfung 
rterbannt, beoor es, nach, jahrhunbertelangem Tflorben unb 
Bergero altigen ber- prtreinften unb ber Dernichtung unferer 
Kulturgüter, gelingen Konnte, unferem Bolne feiner frauen 
mitratenbes Sorgen 3U nehmen. Unfer frauentum, feiner ner- 
pfliditenben DJürbe beraubt, Konnte nun in bie Tiefe orientali- 
fdier TDeibestoertung finhen, bie im UJeibe nur ein Sefchlechts- 
roefen fi^ht 3ur Erfüllung bes Paarungroillens unb eine 3ur 
Dolhserhaltung notroenbige Sebarmafchine. Ein Gefchehen, bas 
freilich auch ben mann mit in ben Sumpf unb in bie Trieb- 
hörigheit 30g, bie ben fo nerachteten Orientalen Renn3eich.net. 
HJar boch ber Deutfdie TTlann nun ber DolRsfchütfenben Seel- 
forge fraulichen Tiatens beraubt unb ihrer fjilfe 3ur Pjöhe. Er 
rourbe fo fchulbooll unb erlöfungsbebürftig unb feinem frauen- 
tum geiftig unb feelifch fo entfrembet, roie bas TJJeltprieftertum 
ihn brauchte, um ihn in TTlönnerbünbe unb unter feine fjerr- 
fchaft 3U bringen unb fidl mit feiner fjilfe bie tDelt 3U unter- 
roerfen. 

Bie Deutfchen Eltern follten barum uor allem um ben ent- 
roichlunggefchichtlichen TDerbegang bes TTlenfchen roiffen, bamit 
fie roieber hineintoachfen in ben organifchen 3ufammenhang 
allen Eebens unb ftatt jübifcher Schöpfunglegenben unb Sumpf- 
oogelmärchen ihrem fiinbe im entfprechenben plter bie Erhennt- 
nistoahrheiten ber Erbgefchichte erfdiließen unb es fo feft in 
feinem Urgrunb, in feiner fjeimat, in feinem Dolhe unb in 
feiner Sippe uerrour5eln hönnen. Es bebarf bann Keines 3ehooa- 
gebotes mehr: „Du follft üater unb TTlutter ehren". — Das ift 
bem fippenuerroachfenen fiinbe Pjer3ens3roang. 

pber nicht nur bie Entroichlunggefchichte follte IDiffensgut 
ber Deutfchen Eltern fein. Jh* Bmt am fiinbe, ja bas Eigen- 
leben jebes TTlenfchen, erforbert uor allem filarheit über bie 
Debeutung unferes Seins auf biefer Erbe. Die Entroichlung- 

14 



gefliehte gab fie uns nicht. Sie reihte bie etbgefchichtlichen 

Borgänge aneinander, ohne ihnen einen Sinn 3u geben. 3u 
ihrer alleinigen Triebkraft erhob fie öen Buhen unb ben 3roech. 
Bas Ergebnis eines (ich ftänbig fteigemben Bafeinshampfes 
unb bie folge aus ben Sefetjen 5er Bererbung unb flnpaffung, 
nannte fie ben BJerbegang oon ber U^elle bis hin 3um TTlen- 
fthen, bie fiötjerentroichlung unb Beroollhommnung. — Eine 
Beutung, bie 3ur rüthfidltlofen, ftoffoerfhlaoten Selbftbehaup- 
tung bes £in3elnen, 3um brutalen Bedjt bes Stärkeren, 3ur 
feelenlofen Sottleugnung führte unb bas TTlenfchenleben finnlos 
machte, fjatte es nach liefet £eh.re boch nur Selbfäroech. — 
Baß fdion Ur3eiten oor bem Erfcheinen ber erften Eeberoefen 
unb ihrem Hingen um bie Bafeinsbehauptung bie Entroichlung 
bes BJeltalls eingefetjt hatte, bie ben Bafeinshampf Oberhaupt 
erft ermöglichte, baß alfo ein Schöpfungroille bie Triebkraft 
geroefen fein muß, bie oon Urbeginn an alles XDerben beroirhte 
unb bie Borbebingungen fchuf, bie bem TTlenfdien bas Sein erft 
ermöglichten, bas tourbe fiberfetjen. Oberfehen rourbe auch, 
baß mit ber Hlenfchtoerbung bie Entroichlunggefchichte ihren 
Bbfchluß gefunben hatte, obrooh.1 boch gerabe biefe Tatfache 
bas IDirhen eines 3ielberoußten Schöpfungtoillens beroies. Un- 
beachtet blieb oon ber Tlaturroiffenfchaft bie DJeltenfch.au un- 
ferer großen tDeifen, eines fiant unb eines Schopenhauer, bie 
einen folchen roirhenben TDillen erroiefen hatte. Sie maßte fich 
an, bie Bötfei allein 3U löfen, unb boch Konnte nur bie Ber- 
binbung ber phUofophifchen Erhenntniffe mit ben IDahrheiten 
ber Entroichlunglehre bie fragen bes Seins beantworten, bie 
fchon Jahrtaufenbe umfonnen hatten, unb bie gan3 befonbers 
bas Beutfche Blut immer roieber ftellte. — 

Sie 3U umfinnen, roas bisher nur bie Aufgabe ber foge- 
nannten ptplofophie geroefen unb bamit nur ber roenigen, bie 
ben BJeg 3ur fjochfchule gingen, ober bie ihr Beutfther Brang 
nach Erkenntnis unb BJahrhrit 3um forfchen trieb. Ber TTlehr- 
heit bes Bolhes blieb fie ein Borrecht unb ein Seheimnis ber 
IDiffenfchaft, bas fte nicht berührte. Schon bas frembroort forg- 

15 



te füc bie Entfremdung: „philofoptjie" — „freunb ber tDeis- 
hcit". Eebens- unb UMtrocisheit, fo ift es eigentlich gemeint — 
Kliffen um tan Utgrunb unb Den Sinn bes Seins. — Braucht 
das nicht jeber? Bec fiirtenjunge roie bec fjochgeftellte im Bolhe 
unb not allem bie Eltern unb E^ieher, bie ein TTlenfchenhinb 
heranbilben unb es fähig machen fallen, ben Sinn feines Seins 
3U erfüllen. — 

Es ift bas Geroaltige unferer 3eit, baß fie bie erfehnte flnt- 
roort gefunden hat, bie Jahrtaufenbe fügten, baß fich. ihr ber 
Sinn ber Schöpfung, ber Sinn bes Cebens unb bes Tobes er- 
fd]loß, unb bamit auch, bas Hürnen am fiinbe feine rechte 
BJegroeifung finben Konnte. Unb es ift bas große Gefdienh 
einer Beulten frau unb TTlutter, bas fie mit biefer Erhennt- 
nis unferem Bolhe unb barüber hinaus allen Bälhern 3ur Be- 
hauptung ihres nölhifchen Seins gegeben hat. — 3a — einer 
frau! TTlögen auch die Entbeutfchten fchon 3roeifeln beoor fie 
prüfen, roeil fie bie Einficht einer frau bannen fallen. Es honnte 
doch nur eine frau unb jroar gerabe eine Beutfdie frau fein, 
bie [\z geroann, roeil bie Beutfdie frau tiefer in bas BJefen ber 
Binge fchaut — bann ihrer mütterlichen Seele. Unfere flhnen 
mußten das einftmals und werteten darum diefe Tiefenfchau 
ihres frauentums, roie auch f"n inftinhtmäßiges BJittern bec 
Gefahren unb ber roahren feinbe. fluch, biefen Schuh nahm 
unferem Bolhe bie orientalifch-chriftliche ÜJeibesroertung.* Baß 
es ihr gelang, bas hatte feinen Grunb auch barin, baß jener 
3eit nodj die Erhenntnis fehlte rtom 5inn der Schöpfung, und 
fo Jrrtum und Aberglaube die BJelt in feffeln legen honnte. 
Sie gaben der Geriffenheit, der macht- unb Beutegier bes 
Orients bie Grunblage für feine DJeltherrfchaftpläne. Sie 3U 
oerroirNlichen, beburfte es eines Glaubens, ber bie Benh- unb 
Urteilshraft lahmlegte, brauchte man einen lohnenben unb 
ftrafenben Gott, Fimmel unb Fjölle, bie TTlenfdien burdj Ber- 
heißung unb Berängftigung gefügig 3U machen, und brauchte 
eine nerfchraorene Pricfterhafte, bie fidj durch, ftrenge Schulung^ 



*1. Rot. 14, 34. l.Tim.2. 11— 12. 
16 



unb flbricrjtung ihren Tlachrouchs fidiette. Sie (pielte ben TTlitt- 
let 3n)tfrfjen dem erbidjteten Gott und den TTlenfchen und mußte 
für deren Unterroerfung auf der gan5en Erde Sorge tragen. * 
Sich 3" behaupten, mußte fie aar altem das Suchen nach Wahr- 
heit und Erkenntnis hemmen und darum rtor allem die frau 
des Tlordens mit ihrer machen, geiftigen Schau und ihrem le- 
bendigen Empfinden der Bolksfeele oom forfchen nach Klarheit 
ausfließen. Bas gefchah, indem man fie in die nur gefchlecrjt- 
liche ÜJertung hmunterftieß und den Paarungroillen als 
bömonifche TTlacht und als Sünde, die frau als Verführerin 
fchmähte. — 

"Die furcht allen Prieftertums oor Entladung durch 3u- 
laffung der frau 3U roiffenfchaftlichem Suchen mar begründet. 
Bie prtefterliche, römifch-jüdifche BJeltleitung roeiß beffer um 
bie feelifchen und geiftigen firäfte Beutfchen frauentums als 
bie Beutfctje TTIännerroelt, bie unter ihrem Gebot bie Beoor- 
munbung ber frau gefehlich." feftlegte unb ihr BJirhen am 
Dolhsroohl feffelte. — Raum hatte bie toachfenbe entroichlung- 
gefdiichtliche unb philo fophifche Erkenntnis bie geiftigen 3roing- 
banbe priefterlicher Dogmen etroas gelöchert unb auch ben 
frauen bie fjochfchule geöffnet, fo hatte auch fth°n bald eine 
Deutfche frau den BJeg 3ur BJahrheit gefunden, ben oorbem 
nur ein3elne HJiffenfchaftler taftenb gegangen toaren. TU a t h i l- 
deEudendorff oerroob bie phüofophifchen, naturgefcrjidit- 
lichen unb feelenär3tlichen Erkenntntffe, bie ihre fjochfchul3eit 
ihr gab. pus ihrer Berbindung erfchtoß [ich iht ber Sinn ber 
Schöpfung unb eine BJeltdeutung, bie endlich, ben erfehnten 
Einklang oon Glauben unb B3iffen gab, ben Einklang ber un- 
umstößlichen Daturgefehe mit bem Gottfehnen unb Gottfuchen 
bes Beutfchen TTlenfchen unb bie flntroort auf alt fein Grübeln 
über bie fiätfel bes Eebens unb bes Tobes. Ber Schöpfungroille, 
ber bas Weltall werben ließ, roollte Beroußtfein, roaches Erleben* 



* Ct|. Datroin: Die Entroichlung bes Ptieftettums unb ber Priefterteidie. 

Dtilag TScid)et, £eip3ig. 

" Red)tsanraalt Siegel: Die Beutfd)e ftau im Ttaffeeiroachen. 3t|" 

im Tted|t unb it)te Aufgabe im Staat. Cubenboiffe Uerlag. 

17 



feinet fetbft, fo fogt uns ttlathübe Eubenborff. Unb übet bie 
oielen entroichlunggefchichtlichen Stufen, Die noch, ber tiefe 
Schlaf bec Unberoußtheit feffelt unb ihr ftänbig ficti fteigetnbes, 
geiftiges unb feelifdies ÜJaehertoetben, erfüllte fidl feine Sehn- 
fud]t im fllenfchen, in ihm hatte bec SchöpfungtoUle fleh be- 
mühtes Erleben errungen. Der Blenfcb, — ber Urgrunb unb bie 
ßrönung aller £rfd]rinung — bas einige Beroußtfein bes 
toeltenfchaffenben BJillens — bes „Binges an fttti", coie fiant 
es nannte, Gottes, toie toir fagen. IDurbe biefer Harne aud) 
non gottfernen Baffen unb bem aus ihnen hetoorgegangenen 
IDeltprieftertum für einen perfonifi3ierten Begriff mißbraucht, 
fo blieb er uns barum bod] eben fo hehr unb heilig tote ettoa 
bas ÜJort Ciebe ober bas tDort f reitjeit ober Treue, bie ja auch 
für bie graßlichften Bet3etrungen genuht toutben, unb benen 
man ihten Beutfchen Sinn batum boch nicht tauben honnte. 

Bas toat bie ftäthfte Stütze bes prieftertums, baß ber 
Blenfch auch bas Göttliche, bas ÜJefen bec Erfcheinung, mit ber 
Bernunft unb ihren Ü)erh3eugen (Buge, Ohr ufro.) ernennen 
toollte, ba$ et es räumlich unb 3eitlich bachte. fiant hatte ben 
Einficrjtigen biefen fehlet ettoiefen, inbem et 3eigte, ba$ bie 
menfchliche Betnunft bie IDelt nut etfaffen hann, toie fie un- 
feren Sinnen erfcheint, baf> fie aber bas üJefenhafte, bas Gött- 
liche, bas jenfeits ber Erfcheinungstoelt liegt, mit ber Bernunft 
nicht ergrünben hann. BJenn fiant noch roeiter lehrte, bafs roir 
bas Göttliche überhaupt nicht erfaffen hönnen, baß toir 3U ihm 
Keinen 5ugang haben, fo toat bas fteilich für all bie 3eh.ooa- 
gefchichten bes Otients unb ihte Bethünbet ein oetnichtenber 
Schlag; abet auch ein hattet unb hetbet Entfcheib füt alle gott- 
fuchenben unb gottahnenben, gottfühlenben TTlenfchen. Bet 
BJeg 3U Gott follte uns gefpettt fein! — BJie toutbe ia bet 
Blenfch fo atm! Gar mancher, ber barüber 3um XOeltoemeiner, 
3um „Peffimiften" toutbe, toie ein Schopenhauer, toenn et auch 
noch toeitet fah als fiant unb fagte: BJtlle ift bas BJefenhafte, 
TDille bet in allem toohnt, BJille ift bas Geheimnis bes Cebens, 
Anfang unb Utfache altet Etfcheinung. 3eigen ihn boch auch 

18 



fdion bie Entroichlungftufen, Die noch, ber Schlaf ber Unberoufjt- 
heit gefangen hält. Jft es nicht ÜJUIe, nenn ber Stein jut Erbe 
ftrebt, bie Blume it]te Blätter unb Blüten bem £ich.te juroenbet, 
ber DJutm fidi not ber Berührung 3urüch3ieht. BJille, ber immer 
mehr 3u Beroollhommnung brängte — ber Selbfterhaltung 
roegen. Eine Erhenntnis, bie ber BJahrheit roieber um eine 
große ÜJegftreche näher harn, bie uns aber oom Gotterhennen 
nod) immer trennte, unb bem Eeben einen nüthternben Selbft- 
3roech gab, bie barum bie gottfuchenbe Sehnfutht ber Hlenfchen 
fo roenig befriebigen honnte roie einen Schopenhauer felbft, 
beffen Heben fie umbüfterte. — flber bas roar es ja eben, bas 
Cehte honnte nur eine frau finben, roeil es nicht mit ber Ber- 
nunft erfaßt roerben hann — roie fiant gan3 richtig fühlte unb 
fagte. — Es gehört mehr ba3u — eine tief lebenbige, empfäng- 
liche Seele! Unb eine folche ift eben gerabe bas BJefenhafte 
Beutfchen frauentums! Benn Sott roill erlebt, nicht gebacht 
roerbenl fiannft Bu bie Schönheit ber Blume mit ber Bernunft 
begreifen? — Bein, nur Beine Seele, roenn fte nicht hart unb 
oerfteinert ift, hann fie erleben unb fich ihrer freuen. Bas 
BJerh3eug ber Bernunft, bas Fuge, hilft Bir nur, tief in Bir 
auf3unehmen, roas fie bir geben hann. — fiörft bu bas Sehn- 
fuchtlieb ber Tlachttgall, bein Ohr übermittelt es bir; aber roem 
bie Seele oerhärtet ift, bem roirb es nichts fagen, ber ift manch- 
mal fogar fähig, fo fußen BJohllaut 3U morben um eines 
Eecherbiffen toillen. — Siehft bu bie Beutfche fjeimat im Braut- 
fchmuch bes frühlings; ihre roogenben, blumenburchleuchteten 
fihrenfelber in ber Beife3eit; ihrer herbftaergolbeten BJälber 
heilige fjohrit; ihre 3auberpracht, roenn bes ÜJinters froftige 
Fjanb fie mit glihernbem Bauhreif unb fchneeroeißer Beinheit 
überbecht, unb erlebft bu nicht in all biefen eroig roechfelnben, 
taufenbfach fidi fteigernben Bilbern ber Schönheit bas BJunber- 
roirhen Gottes? — 3ieht nicht beine Beutfche Seele fehnfucht- 
befdiroingt mit bem fluge ber Blöoen übers unenbliche TBeer 
in uferlofe BJeiten unb oertiert fidi räum- unb 3eitentronnen 
im lichtblauen fither? — Tragen fie nicht bie Töne erhabener 
ftlufih in eine BJelt, bie bein fluge nie erfchaut, unb bie boch 

19 



bie fieimat beinet Seele ift? — Heißt nicht bie Großtat eines 
eblen TTlenfchen bid) hncms aus bei Enge nüchternen, eigen- 
nützig 3roethhaften Denkens? — Entflammt nicht bie Graufam- 
heit unb Gottferne eines Derbrechens in bir ben heiligen Willen 
3ur pbroehr? — fühlteft bu nie bie erbenttragenbe Seligheit 
gemütstiefer, burchfeelter TTlinne? — flhnft bu jeht, toas es 
heißt: Gott erleben unb Gott ernennen! Unb baß bas leiber 
nicht jebem möglich ift, roeil ba3u eine lebenbige, emppnbfame 
Seele gehört, unb fo mancher fie fchon in jungen Jahren ein- 
büßte unb fo Gott für immer nerlor. — flhnft bu nun, roelch' 
hohe Derantroortung es bebeutet, ein fiinb 3U leiten, es 3U 
fehühen, baß feine Seele nicht früh fdl°n hart unb gottlos roirb! 
— ÜJunbert es bich nun noch, baß fo meertiefes £eib unb 
bergehohes Unheil in ber XDelt ift, unb TTliffetat unb Derbrechen 
fich, fo ungehemmt ausroachfen Nannten, baß alles töiöergött- 
liche [id\ fo erfchrechenb mehrte unb breit machte, roenn bu 
baran benhft, roieoielen TTlenfchen fchon in 3arter üugenb bie 
Seele oerhärtet unb roh gemacht roirb, baß alles tiefe unb 
reine, heilige Erleben in ihnen erlifdit, baß Gott in ihnen ftirbt 
unb fie nur noch „plappernbe Tote" fürt), roie TTlathilbe Euben- 
borff fo treffen!) foldie 5eelenoerroefung nennt, „plappernbe 
Tote", in benen nichts mehr klingt unb fchtoingt, bie ftumpf 
pnb für bie Schönheit unb Sprache ber Tlatur, unfähig einer 
gottburchfeelten, burchgeiftigten TTlinne, tot im TJOahrheitroillen, 
fern aller 3toethfreien Guttat unb bann freilich auch ohne Der- 
ftänbnis für bas TDefen ber freiheit! — Ein „lebenber Eeich- 
nam"*, ber ben rlauch. bes Tobes atmet unb ben 3U gleicher 
Erftarrung oergiftet, ber ihn 3um freunb ober Weggefährten 
roählt. — TDanbeln ihrer oiele in einem Dolhe, fo broht Gottes- 
tob feiner 5eeie, unb mehren fie Reh au*h in anberen Dölhern, 
fo roirb bie blumige Erbe 3ur Eeichenhalle! 

Denn bas ift es ja gerabe, bas Göttliche im TTlenfchen, fein 
Sehnen nach Schönheit, fein ÜJllle 3ur TDahrheit, feine Oebe 

* E. unb m. Cubenbotff : Das Geheimnis bet ütfuitenmadit unb ihr Enbt. 

Cubenbotffs ütrlag, münditn. 

20 



jut 3toechfreien Guttat, ftin faß gegen olle Tlitbrigheit, fein 
gemütstiefes Empfinbcn für einen toertoollcn Blenfchen, fein 
Bedangen, bies BJefentjafte bes Göttlichen frei in fidi 3U ent- 
falten unb aus3uftcat}ten! In jebet Blenfchenfeele ift es oer- 
anhert, bem fiinbe als Gottesgefthenh mitgegeben. Ob es bies 
Gefchenh in feinem leben toertet unb fi<h unb anbete bamit 
reich macht im göttlichen Sinne, ob es fo ben Sieg Gottes übet 
alles tDibergöttliche fötbett, bas freilich liegt bei ihm felbft, 
aber in ftathem Blaße auch bei bem, ber es h«anbilbet. Denn 
ebenfo toie ber IDeg 3ur Gottgeeintheit, ift bem Blenfchen ber 
BJeg 3ur Gottferne freigegeben mit all feinen furchtbaren flb- 
toegen: Bosheit unb £üge, TITißgunft unb Tleib, fllachtgier, 
fiabgiec unb 6ei3 unb all' ben anberen Biegen 3ur Tiefe. — 
Bis angeborene Sünbhaftigheit, als Strafe unb fluch ber jübi- 
fchen Gottoorftellung Jehooa für ben Genuß eines oerbotenen 
ppfels, an bem felbftoerftänblich bas Bleib bie Schulb tragen 
muß, als feitbem ererbte, burch bas B)eib oeranlaßte Schlech- 
tigheit, als „Erbfünbe", fo beuteten ber Orient unb fein Priefter- 
tum bie menfehliche Unoollhommenheit. Tlie hann ber Blenfdj 
burch Reh felbft baoon frei roerben, fo fagen fie; nur ber Glaube 
an 3ehooa unb ber Gehorfam gegen fein Prieftertum honne ihn 
begnabigen, entführen unb oon ber fjölle unb bem jüngften 
Gericht loshaufen. — So lange biefe Klägliche fllißbeutung ber 
menfehlichen Unoollhommenheit geglaubt tourbe, fo lange toar 
freilich bie angemaßte Blacht biefes Prieftertums nicht gefähr- 
bet, roenn auch Ei^elne unb gan3e Bölher fich gegen feine 
Übergriffe auf ihre freiheit auflehnten. — 

£rft bas hlare ÜJiffen um ben Sinn ber angeborenen Un- 
oollhommenheit, bas Blathilbe Cubenborff uns gab, ftür3t feine 
Throne. — Diefe menfehliche Unoollhommenheit mußte boch, 
fein, fo fagt fie uns, um ben Btanbel 3um Guten aus eigener 
ftraft überhaupt 3U ermöglichen. Sie gibt erft bie Blögltchheit 
3um freimütigen Entfcheib, 3ur BJegtoab.1. plle anbere Eebetoelt 
hanbelt gebunben. Bie Pfla^e ift nicht frei, fie folgt bem Erb- 
3coang. Bas Tier ift nicht frei; aber „ber Blenfch, ift frei ge- 

21 



fchaffen, ift ftei, unb wät' et in Retten geboten!" — Unb biefe 
fteihrit ift fein flbel, feine Tllenfcrienmütbe! — Das ift bas 
Große, bas uns bie Deutfche Gotterhenntnis gibt, bie freiheit 
im Sinne bes Göttlichen, in ihm begtünbet unb oon ihm be- 
gten3t, bie D e u t fttj e fteiheit, bie ebles, h,eh«s Deutfchtum 
3U allen 3«ten lebte, unb bet Dt. TTlathilbe Eubenborff bie be- 
gtiffliche filatheit gab. — 

Detfteht iht nun, was es bebeutet, bas Deutfche Dolh oon 
feinen frauen 3u ttennen unb oon ihrer tiefen Einficht in bas 
DJefen bet Dinge, Söhnen bie TTTuttet 3U entftemben, bie ftau 
nut gefcrjleditlich — als Säugetiet — 3U werten unb bie geteifte 
ftau, bie lebensetfahtene Dluttet unb it]te gott- unb oolhs- 
fchühenbe fiilfe, lahm3ulegen! — So weit ptiefterliche macht 
unb ihte Üerhnechtung bes TTlenfchengeiftes fich, behnen, fo toeit 
hettftht foldje DJeibeswertung. — flbet bie BJahrheit ift er- 
hannt, unb toeil fie bas Gottgewollte ift, toitb fte fiegenl TTlag 
bas ÜKbergöttliche audi nod] fo lätmenbe Triumphe feietn, um 
fie 3U etftichen! — Ohne fiampf hein Sieg! — DJie qualooll 
mar bet DJeg oon bet Ut3eit bis hin 3um etften Tllenfchen, toie 
tQtmten fich, ba Gefahren unb fiatafttophen, bis bas göttliche 
ÜJunfchjiel erreicht toat! Unb toie blutig unb gtauenooll roat 
bet Üetnichtung3ug bet ptiefterlichen, jübifch-römifchen ÜJelt- 
leitung gegen bas Ringen unb Suchen bet TTlenfchen nach Er- 
kenntnis Gottes unb feinet Wahrheit ! Sie ift getoonnen unb 
foll Gemeingut unfetes Dolhes toetben, ja aller Dölher unferes 
Sterns, baß fie ihre gottgewollte Aufgabe erfüllen unb in freier 
Entfaltung ihrer oölhifchen Eigenart ihr Gottlieb* fingen unb 
unfere Erbe 3ur Gotttoachheit unb Gottoerbunbenheit führen! 
Das ift bas weitete BJunfchjiel bes Göttlichen! — „Die ü)elt 
Kann nut gut wetben butdi bie Guten!" — TTlit blefen wenigen 
motten hat eine eble Deutfche ftau unb TTluttet, bie Pteußen- 
hönigin Euife, bem TTlenfchenleben bas gleiche hohe 3iri geftecht. 



* Dr. TTI. Cubtnbotff : „Das Sottlieb bet DBlher" — Eine philofoph.it bet 
Kulturen. 

22 



Hier möchte hut beifeite ftetien unb nicht mithelfen, baß 
es fich, erfüllt, auch bann mithelfen, toenn feinem Einfah bet 
Erfolg nicht mehr befchieben roare unb erft ein fpateres 3ah.r- 
hunbert fich *>er flüchte feines Rampfes erfreuen folltel für 
biefe Aufgabe unfere fiinber 3U ftählen, fi* fo 3U führen, bafs 
fie fähig roerben, ihren göttlichen Schöpfungfinn 3U erfüllen: 
Gottoffenbarung in all ihrem Denken unb Tun 3U fein unb 
Beutfehes ÜJefen 3ur fiöchftentfaltung 3U bringen, bas ift nach 
Deurfcher Gotterhenntnis oölhifche Pflicht für alles ÜJirhen am 
fiinbe! — Jmmer freilich ho™ folches DJirhen nur Stütze fein, 
fonft roare ja roieberum bas göttlich fjeiligfte, bie freiheit bes 
TTlenfchen, gefährbet unb bes Tnenfctjen Selbftoerebelung nicht 
feine eigene Tat. 

„Denn roiffe, 3um Gotte macht fich ber TTlenfch troh aller 
Pjilfe nur felbftV 

„Such' es nicht braufjen, oa fucht es ber Tor! 
Such's in bir felber, bu bringft es eroig heroor!" 

friedrich Schiller 



* Dr. TTl. Cuttentiocff : „Triumph, bes Unfterblidiheitroillcne". 

25 



Das Oeutfche Rind 

„5ud)ft Du öqs fjödiftt, Das Größte? 
Die pflanje hann es Dich leh"n, 
mas fie willenlos ift, 
fei Du es mollenb — oas ift's!" 

friebiid) 5d|illet. 



flllen Baffen ift bie fähigheit 3um fehltun ebenfo angebo- 
ten roie bie freiheit 5ut Deroollhommnung. Daß bie Tn.enfth.en 
alle „fünbigen", alle gottfetne TJJege gehen hönnen, bas mar 
es eben, mas ben oerhängnisoollen Jrrtum oon bei feelifdien 
Gleichheit aller Raffen fo nährte, flber gerabmäßig oerfchieben 
ift — trotf U|ter Ähnlichkeit in ber Unuollhommenheit — ihre 
6ottoerroanbtfchaft. Unb es ift bas IDefenhafte bes TJeutfchen 
TTIenfchen, baß feine raffifche Erbanlage ben flufftieg 3ur Gott- 
nähe in ftarhem TTlaße begünftigt, baß in ihm bie göttlichen 
ÜJünfcrje befonbers hraftooll unb lebenbig finb, unb ein flbirren 
oon ihnen ihn barum auch ftäther quält — jebenfalls fo lange 
er fie noch nicht betäubt ober gar getötet hat — iafs er ein 
ftrjärferes Geroiffen hat. Baß freilich bas Geroiffen Kein unbe- 
ftechjicher, untrüglicher Tiichter unferes fjanbelns ift, baß roir 
fehr gerne unfer Tun oor uns felbft befdiönigen, ihm anbere als 
bie tatfächlichen Beroeggrfinbe unterfchieben, um oor uns felbft 
3u beftehen, bas hat uns TTtathilbe £ubenborff in ihrem TJOerhe 
.Des TTIenfchen Seele" gefagt. Sie hat uns ge3eigt, roie falfth 
es ift, 3U glauben, baß jebe TTliffetat Geroiffensqualen auslöft, 
ja, baß TTIenfchen bie furcrjtbatften Berbredjen mit bem beften 
Geroiffen begehen hönnen, befonbers bann, roenn fie aus ihrem 
Dolhe entrour3elt ftnb unb oolhsfrembe TJOertungen übernom- 
men haben, roie 3. B. alle bie fietjermörber, bie „um Chrifti 

24 



«rillen" iljte Deutfdien Dolhsgefchtoiftet mattem unb töten 
ließen, roeil ber jübifch-chtiftliche Glaube es gutheißt (£uhas 19, 
27) unb ihr Deutfehes Geroiffen Qbecamdiett hatte. 

HJie jebem Bolhe 3um Schuhe feiner Erhaltung bie all' 
feine fiinber oetbinbenbe Seele — bie Dolhsfeele — gegeben 
ift, fo ift ihm auch fein Dolhsgeariffen gegeben, bas nach feinet 
raffifchen Eigenart roertet unb nach ihtem ftttlichen fllaßftab 
richtet, unb bas in jebem Dolhshinb lebenbig ift, fo lange es 
feft in feinem üolhstum rou^elt, unb bies fein hödlft« IDett 
bleibt. Es ift baher etroas Befonberes, Euyigartiges um bas 
Deutfche Getoiffen toie überhaupt um bas Deutfche BJefen. „Eine 
einmalige, ein3igartige Gottoffenbatung jebes üolh", fo fagt es 
uns bie Deutfche Gotterhenntnis. Göttlicher IDille unb göttlidje 
Pflicht barum für jeben Deutfchen, bas DJefenhafte unferes 
Deutfchfeins lebenbig 3U halten unb 3U ftärhen, feine mögliche 
Etoigheitbauer 3U förbern. — Jn ihrem UJerhe: „Die Dolhsfeele 
unb ihre TTlachtgeftalter — Eine phHofophie ber Gefchichte" hat 
Dr. TTlathilbe Eubenborff es uns erroiefen, baß ein üolh un- 
fterblich fein hann, baß es fo lange leben hann — toie ber Stern 
felbft, ber es trägt. — freilich nur bann, toenn es feine flrt- 
erhaltung in nollhommenet ÜJeife fchüht unb bie Gefahren 
Nennt, bie fie bebrohen. Der getoiffetmaßen als Tlaturgefeh 
prophe3eite Untergang bes flbenblanbes, ber bem IDunfchge- 
banhen unb ber Planarbeit ber geheimen IDeltleitung entfpricht, 
ift roohl eine fehr ernfte Gefahr, aber burchaus heine Tlatur- 
notroenbigheit ober etroa fogenannter Gottes- unb Schichfals- 
roilie. 

Unfere D e u t fch e pufgabe ift es barum, unfere oöthifche 
Eigenart in unfeten ftinbetn 3U pflegen, ihre guten 5eiten 3u 
ftärhen, ihre Schtoächen unb Gefahren aufsteigen unb bamit 
3u minbetn, ihr Deutfehes Getoiffen 3U fchätfen unb ihre Deut- 
fche Seele lebenbig 3U holten, um unfere 3ugenb 3U ftärhen 
Trägern unferes Dothstums 3U machen. 

25 



Es ift das nicht fo fchroer, als es roohl Dielen etfchrint. 3ft 
doch, in jedem Beutfchen Rinde als fein heiliges Raffeerbgut 
feftgelegt, was das röefenhafte des Beutfchen TTlenfctien ift, 
und toas ihn als einmalige und ein3igartige Erfcheinung in bei 
bunten Ttlannigfaltigheit des Bölherlebens kenn3eidinet. Sein 
oölhifches Charakterbild ift ihm gan3 ebenfo im Reime mitge- 
geben roie jeder Blume ihre Bit (ich 3U bilden und 3U blühen. 
— Und toie der Gärtner, der fie betreut, nur die Aufgabe hat, 
das Befte aus ihr heraus3uholen und fie 3ur oollen pustoithung 
ihrer Schönheit 3u führen, fo ift es auch das flmt der Eltern 
und Er3ieher, die eine Beutfche Hlenfchennnofpe 3ur Entfaltung 
bringen roollen, oor allem das 3u pflegen und ju ftörhen, toas 
eben das Beutfche Bolhshind oon den Rindern anderer Bölher 
roefenhaft unterfcheidet, roas feine Schönheit und Gottnähe 
bedeutet. Benn ein Blenfchenhind ift ebenfo ein Gefchenn und 
Gefdiöpf der gottbefeelten Tlatur roie pflan3e und Tier und hat, 
ebenfo roie fie, feine BJerde- und ÜJacbstumsgefehe, die nicht 
ungestraft mißachtet toerden Nonnen. ÜJie daher der Gärtner 
pcht haben muß, daß das junge Pflän3ch,en, das er umforgt, 
oor allen fchädlichen Einflüffen bewahrt bleibt, und roie er 
feinen D3ur3elboden reinhält oon Unhraut und oon fremden 
Giftftoffen, die feinen Pflegling 3um fiümmem und oor3eitigen 
Hellten brächten, fo muffen felbftoerftänblid] auch alle, die ein 
Beutfehes Rind heranbilden, es gan3 ebenfo fmütjen und es 
ftarh machen 3ur pbroehr aller Gefahren, die fein Heben be- 
drohen. 

flber roie jede Blume der Tlatur als eine Selbftoerftänblieh- 
heit das Recht genießt, die B3efens3üge ihrer flrt frei 3U ent- 
falten, und der Gärtner fich, nur müht, fte 3ur fjöchftleiftung 
ihrer Eigenart 3U befähigen, fo muß dies Ttaturrecht auch dem 
Beutfchen Rinde geroährt fein, das in feiner raffifchen Erbanlage 
und Eigenart nun mal auch fo gan3 anders ift als die Rinder 
anderer Bölher. — flus einer Efche oder Erle läßt [Ich keine 
Palme 3iehen, aus einem 5chneeglöchchen heine Rnoblauch- 
3toiebel. Solche Torheit roird auch niemandem einfallen. — Um 

26 



bunte TTlöbelhöfoet 3U behommen, hat man EidjenTDUtjeln mit 
f arbftoffen gettönht. Die Eichen ftatben an bem fcemben Saft. 
So muß auch, bei Deutfdje Eebensbaum 3ugtunbe gehen, bec 
fdjon im etften Trieb fleh fclbft entftembet roirb. — So weit hat 
bie jahrhunbertelange fluf3uch,t in einet blutsmäßig feinblidjen 
Religion bie meiften oon uns oon ihter Deutfcrjen Hlefensatt 
fehon getrennt, baß ihnen bie Entfrembung gar nicht betoußt 
ift; roeil |t* gar nicht mehr toiffen, toas eigentlich bas IDefen- 
hafte unferes Deutfchtums ift. — Sie hat uns oor allem auch 
recht grünblich ben 5tol3, bie HJürbe, genommen, roeil fu <hn 
— ebenfo roie ben Schönheitroillen — als Sünbe fleht unb 
läftett. Sie kann ihn ja auch nicht oerftehen, roeil fie mit ben 
pugen unb ber Seele bes Orientalen ins £eben fierit. — Der 
Deutfche Stol3 hat mit ber bünhelhaften Selbftüberhebung, bie 
ben Orient unb fein Prieftertum hemyeichnet, nichts gemein- 
fam. Er ruht im Göttlichen, im Detoußtfein ber menfchlichen 
freiheit unb ihrer Üerpflithtung 3U roürbiger Fjaltung. 

3e entroichelter unb oollenbeter ber flufbau eines Cebe- 
roefens, um fo behutfamer muß auch bie fürforge fein, um bas 
fiunft- unb TDunberroerh ber Tlatur 3U ber DoHhommenheit 3U 
führen, bie ihm möglich ifl» unb bie feinen Schöpfungflnn er- 
füllt. — IDie ber Gärtner barum oor allem Sorge trägt, ha^ er 
an bem jungen Baum nicht 3U oiel roegfthneibet unb ftutjt unb 
ihn fo 3um firüppel macht, fo füllten auch *oir bem fiinbe nur 
IDeghelfer fein, flbet es ift fchon eine große Aufgabe, bies flmt 
im gottgewollten, oölhifchen Sinne 3U erfüllen. Unb es tounbert 
uns nicht mehr, baß alles IDibergöttliche unb Unbeutfche fidl fo 
erfchrechenb breit machte unb bas Sottgetoollte unb Dölhifdie 
fo überrouchern honnte, toenn roir bebenhen, roie roentg biefe 
ernften Eebensgefetje bisher beachtet rourben, roie ferjt bagegen 
beftänbig oerftoßen toirb — fei es beroußt ober unbetoußt — 
roie fiinber oon Nietn auf für bie toibergöttlichen 3roeche ber 
geheimen tDeltleitung abgerichtet unb ihr Eigentoefen erfticht 
tourbe. 



27 



In Dem TDerhe: „Des fiinbes Seele unb ber Eltern flmt" 
hat De. TTlathilbe Eubenborff 3um erften Tllale bie fiinbesfeeie 
aus ber Erhenntnis bet menfdilictien Seelengefehe erfctiloffen. 
Die fiinbesfeeie nidit als etroas fllleinftehenbes, Gefonbertes 
unb baium Unoerftänbliches unb TJOiberfpruchsoolles, fonbetn 
eingefügt in ben Böhmen ber Deutfdien Gottfchau; benn fie nut 
löft ihre Bätfei unb entl]üllt ihre Schönheit, ihre Cebensgefehe 
unb ihre Gefahren. — Ein Buch, aas jeber tief ergriffen aus 
ber fjanb legen roirb, ber es gan3 in (ich aufgenommen hat, 
unb bas auch ieben angeht; benn, einem fiinbe TDeghelfer 3U 
fein — unb fei es auch nut für eine gan3 hur5e Streche — bas 
ift mobil jebem Erroachfenen roenigftens einmal im Ceben gege- 
ben. UJelch' ernfte üerantroortung ein folches Geleit gibt, bas 
macht uns bas Buch f° tecti* betoußt. 3um fjeile unferes Dolhes 
ift es barum 3U roünfchen, baß recht niete es fict] 3u eigen 
machen. Denn — toie ber flr3t ben fiörper bes TTlenfchen feh.r 
roorjl Kennen muß, beaor er fein fürforgeamt oerantroorten 
hann — fo follte auch \&et, ber einer fiinbesfeeie fjelfer fein 
roill, aar allem um ihre Eebensgefehe roiffen. Unb roenn ber 
ßinberar3t bie Eigenheiten bes hinblichen fiörpers, feine TDachs- 
tumsbebingungen unb feine Gefahren roiffen muß, toie aiel 
mehr noch oer üugenbbilbner Gleiches oon ber fiinberfeele. — 
Das ift bas Große am Schaffen TTlathilbe Eubenborffs, baß fie 
mit ben Bugen bes 5eelenar3tes unb bes Tlaturtoiffenfchaftlers 
unb Philofophen in bie TTlenfchenfeele gefchaut hat unb fo 3um. 
erften TTlale ein oollhommenes, hlares, untrügliches Bilb oon 
ihr gab unb bamit ber £r3iel]ung bes Deutfdien fiinbes ben 
fjeilsroeg unferes Dolhes roies unb bie TTlöglichheit fchenhte, 
Schäbigungen feiner feelifchen unb bamit auch Körperlichen 
Entroichlung 3U oerhüten. 3ft boch, bie Seelenentfaltung eines 
TTlenfchen ohne 3toeifel auch oon ftörhftem Einfluß auf feine 
Körperliche Haltung: „Es ift ber Geifr, ber fidl ben fiörper baut", 
unb nicht nur ben fiörper, fonbern bas gan3e Heben unb fo in 
ftarhem TTlaße auch bas Schichfal. Geftaltet es boch DOt allem 
unfec eigener TDille unb roo nicht, l>a ift auch immer bie feelifche 
pntroort entfeheibenb, bie roir felbft bem Schichfal geben: 

28 



„IDillft bu roadifen am £eib, fo roirb es bir DJacbstum, 
ÜJÜlft bu oerhümmern, fo roirb Gram bein ßeföhtte. 
pllem, roas bu erlebft, gibt beine Seele felbft erft ben Sinn!"* 
Grabmäßig oerfchieben ift bie Sottnähe bet Baffenfeelen. 

Ein 6tunb3ug bes Deutfchm BJefens ift bie friebliebenbe Gut- 
mütigKeit. Die Seele bes Orientalen hat eine anbete Grunb- 
ftimmung: „Bas Dichten unb Trachten bes menfct)lichen Helens 
ift böfe oon Jugenb an"**, bas ift ber jübifchen Seele Selbft- 
geftänbnis. £s Klafft hier ein tiefer Gegenfatj, ber fdion aus ber 
raffefchöpferifchen jeit herrührt. — Die prtaerfchlediterung hat 
in nielen fiinbern unferes üolhes bie Klare Deutfche Seelenlinie 
nerwifcht. Sie trägt auch öie Schutt), baß unfer ÜolK fich fo 
fchtoer 3ufammenfinbet, baß fidi fo uiel tDiberftreit 3eigt. töie 
gefährben raffifche Segenfähe fchon ben frieben ber Sippe, bie 
Einigheit ber Eltern unb ihr BJirhen am fiinbe, bas fi<*l ergän- 
3en fall. ÜJie grunboerfchieben finb oft Eefchtoifter, nicht nur 
äußerlich fonbern nor allem auch f«lifdl» toeil ihre Eltern ober 
Doreltern bie Debeutung ber flrtretnhrit nicht Kannten ober 
mißachteten. Die chriftliche £eh,re, bie in jebem getauften Chnften 
— ob Deutfcher, Tleger ober Jube — ben „Dächften" achten 
lehrt, bie bamit alle oölhifdien Greven tierroifcht, hatte ber 
TTlehrheit bes Dolhes bie Baffenerhenntnis genommen. Sie 
trägt bie Schulb an bem furchtbaren "Riß, ber burch, fo Diele 
Deutfche Seelen geht unb burch, unfer gan3es Dolh. Dur eine 
Ceitung, bie im fiinbe oon Klein auf immer nur bas Deutfche 
roeebt unb ftätht, bas ja als mehr ober minber ftarher Bruch- 
teil auch >n b« Seele bes TnifchUngs ruht — Kann einem folgen 
fiinbe fjilfe fein: Die Deutfche TTlutterfprache, bas' Deutfche Heb, 
Deutfche TTlärchen unb Sagen, Deutfche Gefliehte, Deutfche 
fiunft unb oot allem ber fjintoeis auf Deutfche feelifche Pjaltung. 

Es begegnen uns manchmal fiinber, bie fchon als Kleine 
finirpfe eine Bosheit 3eigen, bie uns erfrecht. Sie finben ein 
Dergnügen batan, anbern roeh, 3U tun, Tiere 3U mißhanbeln, 



Dr. mathübe Cu&enDotff: „TJcutfdict Eottglaube". 
'imofe8,21. 



29 



Schönes 311 3crftören, hleinere Gefchroifter 311 quälen, ja bis 311t 
fabiftifchen Graufamheit fteigett fidl in ihnen oft bas XDiber- 
göttlidie. fllle Ermahnungen unb Strafen bleiben roirhungslos. 
Die folgen ber flrtoerfchlechterung offenbaren fid) mit natur- 
gefehlidier Schonungslofigheit unb fjärte; benn bem urfprüng- 
lithen Deutfthen fiaffecharahter ift folche Veranlagung fern. Sie 
Kann nur bie folge ber Blutsmifchung mit einer fo gearteten 
Haffe fein, fjilfe hann einem folchen Rinbe nur bas Pjinhorthen 
auf feine Seele bringen, mann bas Deutfdje Blutserbe — bie 
6uther3igheit — bie Oberqanb hot unb ein fjinroeis, ber bem 
Rinbe ben flbftanb in feinem fo oerfchiebenen fianbeln bemußt 
macht unb pbfcheu in ihm auslöft nor feinem unbeutfchen Tun. 
3e mehr mir burdi £r3ählen non Beutfchen Großtaten, nom 
£eben Beutfdier Ebelinge unb ihrem Rümpfen für reine, höh* 
3iele mit bem Rinbe fjöhenmege gehen, um fo mehr roirb bie 
reine Bergluft ihm bie Seele roeiten unb fein £ebensatem roer- 
ben. Borausfehung ift freilich, baß ber tDeghelfer bes Rinbes 
felbft ein IDipfelroanberer ift. IDie foll es fonft möglich fein, 
baß er bie Seele feines Schüblings für fjochjiele ent3ünbet. Ulit 
bem £r3ählen allein ift es barum nicht getan; es muß oom 
lebenbigen feuer eigenen tiefinneren Erlebens burchglüht fein. 

Bas fjochjiel unfeces BJirhens am Rinbe: bie Sott- unb 
bie Bolhsertmltung 3U ftärhen, ftellt baher an jeben, ber es 
unternimmt, ein Rinb heran3ubilben, ober bie £ltemfch,aft ba3U 
beftimmt, bie ernfte f orberung, ia^ er cor allem an fich. felbft 
arbeitet, bamit fein Benhen, fühlen unb Tun ben Einklang mit 
bem Göttlichen unb Beutfchnölhifchen ausftrah.lt, 3U bem Beut- 
fche Gotterhenntnis oerpflichtet, unb ber ihn bem Rinbe 3um 
Börbilb macht. — Jft boch gerabe bas Borbilb, bas mir felbft 
leben, nicht nur lehren unb feiern, fo bebeutungsooll — auch 
im hleinften, bas uns nielleicht als nöllig unroefentlich erfcheint. 
— Bas Rinb ift ein feh.r aufmerhfamer Beobachter unb lernt, 
gan3 ebenfo roie bas Jungtier, fehr niel aus feinem angebore- 
nen Tlachahmungtrieb. TDir füllten baran immer benhen, roenn 



30 



mit mit ih,m 3ufammen flnb, autfi fdion in feinen erften Eebens- 
jahten. 

„IDenn alfo bein ÜJithen geleitet, 
So bienft öu Der Sippe, bem Bolhe, bic felbft 
Unb allem Gotttoadjfein bes TFlenfdien unb aditeft 
Die ftrengen Greven bes Sinns beines Seins."* 



' Dr. Tüattiilbe £ubenborff : »Triumph, bes Unfterblitt)heittoülens". 

31 



Beulfchc Rnofpcn3Ctt — 
ihre Schönheit und Befahren 

Bas ift Das Sdiönfte, roas uns TTlathitbe Eubenborff mit 
ihrem TDerhe „Bes fiinbes Seele unb bet Eltern flmt" gab, baß 
fie uns bie Gottrierroanbtfchaft unferes fiinbes beroußt machte 
anb uns 3eigte, roie innig fo ein hnofpenbes Beutfehes fiinber - 
feelchen bem Göttlichen noch oerbunben ift, roie fern allem 
gottmorbenben 3roechbenhen, baß es in feiner Gottgeeintheit fo 
manchen fixierter befchämen hönnte. — Bas ift es auch, roas 
ben Erroachfenen am fiinbe fo ent3ücht, baß es ihn — roenn 
auch »hm felbft meift unberoußt — aus ber 3roechoerfhlariung 
unb ber fllltagsenge herausführt in bie freirjeit unb TDeite 
göttlichen fütjlens unb fianbelns. Unb bas ift es auch, roarum 
manchem, ber im Eeben burch harte unb herbe Erfahrungen 
mit Erroachfenen einfam geroorben ift, bas 3ufammenfein mit 
fiinbern Erfrifchung unb Erholung bebeutet. Gleiche Gottnähe 
fchenht glüchfeliges Derftehen. Sie ift bas Geheimnis ber Hebe, 
bie bas noch fo gottgeeinte fiinberfeelchen oft für rierroanbt- 
fchaftlich gan3 fernftehenbe Ettoachfene 3eigt. — Es muß fchon 
einer in feiner Seele gan3 üerljärtet fein, roenn er fiinber nur 
als lärmenbe, luftige plagegeifter roertet, unb ber Sonnenfchein, 
ben fte ausftrahlen, ihn nicht 3u erroörmen oermag, ober roenn 
nur bie eigenen fiinber ihn begeiftern unb bie fiinber feines 
Dolhes ihn gefühllos laffen. — Diefer Sonnenfchein ift ja ge- 
rabe bie Offenbarung ber Wnblichen Gottburchjeeltheit. fllle 
göttlichen TDünfche finb noch lebenbig. Hier roollte es etroa 
leugnen, baß bie hnofpenbe TTlenfchenfeele ihre fjeimftätte ift! 
Strahlen fie unferm fiinbe nicht aus ben flugen, toenn es mit 
bem Guten unb Schönen, bas es hat, anbere beglücken Nann, 
roenn es bie TTlutter traurig ficht unb fie mit einer Oebhofung 
tröften roill. Sein liebftes 5piel3eug roirb beifeite gelegt, roenn 
es ihr bie flrme entgegenftrecht, ober es roirb ihr entgegen- 
halten, baß fie fich auch baran freuen nann. Die TTlutter muß 

32 



3uetft von feinem Brei hoften, auch roenn es hungrig ift, unb 
es ißt mit piel größerer freube, roenn ihm gefagt roirb, baß 
alle, bie es tieb hat auch.baran teilhaben. Das Schönfte, roas 
es ftnbet; trägt es 3ur TTlutter, |t^ 3" erfreuen, lange beoor es 
einen TTluttertag Kennt. Sein Gefichtchen muß freilich fonnenleer 
unb nüchtern roerben, roenn ihr feine Meinen Gaben unb fein 
ÜJohlroollen geringfchähig überfeht unb feinen Gefühlsäußerun- 
gen mit Gälte begegnet, roeil all bas, roas es euch bringt, für 
euer 3<BecRbenhen f° wertlos ift, unb ber Gottesftrahl feines 
Gutfeins bie mauern eurer Seele nicht burchroärmt. 

Unb ift ber IDille 3ur DJahrheit in ber Beutfdien fiinber- 
feele nicht ebenfo hraftooll roie ber tDille 3um Guten! 3n aller 
Echtheit 3eigt es feine Gefühle, feine freube am Schönen — 
unbekümmert um bas Urteil ber Erroadifenen — feine 3unei- 
gung unb Abneigung, ohne 3U fragen, ob fie ihm Borteil ober 
Tlachteil bringt. Unb bas, obrooh.1 es oon ber fjilfe ber Großen 
fo gan3 unb gar abhängig ift, in oiel ftärherem Blaße als bie 
meiften aon ihnen. B3ie oiele Erroachfene heucheln freunbfchaft 
unb IDohlmeinen aus Grünben ber 3toechmäßigheit. TDie feiten 
finb Echtheit unb Offenheit geroorben, bie einftmals ein fo 
charahteriftifcher H)efens3ug gerabe bes Deutfchen ülenfchen 
roaren. HJenn freilich oas Kleine TTlenfchenhinb, bas ihr betreut, 
merkt, oa^ bie Eltern felbft — roenn nur im hleinften — bie 
Unroahrheit fagen — roie balb roirb es ba feine urfprüngliche 
Echtheit auch aufgeben unb bas Erröten bei einer Unroahtheit 
ebenfo oerlieren, roie bie meiften Erroachfenen es aerloren 
haben. — fiommt ba ein unerroünfchter Befudi- Bie Eltern finb 
3U häufe, aber fie fagen bem fiinbe, es falle ihre flnroefenheit 
rterleugnen. Beim erften TTlale ftuht bas fiinb; aber balb hat es 
gelernt, mit eben folcher Selbftoerftänblichheit 3U lügen roie bie 
Eltern, bie ihm Borbilb finb. — Bach feiner puffaffung roerben 
fie es bann 3U unrecht ftrafen, roenn es nun auch felbft 3ur 
Eüge greift, um irgenbeiner perfönlichen Annehmlichkeit ober 
eines Borteils roillen. 



33 



Das fiinb erlebt auch, baß bie Eltern übet jemanb Sdiled]- 
tes fagen, mit bem fie fet)r freunblid] taten unb ihn roohl gar 
mit Eiebensroürbigheiten überfchütteten, als er nor roenigen 
TTTinuten noch ^ far. — TDie muß es ba erfchüttert roerben 
in feiner Ueutfchen Gerabheit, unb roie balb roirb es 3U gleicher 
Derftellung unb fatfchheit Herleitet fein, befonbers auch bann, 
roenn es, feiner ehrlich ge3eigten Gefühle toegen, oon ben Eltern 
gefabelt ober gar geftraft roirb. IDie oft Nannte bas fiinb in 
feiner unaerfälfchten Tlatürlichheit ben Eltern Dorbilb fein unb 
fie 3ur Ueutfchen Echtheit 3urüehführen, roenn fie bem Gottes- 
ftrahl feines Seelchens bie fje^en öffneten unb feine Eiebe 3ur 
tDahrheit achteten! — Die TDahrheit ift ihm ja noch *fo* Selbft- 
nerftänblichheit. Es oerftecht nicht bie Scherben, roenn es etroas 
3erfchlagen hat, es trägt fie 3ur TTlutter unb er3ah.lt offen unb 
treuher3ig, roas es angerichtet hat. Die TTlutter follte bann bas 
fiinb in feinem TDahrheitroillen frühen, es roohl 3ur flchtfamheit 
unb 3ur Achtung oor ben Dingen ermahnen, aber auch 9ut- 
heißen, ba$ es fein Meines Dergehen gleich ber TTTutter gemel- 
bet hat. — Eine Strafe ift nur bann am platte, roenn bas fiinb 
abfichtlich 3erftört hat, unb auch hter follte unterfchieben roer- 
ben, ob bie 3*rftörung bösroillig ober aus bem Drange nach 
filarheit über ben 3erbrorh,enen Gegenftanb gefchah. — puf 
Keinen fall barf bie Strafe banacb, bemeffen roerben, roie roert- 
ooll biefer etroa roar; benn bafür hat bas fiinb ja noch 9 ar 
Nein üerftänbnis, unb es roar unfer Üerfäumnis, ba$ roir fioft- 
barheiten nicht burch. ftraffes Derbot ober burch. Berfchluß nor 
fiinberhönben beroahrten. 

Unb bie Sehnfucht nach Schönheit, ift fie nicht lebenbig in 
ber Deutfchen fiinbesfeele? TDie jubelt es über bie bunten Blu- 
men auf ber TDiefe, über ben Schmetterling ober ben üogel! 
TDie treibt feine Schönheitfreube es ba3U, firän3e 3U roinben 
unb (Ich unb anbere bamit 3U fchmüchen. TDie ftrahlt es über 
bie Eichter unb über bie glän3enbe golbene fiugel am TDeih,- 
nachtbaum, greift nach ber fiette an TTTutters fjals mit großen, 
leuchtenben flugen. TDer freilich in folgern flufjauchjen ber 
fiinbesfeele, in folcher Schönheitfreube, fchon bie Gier nach Golb 

34 



unb Beflh erblicht, bie als Erbfünbe fdion in jebem Tnenfctien- 
hinbe 3U häufe fein foll — tuie ein chriftlicher Pfarrer es fertig 
brachte — bem ift bie eigene Seele längft 311 Stein geroorben. 
Bas ift auch, nicht erftaunlich, roenn man in einer Cehre er3ogen 
roirb, bie oon ber Schönheit ber Hielt fo roenig roeifj roie bie 
DJüfte felbft, ber biefe Eeljre entftammt, bie barum auch Nein 
fluge hat für bie heiligen TDunber ber Tlatur unb barum bas 
Unnatürliche, ^Übernatürliche 3um ÜJunber erhebt. "Die auch ^^in 
Gefühl hat für bie Banbe ber Sippe, roeil ein lebensfeinbliches 
Eanb — roie bie Hlüfte - naturnotroenbig auch 3eugung- unb 
hinberf einblich fein muß, bie barum forbert: „Hier nicht hoffet 
Dater unb Tflutter, ber hann mein Jünger nicht fein."* 

Deutfche Eltern, roollt ihr noch länger eure fiinber in einer 
£ehre grofoiehen, bie fo bie heiligen Sippenbanbe 3erreißt unb 
fie in eine internationale, bas ift oolhlofe fjerbe einreiht! — 
Die ihre Seelen abfct|lief$t gegen bas Erleben ber Tlatur als 
einer Sottoffenbarung, unb fo gerabe bas Deutfchefte in ihnen, 
bie innige Derbunbenheit mit ber Tlatur, oerfchüttet unb 3er- 
ftört! — DJollt ihr bie Deutfche Echtheit unb Gerabheit, bie ein 
fo roertoolles Baffeerbgut eures fiinbes ift, unb bie es fo gott- 
nah macht, in ihm ertöten, inbem ihr es 3U einem Glauben 
er3ieht, ber garnicht feinem Blute entfpricht unb entftammt, 
fonbern bem Blute einer tiefgegenfählichen Baffe, ben es barum 
feelifch garnicht erleben hann ober erft, roenn es bas Deutfche 
Erbgut in fleh erfticht hat, ber es 3ur Fjeuchelei unb Scheinheilig- 
heit führt, 3U jübifchen Baffe3ügen. 

ÜJollt ihr euer fiinb nicht lieber hinausführen in ben Got- 
tesgarten ber Tlatur unb ihm feine IDunber 3eigen, ba[i feine 
Seele fictl ihnen roeit öffnet unb es mit ftaunenben flugen bas 
Bätfei umfinnt, roie aus einem fo müßigen Samenkorn eine fo 
rounberfdiöne Blume geroorben ift! 3eigt es ihm, roie fie fleh 
müht, fo farbenfroh 3U leuchten, als Dafeinshampf es nur ir- 



' fuhas 14, 26. 

35 



genb erlaubt, roeil ber göttliche DJille, bei fie burchfeelt, Schön- 
heit etfehnt. — 3«gt ihm, roie öet Dogel fein Tleftctjen umfotgt 
unb mit roieniel fiunftfertigheit unb Schönheitfteube et es ge- 
baut hat, fo baß mit TTlenfchen, bie mit meinen, alles am beften 
3u Rönnen unb uns bem Tiete fo übetlegen bannen, boch gat- 
ntctit imftanbe roäten, es nachjubilben. 

führt euet fiinb auch, toenn fein Schatten in fein Teben 
fällt, h»n 3U bem Sinn bes Tabes. 3^igt ihm in bec Tlatut, toie 
bet Tob bie Tiüchnehr 3ur Unberoufjtheit bebeutet, bafj bas 
üögelchen, bas tot im Satten lag, nun nichts meht fühlt unb 
non fich toeifj unb toiebet 3U Staub unb Erbe toitb, — bafj alle 
Cebetoefen, auch bie TTlenfchen, bies Schichfal teilen, unb bafj 
man ihnen batum alle Tiebe, bie man füt fie empfinbet, an 
jebem Tage 3eigen foll, bet ba3u Gelegenheit gibt, roeil es nach- 
her 3U fpät ift. — Der Tob nicht Strafe — nicht „ber Sünbe 
Solb", ber Tob TOeghelfet bes TTlenfchen! TOit bannen es 
toieberum TTlathilbe Cubenborff, bafj roir heute um feinen tiefen 
Sinn toiffen, toiffen um feine Schöpfernraft, bie uns etft bas 
becoußte Etleben bes Jenfeitigen fchennte.* 

Cafjt euet fiinb etleben, toenn auf bem fjühnethof bie 
fiühen fchlüpfen unb aus bem Ei ein fo Dollnommenes Tietdien 
3um Teben btängt. — 3*igt ihm, roie bas junge fiähcrjen fich fo 
folglich faubet hält, ohne bafj bie TOuttet es ba3u antoeift; roie 
jebes Tier biefen TOillen 3Ut Heinhaltung feines fiötpets als 
eine Selbftnetftänblichheit lebt, roeil es fühlt, bafj nut ein teinet 
fiötpet gefunb erhält. Es roitb bann nicht mehr fo oieler üer- 
roarnungen bebütfen, bis bas fiinb fich on feine Eigenpflege 
getoöhnt hat. 3m innigen 3ufammenleben mit bet Tlatut letnt 
es fpielenb, roo3U längere TJorträge ober Scheltroorte es oft 
nicht beroegen. 

Unb toie iht es hinfühtt 3U ben IDunbetn bes IDerbens, 
bes Seins unb üetgehens, fo toeitet feine Seele auch füt ben 
Blich ins Unenbliche. 3«gt ihm bie glitjetnben Steine, auch 



' Dt. Hl. Cubenborff: „Triumph, bee UnfterblichheittDillms". 
36 



roenn es nur roenige finb, bie in bie Enge bgr Großftabtftraßen 
herunterleuchten. — IDenn es abenbs fdjlafen geht, bonn ift 
feine Seele geöffnet für bas Schauen nach obtn. Schon früh 
erlebt es mit euch bie BJeltallroeite, ohne ba$ ihr oiel Worte 
macht. Sein Staunen unb ergriffenes Schroeigen oerrät es euch, 
unb ift bas nicht tiefere flnbacht als ein Gebet! — Stört fein 
unberoußtes Erleben bes Göttlichen bann nicht mit gottfernen 
£r3ählungen non einem uralten TTlann, ber Ita oben mit ftren- 
gen, prüfenben flugen über alle Blenfchen machen foll, ber 
ihnen Gefchenke macht, roenn fie braa |mb unb fie mit harten 
Strafen fchlägt, roenn fie ihm nicht folgen, ber — als Beroeis 
feiner macht — bonnern unb blitzen läßt unb alles leitet, roas 
bie Tnenfchen erleben, unb alfo oiel Unrecht bulbet unb gutheißt! 
Tut ihr folch.es, bann raubt ihr eurem fiinbe bas erbbefreienbe 
Schauen nach oben, bas ihm im leben ein fo ftarker tDeghelfer 
3um Göttlichen fein bann, bann roanbelt fich fein ftummer, gott- 
fühjenber flugenauffchlag in ängftliche Scheu unb quälenbe 
Unruhe, bie es oft noch lange roadi halt unb ihm auch fonft fo 
oft, inmitten feiner forglofen fiinberfreube, bas Gefid]tchen um- 
büftert, roenn fein Blick 3um fjimmel ftreift. fjabt ihr ihm über- 
bies noch oon Engeln er3oh.lt, bie ba nachts um fein Bett ftehen 
unb aufpaffen, baß es braa einfchläft, ober gar oon einer 
furchtbaren Pjölle, in bie es einmal kommen roirb, roenn es ben 
Eltern nicht folgt ober fonft gefehlt hat, fo habt ihr eurem 
fiinbe ben heiligen Seelenfrieben, ber feinem glücklichen Ge- 
beten fo notroenbig ift, oft für immer geraubt. — Ein Glück 
noch, öaß bas fiaffeerbgut bes Beutfchen fiinbes ein fo furcht- 
fernes ift. Sein TTlärchen: „Don einem ber aus3og, bas fürchten 
3u lernen", oerrät es uns. £eh.ren, aner3tehen muß man 
bem artreinen Beutfchen fiinbe bas fürchten. — Bie Pjöllen- 
unb Teufelsgefchichten finb freilich trefflich ba3u geeignet. Blei- 
chen Schaben fte ber fiinbesfeele tun, bas mag ben 3a>eiflem 
bie Schrift eines. pr3tes fagen: „Bie Pjölle als Beftanbteil ber 
ßinbere^iehung" non Br. meb. BJ. BJenbt.* — freilich, folche 
Seelenoerängftigung non fiinb auf macht bann ben Erroachfenen 



* Eubenborffs Derlag. 

3? 



eher fähig, fich unter bie Droheibe ber Geheimorben 3U buchen, 
benn feinen mutfrohen 5tol3 unb feine Selbftficherheit, bie t|at 
bie flngftneurofe begraben. 

3hr habt aber noch mcric Unheil angerichtet, flll fein Gut- 
fein, bas aorher fo 3roechlos unb barum fo göttlich mar, bas 
habt ihr nun unter £oh,n unb Strafe geftellt unb es 3um 
Bechengefchäft feiner Bernunft erniebrigt. 3hr felbft feib es fo 
geroefen, bie ben Gott in ihm begraben halft, ber fo lebenbig 
aus all' feiner freube am Geben unb Teilen fprach, baß es gar- 
nicht banach. fragte, ob man fein Tun auch lohnte. 

Ober habt ihr ben ÜJillen eures fiinbes nicht oon hlein auf 
3ur Einorbnung in's Sippenleben unb 3ur Selbft3ucht er3ogen? 
Pjabt ihr ihm jeben TOunfch, erfüllt, unb roirb es nun immer an- 
maßenber, immer läftiger in feinen Begierben unb pnfprüdien 
unb braucht ihr barum einen bonnernben Gott ober einen 
„fdiroar3en TTlann", einen „Tlachthrabb", ober roas ihr euch 
nun in eurer fjilflofigheit oor bem fiinbe alles ausbenht, um es 
3u bänbigen unb frieben 3U haben. 5agt ihr barum, bas fiinb 
braucht eine "Religion, fonft oerroahrloft unb rierroilbert es. 
Daß bamit bie "Religion mit 3ucherbrot unb TJeitfche gleichge- 
ftellt roirb, bas fagt ihr euch nicht unb auch nicht, baß folche 
£r3iehungmittel, felbft bei einem ebelraffigen Pjunbe, nicht feine 
roertoollen Anlagen förbern. 

Das Deutfche fiinb trägt feine Religion (bas frembroort 
heißt Binbung), feine Binbung ans Göttliche in fich.. £s ift — 
roenn es 3um £eben erroacht — noch fa gan3 gottDerbunben, 
ohne felbft etroas baaon 3U roiffen. flber es Kennt barum auch 
noch keine Sehnfucht nach bem Göttlichen, roeil es felbft fo ba- 
aon burchfeelt ift. Es hat barum auch gar nein Derlangen nach 
einer Gottoorftellung unb roürbe geroiß nie einen perfönlichen, 
räumlich unb 3eitlict) gebachten Gott erfinnen, roie bie Erroad]- 
fenen, an Raum unb ^zit Üerfhlanten es taten. Schon barum 
nicht, roeil es ihm felbft fo fchroer roirb, fidl in biefe menfchliche 

38 



Orbnung rion "Raum unb 3^it eir^uleben. ÜJie fauer ihm bas 
rpitb, bas beroeifen bie erften Schuljahre, bie ein fo ftrenges 
fiaumoertoeilen unb fttaffe 3eiteinteilung oon ihm fotbetn. — 
IDie lange bas fiinb feine innige Decbunbentieit mit bem 
Göttlichen fidl beroahrt, barübet entfdieibet nicht nur fein Haffe- 
erbgut, fonbern in ftarnem maße auch unfer eigenes ober 
frembes Hürnen an ihm. töer bas Göttliche fehen lernte, bas 
fein fiinb ausftrahlt, unb es nicht mehr braußen, außerhalb 
biefer Hielt, fucht, ber roirb — roenn er es lieb hat — auch 
Sorge tragen, baß er nicht freoelt am Sott in ber fiinbesfeele. 
Der DJertmeffer für alles Tun feines fiinbes roirb bann fein, 
ob es bem Göttlichen ober bem DJibergöttlichen entfpringt, unb 
biefer Entfcheib roirb fein Hürnen am fiinbe leiten, roirb 3u- 
fpruch, Schonung, Sebulb, fjilfe bei ihm auslöfen ober flbroehr, 
ÜJarnung unb Strafe. — Es ift eine traurige BJahrheit, bafi 
jebes TTlenfchenRinb Gefahr läuft, fich. mit feiner ÜJeiterentroich- 
lung mehr unb mehr riom Göttlichen 3U trennen, fich ein3u- 
fargen, roie TTlathilbe Eubenborff es nennt, unb bie göttlichen 
IDünfche an ben „luftfuchenben unb leibfliehenben Selbfterhal- 
tungstoillen" 3U nerfhlaoen. Der "Rei3 unb Schimmer feiner 
unberührten fiinblicrjheit geht ihm bann oerloren. TDir tounbern 
uns oft, itafi ein fiinb, bas uns in feinen erften Jahren fo ent- 
3üchte, bas roir fo liebhaben mußten, uns fo fremb unb ner- 
änbert erfcheint, roenn roir es nach einiger Jzit roieberfehen. — 
Es hat ben Gutt in feiner Seele „eingemauert". Ob es in feinem 
fpäteren Eeben biefe TTlauern felbft teilroeife ober oöllig roieber 
nieberreißt unb fich roieber burchfluten läßt non bem Strahl ber 
göttlichen IDünfche, baß fie ihm roieber aus ben Bugen leuchten, 
batüber entfdieibet es freilich felbft, aber in ftarhem TTlaße auch 
feine Jugenbbilbner. — manchmal erklärt uns ein Blich auf 
bie Eltern ben Grunb bes rafchen flbgleitens ihres fiinbes. 3a, 
roir rounberten uns aielleicht früher, ta^ folche Eltern ein fo 
liebensroertes fiinb hatten; feine Enttoichlung erftaunt uns 
bann auch nicht.* Oft ift fie aber auch bie traurige folge er- 
3ieherifch,en üerfagens ober auch einer planmäßigen pbrichtung. 



* Dt. TT1. fubenborff : „Des ftinbes Seele unb ber Eltern flmt". 

39 



bie mit Dorbebacht ben Gott im fiinbe tötet, um es einmal für 
ihre gottfetnen 3roecke 3U mißbrauchen. Solche pbrichtung fudit 
nor allem bie freie Eigenentroicklung bes fiinbes 311 hämmert. 
Sie ftellt es früh unter f,ohn- unb Strafgefetje, bie fein Gutfein 
an 3roeckrnäßigkeitgrünbe oerknechten. Sie hemmt unb feffelt 
bie fteiheit feines Selbftentfcheibs unb feiner IDegroahl unb 
fdialtet bamit auch fein eigenes Denken unb Urteilen aus, macht 
es 3um „plappernben Toten". Daburch, roirb bem lTlenfchen- 
kinbe fein heüigftes Gut, ber Einklang mit Gott, oft für fein 
gan3es £eben geraubt unb ihm fo „bas Jenfeits"* gefperrt, 
bas ja nur nor bem Tobe — im Einsfein mit ben göttlichen 
UJünfchen — erlebt roerben hann. — pn alle Eltern kann 
barum nur ber Tnahnruf lauten: Fjütet eure fiinber oor feelen- 
mörberifcher pbrichtung. UJie ihr feinen fiörper 3U frühen mißt, 
fo forgt auch um feine Seele. Die Schöben, bie ihr 3ugefügt 
roerben Rönnen, finb aiel fchroerer 3U heilen, oft garnicht mehr. 

TTlit tiefer Sorge erfüllt uns bas Uliffen um bie Seelenge- 
fahr unferes ßinbes. 3um Glück ift es ihr abe'r nicht fo fchuhlos 
ausgefegt roie roir befürchten: TJie Tlatur, bie alles TDerben 
mütterlich forgenb in fchühenber fjülle birgt — bie finofpe am 
Blütenbaum, bas Jungtier unb ebenfo bas ungeborene TTlen- 
fctjenhinb — bis es reif ift 3ur Entfaltung, hat auch ber knofpen- 
ben TTlenfchenfeele biefen Schuh gegeben. — mir bannen es 
roieberum TftathUbe Eubenborff, baß fie uns biefe troftreiche 
Erkenntnis gab. — freilich ift biefe Fjülle nicht etroa ftofflich. 3U 
benken, roie bei ber Blatt- ober Blütenknofpe, fo roenig roie 
bas Göttliche im fiinbe, bas fie einfchließt unb umhütet. Sie ift 
auch hein unbebingt 3Uüerläffiger, unoerlehlicher Schuh gegen 
alle Schabigungen, bie unferem Pflegling brohen; benn es liegt 
beim fiinbe felbft, auf roas es feine pufmerkfamkeit lenkt, 
roann es fein Seelchen abfdiließt non ber Umroelt, ob es firh 
ben guten ober fchlediten Einflüffen ent3ieht. — puct] hier ift 
toieber bafür geforgt, baß bem fiinbe bie freiheit jebroeber 
Selbftfchöpfung erhalten bleibt, unb lia^ roeber feine Eltern unb 



* Dt. TTlatt|ilbe £ubenbotff : „Triumph öes Unftnblidjheitotllens". 
40 



Ec3iehet nodi feine Umgebung unb TTlitroelt barübet enbgiltig 
entfcheiben. — Gar manchem fiinbe ift biefe fcnühenbe fjülle 
ber traute üerftech, in ben es fich unbetoußt — inmitten einer 
oerhommenen Umtoelt — cor ihrer Berührung birgt unb feinen 
TTlärchenttDum träumt, ohne überhaupt 3U beachten, roas 
um es hct norgeht. Es hann fich ober ebenfo uon ben guten 
Einflüffen abfchließen unb fo auch bei befter Ceitung unb eblem 
üorbilb gan3 anbere IDege gehen, als man erroarten follte. 

So lange bie „fchirmenbe fjülle" feines Seelchens noch 
unnerletit ift, ift feine Entroichlung noch fo ooller Bätfei, toie 
färbe unb form ber Blüte nor ihrer Entfaltung. Unb nennen 
mir es eine 'Roheit, bie finofpe geroaltfam aus ber fjülle 3U 
reißen, ia^ fie aertoelht, noch *he fa aufblühen konnte, ober 
ein 3ungoögelchen aus bem Hefte 3U holen, benor es bie flügel 
fprei3en lernte, roie Diel mehr muß es als ftraftoürbiges Der- 
brechen gelten, eine Trienfchenhnofpe doc ber 3eit 3u entfalten, 
ben üaarungroillen nor ber "Reife 3U roechen. Solcher Untat 
hält auch bie fchirmenbe Fjülle nicht ftanb. — Da eine flri3eige 
bem fiinbe unb auch ben Eltern noch weiteren Schaben bringt, 
fo Können folche üerbrecher fich oft ungehjnbert austoirhen unb 
unge3ählten fiinberfeelen ben frühtob bringen. — Der flcherfte 
Schutz unferes fiinbes ift auch hi"< ben Gott in feiner Seele 
ftarh 3U machen, feinen Tnenfchenftol3 fo 3U heben, baß es Der- 
lochungen unb Gefchenhen nicht erliegen hann. Solcher Stol3 
mar einft ber flbels3ug bes Deutfchen TTlenfchen, ber es oom 
Käuflichen Bettelgeift bes Orients fo beutlich trennte. Die 
Demutlehre hat ihn gehnicht. Dun Konnte ein oolhentfrembetes, 
oerhommenes Prieftertum 5charen Deutfdier fiinber 3U feinen 
roillfähtigen Opfern machen unb unferes Dolhes Ceben in feiner 
Blüte treffen. — fluch hier ift alfo roieberum bie Entfaltung 
unferer aölhifchen ÜJefensart — bes Deutfchen Stoßes — bie 
befte Fjilfe. — 

So gottnahe bas artreine Deutfche Rleinhinb feinem fühlen 
nach »ft f° toithen boch auch noch anbere firäfte oom erften 
Tag feines Cebens in feiner Seele, nor allem ber alles Ceben 

41 



betieccfdienbe Seibftethaltungstoille „bas Säugetietchen", toie 
TTlattiilbe £ubenbotff fagt. flbet boch ein fo gan5 anbetet £t- 
haltungsttieb als bas Tiet ihn 3eigt. 3ft et boch, nidit — toie 
beim ihm — butrtj ben etetbten Jnftinht 3toangsmäßig ge- 
fchüht unb feftgelegt, fonbetn bitgt eine Überfülle pon Ge- 
fahren. Das ift es ja eben, toas bas Tiet fo nollhommen et- 
ftheinen läßt, baß es im Einhlang mit feinet Ethaltung hanbelt. 
Bern "menfdien abet toutbe mit bet Unoollhommenheit feines 
Selbftethaltungtoillens bas göttliche Gefchenh bet fteiheit in 
bie IDiege gelegt, bie fteiheit bet TDegtoahl, unb bamit abet 
auch bie Selbftoetanttoottung füt alles Tun. TDoh,l btaucht auch 
bas Jungtiet bie TTluttet, bie es belehrt; abet es gefährtet fid? 
boch niemals in fo ungeheuerlichem maße, toie bas fileinfcinb 
es tut. Unbehütet greift es 3U ben gefährlichften Bingen unb 
hanbelt fo untternünftig, toie Kein Tiet es oetmöchte. Rennt es 
boch feine Gefahren, befonbers bas freilebenbe Tier, bas noch 
gan3 mit ber Tlatur unb ihrem TJafeinshampf oerroachfen ift, 
unb bem ber TTlenfch bie Sotge um bie Selbftethaltung noch 
nicht abgenommen hat- Es roeiß, toas ihm bient. Es fucht bie 
TJOätme, bie es braucht unb meibet bie Giftpflan3e ohne Gebot. 
TJOie anbets bas TTlenfchenhinb! Erft allmählich ettoacht in ihm 
bie Dfrnunft, bie ihm bie Erkenntnis gibt, toas ihm nüht ober 
frhabet; aber auch nach errungener TJenh- unb Urteilskraft ift 
ber TTlenfch nach toie not imftanbe, feine Selbftethaltung 3U ge- 
fährben. Um einen Genuß 3U erleben ober auch um Schme^en 
3u entgehen, betäubt et feine TJetnunft unb bie fotbetungen 
feiner Eebenserhaltung, beraufcht fich, 5- B. am fllhohol, obtoohl 
et toeiß, ba^ et bamit fidl unb feinet Tlachhommenfchaft 
fchtoeten, oft nie toiebet gut 3U machenben Schaben tut, feinem 
TJolhe netblöbete, geiftig nethtüppelte fiinbet gibt unb mit 
feiner Unberjerrfctittieit TJerberb unb Untergang feiner eigenen 
flrt oetfchulbet. Ein hläglichet Triangel etfcheint uns biefe 
menfchliche Unoollhommenheit, unb boch mußte fie ja fein, um 
bem Erroachfenen bie TJeroollhommnung aus freiem THillen 3U 
fichetn, unb es in feinen Entfcheib 3u ftellen, ob et fich 3um 
fjerrn obet finecht feinet Ttiebtoünfche macht. 

42 



Diele Bätfei im Detl]alten unferes Rinbes löfen fich./ toenn 
mit um ben HJiberftreit roiffen, ben fo grunbt>erfch.iebene Hlefen 
roie bas Göttlidie, „bie ertoacrjenbe Demunft" unb „bas begeh,- 
tenbe 5äugetietdien" in ihm auslöfen muffen. TP.it gefchärften 
flugen fehen mit in feine Seele unb Rönnen ernennen, toelche 
bet brei firäfte jeroeils in ihr roitht. — flus Unkenntnis ber 
Rinbesfeele toetben oon Eltern unb £r3ieh,ern bie meiften fehler 
gemacht, roeil meift nur Begabung unb Charahteranlage beob- 
achtet rourben, bie freilich auch auf bie Entroichlung Einfluß 
haben, ebenfo roie bie gefchlechtliche TJÖefensoerfchiebenlieit. — 
TTlan nahm fich oft ober auch garnicht bie 3^it, fich, in bie 
Rinbesfeele 3U aertiefen, obroohl gerabe ein folches Sichner- 
fenhen aielen bas beglflchenbe 3utrauen ihres Rinbes geben 
hönnte, bas fie fo fchmer3lich miffen. freilich nur, fo lange bas 
Rinberfeelchen fich noch nicht eingemauert hat, fo lange es fich 
noch echt unb unoerfälfdit gibt. 

HJenn roir bei folgern Einleben in bie Seele bes Rinbes 
feine Eigenentfaltung mit Bebacht fchonen, roenn roir bie firäfte 
nerftehen, bie in ihr roirhen, unb uns auf fie einftellen, fo barf 
folche Büchfitht boch nie bebeuten, bafi unfer Rinb nun etroa 
ungehemmte DJillensfreiheit genießen foll. In feiner Unnernunft 
unb in ber UnriollRommenheit feines Selbfterhaltungroillens 
roürbe es fich ba balb 3um furchtbaren Tyrannen feiner Um- 
gebung ausroachfen. Oberfte Pflicht ber Eltern ift es barum, 
ben tDillen bes Rinbes 3U ber notroenbigen Einorbnung in ben 
elterlichen BJillen fo 3U er3iet)en, baß es ihn ebenfo felbftoer- 
ftänblich achten lernt, roie man bas nom Erroachfenen bem 
Sittengefeh unb ben nölhifchen Schuhgefehen gegenüber tier- 
langt. Schon am erften Tag muß biefe Et3iehung beginnen. 
Bann toirb bas Rinb folche Einorbnung nicht als Befchränkung 
feiner freiheit emppnben. 

Ber Säugling, ber bei jebem Schreien aufgenommen ober 
herumgefahren toirb, nuht fein Sefchrei gar balb als TDaffe 
gegen feine Umroelt, um ficti 3U er3toingen, toas ihm fteube 

43 



bereitet. Pjaben bie Eltern, um ber Ruhe roillen ober aus TTlit- 
gefühl, nur einmal feinen tDillen getan unb ihn umhergetragen 
ober außer ber 3eit genährt, fo roirb ber kleine Schelm, fo balb 
er roieber in feinem Bettchen liegt, es balb erneut oerfuchen, 
ob er (ich mit feinem Schreien nicht gleiches Behagen er3toingt. 
Gelingt es ihm roieber unb roieber, fo haben bie Eltern ihr un- 
bebingtes Recht 3U Borfchnften fchon in ben erften Tagen feines 
jungen Eebens eingebüßt. Bann roirb bas Gefchrei fpäter auch 
3U Bnberem genutzt, roas bem hieinert fierl begehrensroert ift. 
£r roächft fidl immer mehr 3um piagegeift ber Sippe aus. flber 
auch fein eigener feelifdier frieben ift geftört unb ift ihm gerabe 
in biefer erften 3eit ber Entroichlung fo nötig. Stellt fie boch, 
geroaltige flnforberungen an bie körperlichen unb geiftigen 
ÜJachstumskräfte bes fiinbes. — Seine Unöernunft unb fein 
£ufttoille geföhrben feine Selbfterhaltung immer mehr unb 
treiben es nun oon Begehren 3U Begehren. Seht es feinen 
ÜJillen bann einmal nicht burch, fo roirb es trotzig unb oer- 
broffen unb nerkapfelt fchon früh feine Seele. Bie Eltern ober 
Betreuer felbft tragen bie Schulb. — Ber Säugling liegt — 
coenn fein flnfpruch. auf Bohrung unb Reinlichkeit erfüllt ift — 
am beften frieblich. in feinem Bettchen. Bie ruhige Rüchenlage 
ift in bem 3arten Eiter für bas fiinb bas BllergebeihUcfifte. — 
Räch wenigen oergeblichen Berfudien roirb es balb gelernt 
haben, baß es mit feinem Schreien nichts erreicht. Bann roirb 
es fich 3ufrieben geben, ftill oor fidl hin feine Umroelt umfinnen 
unb glücklich lachen, roenn bie TTlutter in feine IDiege fchaut. 
Es hat ben Seelenfrieben, ber für fein Gebeihen fo notroenbig 
ift, unb roenn es bann einmal fdireit, fo roeiß bie TTlutter auch, 
baß bas einen tieferen Grunb haben muß unb roirb um fo beffer 
helfen können. — Unb ben Eltern roirb bas fiinb nicht 3um 
luftigen Quälgeift ober gar 3um fiaustyrannen. Sie genießen 
ooll mit ihm ben heiligen f rieben, unb ben Sonnenfchein feines 
„Borfeiertags".* 



* Dr. m. Eubenborff : „Des ftinöes Seele unb ber Eltern pmt" 
44 



für alles TJOirken ber Eltern am fiinbe, Das ihm Segen 
bedeuten foll, ift fteilidi bie obetfte Dotbeöingung, baß bie 
Eltern eintieitlidi 3ufammenftehen unb bie fragen ber E^ietiung 
nicr|t etroa in flnroefenheit bes fiinbes erörtern, baß nidit ent- 
roeber ber Dater ober bie TTlutter aus „Affenliebe" bas fiinb 
oerroöhnt, unb ber eine fo alles uerbirbt, roas ber anöere oiel- 
leidit gutmadit. Schon früh überträgt fidl folcher 3miefpalt ber 
Eltern in bie Seele bes armen fiinbes. Es fühlt roohl, baß bie 
ftrengere Ü3illens3ucht ihm bekömmlicher ift, aber fein Euftroille 
betört feine Einficht. Es roirb in firfl 3erriffen unb folgt 3U 
feinem toeiteren Unheil meift bem, ber ihm gemährt unb gibt, 
roas es in feiner Unoernunft forbert. Oft ift bann bas Tor 3U 
feiner Seele bem Elternteil, ber bie 5elbft3uch,t unb bas Gute 
in ihm ftärhen könnte, für lange 3eit, ja oieüeicht für immer 
gefperrt. Es roirb fchon früh ein Eingefargter, ber cor allem 
feinem Euftoerlangen unb feiner 3roeckmäßig benkenben üer- 
nunft folgt. Es roirb aber auch ein Elternoerroaifter, benn es 
fühlt im tiefften ßrunbe feiner Seele roohl, iafi bie ftraffere 
führung ihm bienlicher ift, unb iafi bie Derroörmung es ge- 
fährbet, es taunifch. unb un3ufrieben macht; aber fie entfpritht 
feinem luftfuchenben Dafeinsroillen, unb fo betäubt es mehr 
unb mehr fein Geariffen, bas es roarnen möchte. — Dielleicht 
baß noch einmal eine innere Einkehr burch ein tief erfchüttern- 
bes Erlebnis es heimführt 3U bem, oon beffen fdiütjenber fjanb 
es fidl losgeriffen hat* möglich aber auch, ^>^ es als einfame 
fjalb- ober Üollroaife feinen TJJeg burch's Eeben gehen muß. 
UJohl ihm, roenn es noch jemanb pnbet, ber bie Seelengefahren 
minbert, bie bei folgern Schickfal fich auf feinem IDege türmen. 
— Un3ählige Deutfche fiinber finb es, bie unter 3roiefpältiger 
Er3iehung ber Eltern hetanroadifen, feitbem unfer Dolk feine 
prtreinheit nerlor, unb fo ruele Ehen raffifch gan3 oerfchiebene, 
ja tiefgegenfähliche Eiatten 3ufammenhalten; aber auch, feit bie 
TTlutter bie ihr gebührenbe Stellung unb Hochachtung oerlor, 
bie befonbers iht pmt am fiinbe erforbert. — Erft ein kommen- 
bes Sefchlecht, bas in Deutfdier Gottfchau unb in ber Erkenntnis 
ber Seelengefetfe, roie bie IDerke Dr. TTlathilbe Cubenborffs fie 

45 



hünben, geleitet rourbe, bem fo ber Sinn unfeces oölhifdien 
unb menfdilidien Seins enthüllt ift, roirb bie Gefahren minbecn 
unb auch ben Eltern bie Einheitlichkeit geben, bie gleiches Blut 
unb gleiche töeltanfchauung fdienhen. 

IDie foll eine TTlutter Einfluß behalten auf ihren heran- 
roachfenben Sohn, fo lange fle in ber TTleinung bes Dolhes bem 
TTlanne nicht gleichgeachtet roirb unb ihr nur bie fiinberftube 
gehört unb bie fiüche, nicht aber auch bie Aufgaben im Bolhs- 
leben, bie ihrer töefensart entfprechen unb barum ihre fjilfe 
forbern, roenn bas Bolh nicht notleiben unb gefätirbet roerben 
foll. — IDenn bie Beutfchen TTlänner trohöem in ihrer TTlehr- 
3ahl TTlutterehrung lebten, fo — roeil ihr TJeutfcrjes Blutserbe 
fie ba3U 3roang. 

fjaben toir fchon nom erften Tage an ben ÜJillen unferes 
fiinbes in fefte 3udlt genommen, bann roirb es fchon in ben 
erften fahren fo roeit fein, baß es fein £eib ober fein £uftoer- 
langen maßooll äußert, baß es auch bie Gebote, bie feine Selbft- 
• erhaltung frühen unb bie bas Sippenroohl forbert, als Selbft- 
oerftönblichNeit achtet unb nicht als luftigen 3roang empfinbet. 
— Unfere liebe 3u ihm roirb uns banor beroahren, es ein3u- 
engen, feine ausgeladene hinbliche fröhlicbheit — bie Grunb- 
ftimmung bes gefunben Beutfchen fiinbes — 3U unterbrachen 
unb 3U forbern, baß fein Schemen unb Spielen oöllig geräufch,- 
los roirb. Sie roirb nur bie Büchficht Derlangen, bie bas Sitten- 
gefeh ober befonbere Umftänbe, roie Buhebebürfnis ober 
firanhheit in ber Sippe, fie forbern. Die fröhlichheit ift es ja 
gerabe, bie ber fiinber3eit bas glückliche pntlih gibt, bie in ihrer 
Unbehümmertheit unb Sorglofigheit uns rüchblichenb jene Tage 
als bas parabies bes Eebens erfcheinen läßt, bie bas fiinb 3um 
Sonnenfchein bes fiaufes unb feiner Sippe macht, uns ent3Ücht 
unb mitreißt unb uns felbft jung unb fonnig erhält. Ja, biefe 
fröhlichbeit ift ber Gottesftrahl ber hnofpenben Beutfchen Seele, 
ben noch Nein Beib unb Nein fjaß trübt, ber oielmehr auch ben 
pnbern bie gleiche fefttagsftimmung geben möchte: „Borfeier- 

46 



tag bes £ebens", nennt barum TTlattiübe Eubenborff biefe glüth- 
burchjonnten Rinbecjahre. — IDohl bem, bet ffc ungetrübt untet 
oecftelienben unb mitfühlenben Eltern genießen burfte. Sie 
bleiben ihm 3eitlebens eine heilige Erinnerung, eine Kraftquelle, 
aus ber er immer roieber ben fonnigen frohfinn fcrjöpft, ben 
ihm bie Erfahrungen bes Cebens fo oft rauben möchten. Sie 
fehütjt ihn baoor, unter fdjroerem Schichfal 3U uergrömen unb 
bitter 3U roerben. Sännt barum euren ßinbern oon fielen bas 
fonnige fachen ihres frühlings unb laßt euch oon ihm burch.- 
roärmen. Eure TTlitfreube öffnet euch weit feine Seele unb gibt 
ihm auch bas fichere Beroußtfein, baß ihr es nur ermahnt, roenn 
es notroenbig ift, unb baß ihr mit ihm fühlt. 

ÜJenn bas lTlenfchenhinb länger als jebes anbere £ebe- 
roefen ber Tlatur Dom Dafeinshampfe oerfchont bleibt unb oon 
all ben harten Erfahrungen unb fchtoeren Enttäufchungen, bie 
er ben Erroachfenen bringt, fo hat bas auch feinen tiefen Sinn. 
Tlicht nur feine langfamere Körperliche unb geiftige Entroichlung 
foebert eine fo ausgebehnte Sd|on3eit, auch bie Gottentfaltung 
feiner Seele — eine Erkenntnis, bie auch bas IDerh „Ues Rinbes 
Seele unb ber Eltern flmt" fchenhte. UJie traurig ftimmt uns 
ein fiinbergeficht, bas fchon bie flltersfpuren bes Dafeins- 
hampfes trägt, bem bie Taufrifche bes Cebensmorgens genom- 
men ift. Eine fchroere flnhlage gegen bie Eltern ift fo ein alter 
fiopf auf einem hinblichen fiörper. Gar 3U früh muß bas hieine 
TDefen fchon fein Denhen unb Tun ber 3roechmäßigheit — bem 
Erroerb — unterteilen, ber feiner Eltern Seelen oft fchon längft 
uerfteinert hat. Es rechnet unb berechnet genau roie bie fllten. 
Ob es Dorteil ober Tlachteil baoon hat, bas roirb balb ber ein- 
3ige flntrieb feines IDillens, unb, roeil bas Göttliche bie Der- 
fhlaoung an 3roechgebanhen am roenigften erträgt, fo fchroinbet 
mehr unb mehr ber Gotteshauch, ben eine TTlenfchenhnofpe 
atmet. — Gerettet oor folchem frühen Derberben ift bas Seel- 
chen nur bann, toenn „bie fchütfenbe fjülle" es opn aller Cohn- 
arbeit fo abfchüeßt, ba^ es feine eigene Traumroelt trohbem 
lebt. Es roirb bann freilich in ben flugen ber Eltern als ein fehr 

47 



unbrauchbarer Dafeinsftreiter gelten; ttenn feine flufmerhfam- 
heit gilt fo oft gan3 anberen Hingen, als es aon ihm Bedangt 
toitb. — Die Pflege eines Blumengartens, ber nur um feiner 
Schönheit roillen betreut roirb — fei er audi noch, fo Mein — 
ift unferem fiinbe ein guter Srfiutj oor bem flbfinhen 3u be- 
redinenbem Tun. Schon bie Einteilung, bie es 3u foldiet flrbeit 
3eigt, hünbet fidlerer als fjaar- unb flugenfarbe feine Dluts- 
3ugeh,örigheit. 

flrme fiinber, bie in ber Stichluft, bie firamerfeelen atmen, 
3um Ceben erroachen, beren Eltern nur noch, in 3ahlenroerten 
benhen unb für ihre TTlitmenfdien nur fo lange unb fo toeit 
ÜJohlroollen empfinben, als fie ihnen Dorteil unb Geroinn be- 
beuten. — Der frembe Glaube hat mit ber Blutsoermanfchung 
auch ben Pjönblergeift bes Oftens ins Deutfche Canb geroeht. 
Deutfeh ift es, eine Sache nicht um bes Hohnes unb Dudens, 
fonbern um ihrer felbft roillen 3U tun. — ÜJenn ber Tlühlichheit- 
ftanbpunht in ber DJelt bie Oberhanb geroinnt, fo roirb er ihr 
3um Grabgeläute. Denn bas Göttliche ift ber Urgrunb unb Sinn 
biefer Erfcheinungroelt, unb feine üernichtung muß ihren Unter- 
gang bebeuten. tDelch/ hohe Derantroortung ift barum bie 
Eeitung ber 3uhünftigen Gefchlechter! 

flllem nuhoerfhlaaten, gottmorbenben DJirhen am fiinbe 
oor3ubeugen, gab Dr. TTlathilbe Eubenborff Deutfchen Eltern 
ihre tiefernfte DJarnung: 

„Gefegnete, bie ihr ein roerbenbes Gottesberoußtfein 

Pjintruget 3um £eben im fchirmenben Schöße, 

Dor allem meibet ben Tempel ber plappernben Toten. 

Denn roiffet, roenn ihr bas fiinb 

Eintraget 3um Göhen bes Tlutjens 

Unb (äffet oon ihm betaften 

Die lieblichen Glieber, bamit er fie prüfe 

Unb brauchbar mache fürs Dafein, 

Unb roenn ihr roieber unb roieber beforget> 



48 



Dafi er euer fiinb oollhommen erachte, 

Unb ruftet es eifrig mit feinen furchtbaren Sprüdien 

Dann helfet, roenn es erroactjfen, baß fiinb, 

Der „tüchtige Dafeinsftrelter", 3urüch eines Tages 

Unb hünbet euch feine Erfolge» — 

Unb roie er fo fitiet unb grinfet 

Unb roie er bie fjänbe fidi reibet, 

ÜJeil er fo prächtig bie anbern beliftet, 

Da gleichet er gan3 bem furchtbaren Götzen, 

Unb nach einer Seele forfchet umfonft ihr! 

Dann roiffet: ihr felbft, ihr roaret bie TTtörber!* — 



' Bit. ITlathilbe tubenbotff : „Ttiumptj bts Unfttrblidihritroillens". 

49 



Das Deutfche tlternheim — 
der Seeienhort des Sindes 



ÜJie möchten coie jebem fiinbe toünfchen, baß bas Eitern- 
heim ihm ben feieben unb bie DJärme geben, bie fein Gebeihen 
ebenfo fötbetn coie bas focglid) umhegte Plätzen bas tOad)s- 
tum bet jungen Pfluge. Unb coie fie pd] um beften entfaltet, 
toenn He ben TlUitterboben behält, in bem fie 3um £eben er- 
tDachte unb fich auf ihre Umgebung einftellte, fo ift es auch 
unfetem Rinbe 3u coünfthen, baß es im Schuhe bes Elternrjaufes 
auftoächft unb nicht früh fchon in eine frembe Hielt oerpflan3t 
roirb, auf beten Einflüffe unb Gefahren fein Seelchen fo gatnicht 
eingeftellt ift, unb bie ihm bie Ciebe unb 3ättlichheit nicht geben 
hann, bie bas Deutfche fiinb 3um Aufblühen braucht. — TTlögen 
bie fiinber in bet pnftaltet3iehung recht roiberftanbsfähige 
Streiter im fchonungsiofem Kampf um's Dafein roerben — ihr 
höftlichftes Gut — ihr ßinberparabies — bas liebenoll umhüte- 
te, glüchliche Unbehümmertfein, bas ihr 5eelch.en fo gottleben- 
big erhält, toirb ihnen geraubt unb bamit in ben meiften fällen 
auch öie hcaftuolle Jnnigheit unb Tiefe bes Deutfchen Gemüts. 

Doch auch *m langer „Dorfeiertag", toie forgliche Eltern 
ihn ihrem fiinbe gönnen, birgt Gefahren für beffen Enttoichlung. 
So oiel DienfHriftungen empfängt es oon feinen Eltern, coie 
leicht geroöhnt es pdl ba, fle als eine Selbfroerftänblichheit h»n- 
3unehmen, eigenfüd)tig ober faul 3U roerben. D)o es nicht als £in- 
3elhinb fonbern im fierife oon Gefchcoiftern aufroächft, ba coirb 
folcher Entarichlung noch am beften oorgebeugt. Da gilt es auch 
för fiinberhänbe, fjilfe 3U leiften unb Meine Pflichten 3U über- 
nehmen, bie im Hahmen ihrer ßraft unb ihres ßönnens liegen. 
— Dem Stol3 ber Deutfchen Seele ift es 3uroiber, nur ber Emp- 
fangenbe 3U fein. Ein ftönbiges Fjinnehmen oon BJorjltaten 

50 



ohne Gegenleiftung bebrümt fie. Biefet £bel3ug ber Peutfchen 
Seele follte geftärht roerben, inbem man bem fiinbe Gelegenheit 
gibt, feine Panhesfcbulb für all bie liebenolle, opferreiche mühe 
bec Eltern roenigftens 3um Meinen Teil ab3utragen. — Schon 
früh lernt es fo auch, unbe3ahlte Pflichtarbeit für bie Gemein- 
fchaft 3u leiften unb fie ein3uorbnen in bas Perlangen nach 
Erfüllung feiner göttlichen BJünfche. Es roirb bann auch a ' s 
Erroachfener bie forberungen ber Selbft- unb Sippenoerforgung 
beffer mit ihnen in Einhlang bringen hönnen unb fteht nidft fo 
in ber Gefahr, 3U oerbummeln ober in 5eibftfucht 3U erftarren. 
Buch bereiten folch' Kleine Pienfrleiftungen es nor auf bie 
Pflichten ber Schreit unb geben ihm ein bewußtes Erleben 
feiner freihett. TTlit glüchlichem fielen enteilt es 3um Spiel, 
unb bie Eltern freuen fich feiner feierftunben. 

Ein ftarhes Banb 3roifchen Eltern unb fiinb ift bas nach- 
fühlen ber ßinberfreuben, aber ebenfo auch bes fiinberleibs, 
benn nicht minber tief erlebt es fein Seelchen. Paß bas Scrjau- 
helpferb ein Bein gebrochen, bie Puppe nerunglüchte, bas finb 
Schmer3en, bie bas fiinb ebenfo nerrounben als uns Erroachfene 
ein Perluft. — ÜJeint tta aber ein fiinb, roeil bas Schroefterchen 
ober bie freunbin eine fchönere puppe hat als es felbft ober 
fonft einen Beflh, ber fein Perlangen roecht, bann ift freilich 
unfer mitgefühl burchaus nicht am piatf, unb bie TTIuttet er- 
roeift ihrem Ciebling einen fchlechten Pienft, bie ihn bamit 
tröffet, baß er auch, bas Gleiche behommen foll ober ihm ein- 
rebet, üa$ fein Befih ber fchönere fei. Erhennt fie boch bamit 
ben roibergöttlichen Peib ihres fiinbes als berechtigt an. TDie 
roirb er ba bei jeber anberen Gelegenheit toieber unb roieber 
im fiinbe aufflammen unb feine Seele immer mehr entftellen. 
— BJie oiel mehr roirb (ie bem fiinbe halfen, m*nn fte es bar- 
auf hinroeift, roie häßlich ber TteiO ift, roenn fie ihm 3eigt, roie 
abftoßenb er beim Tiere wirht, unb roie er erft recht bas 
TTlenfctienhinb entftellt. — ©ie oiel mehr roirb fie bie Seele 
ihres fiinbes oor folcrjer Entftellung fchüfyen, roenn fie es 3ur 
TTlitfreube anregt unb fie ihm not allem auch fdbft oorlebt. — 

51 



Getobe ber Tleib ift eine bec hoßlidjften Ausgeburten feelifdiet 
UnoollRommenheit. fluf gleiche 5tufe mit bem Tiet ftellt fie ben 
TTlenfdien, ja fie erniebrigt ihn oft noch roeit unter bos Tiet. 
Denn toäljtenb bas Tiet ben Tleib toiebet oetgißt, fobalb bet 
Gegenftanb bes Tletbes aus feinem Gefld]tsfelb oerfchrounben 
ift, gräbt bet TTlenfch ihn tief in feine Seele — oft fo tief, baff 
fidi bet fjaß noch ba3u gefeilt, unb beibe ihm nun ben frieben 
tauben unb feine Seele ins BDibetgöttliche oer3erren. — Die 
meiften TTlenfchen finb feht gern beteit, mit ben anbetn 3U 
meinen, menn fie ein Unglüth gettoffen hat; (1dl abet mit ihnen 
3u fteuen, toenn es ihnen gut geht, ba3u finb fie feiten fähig- 

— Geftetn faß man noch om Bett bet htanhen Tlachbatin unb 
beklagte iht £eib, — t\eu\e, ba fie ein fchönes Gefchenh be- 
nommen hot, ift fchon bet Tleib ba, bet es iht nicht gönnt. — 
3um "mitfreuen gehört freilich sine ftärhere, gottburcrjbrunge- 
nere Seele als 3um Ttlithlagen. — £s toütben nicht fo niele 
Ttänen bes Sdjulbgefühls auf Gtäbet gemeint, menn bie 
TTlenfchen fidi im Ceben mehr £iebe er3eigten unb ftatt bet 
Blumen, bie fie ben Toten auf bas Gtab legen, ihnen im Ceben 
meht Güte unb rOorjItooüen fchenhten. 

Unheil unb £eib ohne Gren3en trägt ber Tleib ins £eben 
bes Ein3elnen, ins Sippen- unb üölherleben, meil er fchon in 
ben fiinberfeeleri mehr gebulbet unb genährt als bekämpft 
roirb. fjört nur einmal 3U im Sippenhreis, beim ßaffehrän3chen 
ober Stammtifd], über roas fidi bie Erroachfenen ba unterhalten. 

— IDas bie Ttachbarn ober fonftige Dolhsgefchmifter treiben, 
ihr Beflh unb ihre £eiftungen, mas fie effen unb toie fie fidi 
bleiben, fogat ihre ehelichen Eigenangelegenheiten, bas ift bas 
meitaus am meiften geführte Gefpräct). Unb in ben feltenften 
fällen ift biefe Unterhaltung oon BJohlroollen für bie betreffen- 
ben TTtitmenfchen behettfcht, oiel, oie( öfter oon neiboollem unb 
mißgünftigem Beobachten. — TTluß eine ßinbetfeele nicht fchon 
früh 3U gleichet Ttiebtigheit oetgiftet metben, bie in folchem 
fiteife groß wirb? — Unb ift bas nicht bie geiftige fioft bet 
TTlehtsahl bes Dolhes, befonbers, feitbem es in enggebauten 

52 



Stöbten unb Dörfern hrimifch ift. Es muß ein fiinb in einer 
foldien Sippe fitf» fction gcny in feine „fchirmenbe Fjülle" oer- 
hapfeln, feine pufmerhfamheit gan5 ablenhen unb feine Umroelt 
garnidit hören, roenn biefer Gifrhauch es nidit anhränheln fall. 
IDie glüchlidi ein fiinb, in beffen Elternheim Tleib unb Ge- 
häffigheit Keine Statte haben! HJo bas große töeltgefchehen, 
bie Belange bes Bolhes ober auch öie roeite Gottesnatur, roo 
fiunft unb bie Schönheit bes £ebens ober auch öie traute filein- 
roelt bes Gartens unb ber fjaustiere bas geiftige unb feelifche 
Ceben ber Sippe beroegen. Eine folche fiinbesfeele ift beffer ge- 
roappnet gegen bie furchtbaren TWßgeburten ber menfdilichen 
UnoollRommenheit. Sie hann früh frh°n weit, tief unb groß 
roerben, baß ihr flugftarhe Schroingen roachfen ins 'Raum unb 
3eit unb Umroelt Dergeffenbe Jenfeits unb 5ur fpäteren be- 
roußten Gottgemeinfchaft. — fluch, hier roirb bas HJiffen um 
ben Sinn bes Seins unb ber Schöpfung — roie bie Deutfche 
Gotterhenntnis es gibt — Pjelfer 3um geiftigen unb feelifchen 
IDachstum ber fiinber roie ber Erroachfenen. — 

Eltern, bie bas Schöne neiblos berounbern, auch wenn es 
ihnen nicht gehört unb nicht gehören hann, bie mit ÜJohlrootlen 
unb Schonung non ihren TTlitmenfchen fprechen unb ihren Fjajj 
unb ihre Ablehnung nur auf beren gottfernes fjanbeln unb 
Gebaren richten, bie roerben im Deutfchen fiinbe bie gleiche 
Fjöhenlage förbern, unb es 3ur gottgerichteten Eiebe bes Eblen, 
IDahren, Guten unb Schönen unb 3ur gottgerichteten f einbfchaft 
gegen bas Böfe, Schlechte unb fjäßliche, gegen alles BJiber- 
göttliche ent3ünben. 

IDenn bie Eltern felbft in innigem Einhlang mit ben gött- 
lichen HJünfchen ber Tltenfdienfeele leben, roenn ihr Benhen 
unb fühlen Ebelfinn, flufrichHgheii, Schönhritfreube, Jcoech- 
erhabenheit unb Güte ausftrahlt unb ihr fjanbeln folche Gott- 
gemeinfchaft offenbart, bann roirb bas auch auf ihr ftinb non 
ftarhem Einbruch fein. IDohl gibt es im Eeben bes fiinbes 3«ten ( 
roo es unferem BJirhen an feiner Seele roenig ober garnicht 

53 



3ugongüdi ift, fo, menn es in feinem eigenen Ttaumteicb, toeilt 
ober feine flufmethfamheit abgelenht unb fein Seelentütdien 
oecfdiloffen ift. flbet auch, bann oetmag oft ein gottbutchfttahl- 
tes IBott bies Tütchen auf3ufcbHeßen unb bie Sonnenflüget 
unfetets fiinbes 3um mitfliegen ins Heidi bet Sdiöntieit unb 
IDeite 3U entfalten. DJenige fiinbet,. bie 3. B. bei Tifdi oom 
Tlahtungsttieb fo gefeffelt fmb, baft fie batübet nicht nodi 
fteube an einem fchönen Bilbe, fdiönet TTlufih obet einet £t- 
3fitjlung haben. 3a getabe bas erbteine Deutfdie fiinb ift fähig, 
übet folchen Einbrächen „bas 5äugetiet" gan3 3U oetgeffen obet 
boch fo hintan3uftellen, baff bie Eltetn batum fein hötpetlicbes 
6ebeihen umfotgen. — Da flht es toiebet mit gtoßen Bugen, 
fchaut in ben Blütenbaum oot'm fenftet, laufcht bem 5ehn- 
fuditlieb bet flmfel unb läßt bie Suppe halt toetben, fo baß bas 
fenftet fdiließlich, gefchloffen toetben muß, bamit fjänsdien obet 
6tetelein enblidi mit bem Effen beginnt. — Das etbteine Deut- 
fdie fiinb hat auch ein fo ftathes Sdiönheitempfinben, bafs es 
— felbft toenn es hungtig ift — bie beften Cechetbiffen oet- 
fchmäht, toenn fie ihm unfaubet unb oettoahcloft batgeboten 
roetben. Schönheit bet Umgebung ift bem Deutfchen TTlenfcben 
fo lebensnottoenbig toie bie £uft 3um fltmen. 

Unmöglich fteilict], einem fiinbe göttlich geachtetes fühlen 
auf3U3toingen. — Ob unb intoietoeit feine Seele ba3u beteit ift, 
batübet entfeheibet es allein felbft, unb bas 3attgefühl, bas bie 
Eiebe 3um fiinbe ben Eltetn gibt, untettict)tet fie baoon, ob fein 
Seelentütchen ihnen offen fteht. — „Stetes UJithen abet feltenes 
Geftalten", heißt bet Stunb- unb Eeitgebanhe, ben TTlathilbe 
Eubenbotff in ihtem Et3iehungtoethe „Des fiinbes Seele unb 
bet Eltetn pmt" aufgeteilt hat. Stetes, unabläffiges DJithen 
am fiinbe auf bie Ethaltung feinet ÜJillenshtaft, abet auch bet 
nJillens5ucht, bet Ü3illensfeftigheit unb Stetigheit unb oot allem 
abet auch ftetes ÜJithen am fiinbe im Sinne bet fluftethtethal- 
tung bes 5ittengefehes. DJet als fiinb bas Sittengefeh übetttitt 
toitb ebenfo befttaft, toie et als Ettoachfenet bafüt befttaft 
toitb — nicht aus Hache obet Fjaß, fonbetn, toeil um bet 

54 



Sippen- unb Dolhsgemeinfchaft, roie um ber Selbfterhaltung 
roülen, bas Sittengefeh geachtet roerben muß, unb jeber Der- 
lehung batum bie Sttafe folgen muß — unmittelbar unb 
immer unb ohne Begrünbung. — Dos finb fchjimme Eltern, bie, 
oft für bie gleiche fehltat, einmal Strafe eintreten laffen unb 
bann roieber nicht ütire fiinber roiffen bann nicht mehr, mann 
bas Sittengefeh 3u erfüllen ift unb mann nicht. — niemals 
follte auch önt Strafe angebroht roerben, bie nachher ausbleibt. 
Sie muß mit folcrjer Sicherheit eintreffen, roie ein Tlaturgefeh 
fich ooll3ieht. TTluß boch bas fiinb fonft 3um Spieler merben, 
ber bie fehltat mal roagt, roeil fie ja glüchen Kann unb fchon 
manchmal — troh ber Drohung — ftraflos blieb. ÜJenn bas 
fiinb rion Wein auf roeiß, i>afi es bies unb jenes nicht tun barf, 
bann macht es fich «n Sefeh roie ein Erroadifener, unb folch 
hlarer Sefehmäßigheit orbnet es fidi bann ebenfo ein, roie ber 
Erroadjfene fich bem Sittengefeh feines Dolhes einfügt, für bie 
Eltern ober Edierter freilich »ft es bequemer, launifch 3U fein bei 
ber lDillens3ucht. "Plan ift gerabe mal nicht fo aufgelegt ober 
hat heine 3eit 3um Strafen, ober bie Sache, bie ta 3erftört 
rourbe, roar nicht fo roertooll. Eine folche Eaunenhaftigheit ober 
pbftaffelung nach bem HJert bes Segenftanbes hann für bas 
fiinb heine hlare Sefehmäßigheit Bebeuten. Ü3as für Rinber- 
hönbe nicht taugt, bas follte man ihnen unerreichbar machen, 
jebenfalls fo lange fie ein Derbot, banach 3U greifen, noch nicht 
oerftehen Können. 

HJer bas Sittengefeh erfüllt, roirb nicht belohnt. Die Scho- 
holabe behommt bas fiinb nicht, roeil es ben Eltern folgte, 
fonbern roeil fie es lieb haben. Das Sittengefeh ift ein Selbft- 
oerftänblichheit im Ceben ber 5ippe; benn 3um f rühftüch fauber 
3u erfcheinen, bie Schulaufgaben unaufgeforbert 3U machen, 
pünhtlich 3u fein, bies unb ähnliches mehr oerbient heine fln- 
erhennung, foroenig als einer oom Staate bafür belohnt roirb, 
roenn er nicht ftiehlt ober bie Derhehrsorbnung beachtet. Die 
Deutfche Sotterhenntnis fagt, roer fich gut beträgt, hat bamit 
nur feine Sittenpflicht erfüllt, unb bafür gibt es heinen £ohn 

55 



unb aud] in ber Schute heine flus3eichnung. — IDet bagegen 
Das Sittengefeh brid]t roirb immer befttaft. — fllles Strafen 
follte freilich auch, mit einem fjinhorchen auf bie Seele bes 
fiinbes nerbunben fein unb fich, beim Strafmaß bie frage [tei- 
len, roarum öas fiinb fehlte, ob es bem Göttlichen ober bem 
UHbergöttlichen bei feinem Hergehen folgte. — Das Rinb ift 
Raum unb 3eit noch nicht fo unterroorfen roie ber Erroachfene, 
befonbers nicht bas phantafiebegabte Beutfche Rinb, beffen 
Seelchen [ich roenig barum Kümmert, baß es auch feinen Bor- 
teil mahrt, baß es nicht 3u hur5 Kommt beim Verteilen irbifcher 
Güter. BJie niel Blühe haftet es fthon, es an bie Einhaltung ber 
Tifchjeiten 3U geroöhnen. IDie oft hat es über einem fchönen 
Spiel, über einem Bilberbuch. ober einem TTlärchen ober über 
einer forfchungreife feiner IDißbegierbe unb feines UJahrheit- 
roillens bie TTlittags3eit nergeffen. Schon fo oft ift es barum 
gefcholten, ja hart geftraft roorben, unb fetbft bie Schule hat es 
ihm noch nicht beigebracht. — Sein BJeg borthin führt über 
eine Brüche. Ba fteht es roieber unb fchaut auf ben Strom hin- 
unter, träumt ben Schiffen nach, ujo He rooh.1 hinfahren, unb 
roas fie alles fehen roerben, fleht bie TTlöoen übers BJaffer 
gleiten unb ins B3eite 3iehen. Bie Turmuhr reißt es aus feinen 
Träumen, unb nun rennt es roie ein gehetztes BJilb, baß es 
noch cm feinen piatj hommt, beaor ber £ehrer erfcheint; aber 
haum ift es ba angelangt, Öa ift feine Seele fchon roieber 
braußen auf bem Strom bei ben Schiffen unb ben Blönen, unb 
es hat gan3 überhört, baß ber Tehrer es angerebet hat. „fluf- 
merhfamheit fchlecht", roirb es in feinem 3eugnis heißen, unb 
es oergehen trotj aller Borroürfe unb Strafen Jahre, bis bieft 
Büge an feinem Behalten fehlt. Oft finb bie Eltern feht un- 
glüchlich über ein fo oerträumtes Rinb, bas fo räum- unb 3eit- 
los burch's Eeben geht roie ein $ orfcher, ber über feine prbeit 
nadifinnt unb in einen oerherjrten 3ug einfteigt, ober ein ftünft- 
ler, ber im 3auberreid] feines Schaffens roeilt unb garnicht 
fieht, roas um ihn her oorgeht. — Bas Rinb taugt nicht für's. 
Eeben, fagen fie: „Es roirb es nie 3U etroas bringen", roomit fi* 
oor allem bas Gelboerbienen meinen. Unb fie finb ftol3 auf ein 



56 



anderes, bas mit ber Uht lebt roie ein Erroachfener, nie bie 
Tifchjeit oerfäumt, alles roahrnimmt, roas für feine Selbfter- 
haltung roichtig ift, nie eine fdilerfite pufmethfamkeitnote hrim- 
btingt ober fogar bie Schule als Erfter burerjläuft. „Er roirb fidi 
einmal machen", fagen pe; „er fteht mit beiben fußen in ber 
HJirhlidiheit!" — 3a, er macht fidl- £* wirb ein ebenfo ftreb- 
famer Stubent roie er ein ftrebfamer Schüler roar; aber nicht 
ber göttliche DJille 3ur TOahrhrit befeelt fein forfchen. — Er 
betäubt ihn, roenn er ihn mahnen roill, um feines TJolnes 
ÜJülen bie tatfächlichen 3ufammenhänge 3U ergrünben. Er lernt 
unb lehrt, toas ben Draht3iehern ber HJeltgefdiichte Schonung 
unb TJechung bebeutet. Er kommt 3U Stellung unb flnfehen, 
fein Befitf mehrt ficti; aber ben Sott in feiner Seele, ben \\at er 
eingefargt um feiner Eigenfuctjt unb feines Ehrgeizes roillen. Es 
ift aber in ben flugen ber Eltern unb ber meiften TTlitmenfchen 
„roas aus ihm geroorben!" 

Her anbere, ber 3eitoergeffene, raumoerlorene Träumer, 
bem geht es im tDirtfchafthampf oietleicht roie bem roeltaer- 
geffenben Dichter bei ber Verteilung ber Eebensgüter: 

„6an3 fpfit, nachbem bie Teilung längft gefchehen, 
naht ber Poet, er harn aus roeiter fern!" 

Unb auf bie frage bes Softes: 

„tDo roarft bu benn, als man bie Hielt geteilet? 
3di roar, fprach ber poet, bei bir." 
„Beleih, bem Seifte, ber aon beinern Eichte 
beraufcht bas 3rbifch.e oerlor!" 

TTlit trbifdjen Sütern, mit tteichtum, Titeln unb flus3eidi- 
nungen roar ein Schiller nicht gefegnet; aber feinem TJeutfdien 
Dolhe gab er aus feinem Himmel Unfterbliches! — Unb fo 
manches oerträumte fiinb ift fpäter einer non ben Großen ge- 
roorben, bie Erhabenes ber Tlachroelt fthenhten. 

5? 



Es foll bas nun freilich, nicht heißen, baß roir die Unauf- 
methfamheit bes fiinbes pflegen unb fötbetn. Sdion bacum 
nicht, roeil fie ja feine Selbfterhaltung oft in fo hohem Blaße 
gefährbet. — Bie nieblidie Gefliehte oom „fians guch in bie 
Euft", ber übet feinet Erboergeffenhrit in's XDaffet fällt, 3eigt 
fo recht ben BJefens3ug bes Deutfchen fiinbes, bas nun mal fo 
geartet ift, baß es gern 3ur flöhe unb in's IDeite fdiaut. Unb 
fie ift fo recht geeignet, fo einem hleinen „fjans guch in bie 
£uft" ettoas fefter auf bie Erbe 3U ftellen. Jft es both nun ein- 
mal notroenbig, ba$ unfer fiinb Baum unb 3"t achten lernt, 
flber ein Segen ift es auch, baß ihm ber ausgebetmte „Dor- 
feiertag bes £ebens" befchieben ift mit feiner fchroachen Bin- 
bung an "Raum unb 3eit. Er trögt Sorge, baß fein Benhen nicht 
all3u früh frhori ber 3toechmäßigheit, bem Butten, unterftellt 
roirb, ber fo leicht 3um Sottmörber ber Bknfchenfeele toirb. 
Allmählich führt bie lange fiinbt|eit3eit im Schuhe bes traulichen 
Elternheims es ba3u hin, Raum unb 3eit 3U achten unb bie 
ihnen unterteilte Pflichtarbeit 3U leiften, ohne baß ihm fein 
fjimmel, fein Jenfeitsfein oon Raum unb 3eit, gefährbet roirb. 

IDeU unfece fiinber in fo fchtoacher Binbung an Baum unb 
3eit flehen, barum ift ja auch bas Blärchen bas Beich ber 
fiinberfeele. BJann bas einmal roar, hafs bie 3toetge Schneetoitt- 
chen beherbergten, unb too bie Kleine Fjütte ftanb, bie es fchühte, 
bas ift bem fiinbe gan3 unroichtig, unb baß es barum nicht 
roeiß, hinbert es burchaus nicht, für roahr 3U halten, ha^ fich, 
bas alles einmal fo 3ugetragen hat. Ja, bas ift gerabe bas 
Bei3oolle. Benn barum erfcheint es ihm burchaus möglich, Öaß 
es auch einmal felbft fo ein Blärchen erlebt, baß es mal eine 
prin3effin fein toirb, bie ein fiönig heimholt in fein 3auber- 
fchloß, ober baß bie Tiere fprechen Rönnen, unb nur bas Sonn- 
tagshinb fie oerfteht. — Bas Blärchen ift bie traute fjeimat 
feiner Seele, befonbers auch, wenn bie üJirhlidiReit es rauh 
unb hart anfaßt. Bann flüchtet es in fein 3auberreich. Es 
braucht ba3u ja roeber Selb noch tDagen ober Schiff. Bie flügel 
feiner Seele tragen es fchnell unb fidl« hinüber. Unb bas 

58 



5chönfte ift, baß es gar niemanb roeiß, mann es fortgeflogen 
ift. Hut feine Bugen oeccaten es aielleicht ber tieffchauenben 
TTlutter. — TDie manche hleine TTTenfchenhnofpe, bie 3toifdien 
Unhraut toöchft, unb bie noch, nie ein Sonnenftratjl toätmte, 
hat bte fiaßlichheit unb übe ihres Botftühlings nie empfunben, 
toeil ihr Seelchen fo flugftarhe flügelchen hat, bie es all bec 
Enge, ber flrmut unb Eieblofigheit ihres ßörtchens entheben. 

— XOenn es fith bie betoahrt, fo toirb es im £eben — auch, 
toenn es immer im Schatten toachfen muß — triel reicher fein 
als ein fiinb, bas in ber Sonne unb in einem fchönen, gepfleg- 
ten Garten aufblühte, bem nie ettoas mangelte, ja bas überfatt 
getootben ift non all ben Gaben, bie bas leben ihm fchenhte, 
bem aber barum auch nie bie Sehnfucht bie Seele beflügelte 
unb fie in ben fiimmel, — in bas 3auberreich bes Erhabenen 

— trug. — TDie niete Beutfche TTlenfchen banhen es nur biefen 
Schtoingen, bafi fie bas Ceben in ben Steinfärgen ber Großftnbt 
ertragen Rönnen, in bie ihr Beruf fie binbet. Die meiften freilich 
finb langft felbft fo eingefargt, baff fie bie mauern lieben, bie 
fie einfchließen. 

XOeil bie flügel ber Einbilbunghraft (ber Phantafie) bas 
Beutfche fiinb über feine tatfächliche Umgebung fo uöllig hin- 
austragen Rönnen, baß es — unbetoußt — fteghaft triumphierf 
über feine Erbgebunbenheit, barum ift ihm auch burchaus nicht 
ber Gelbtoert unb bie äußere Bollhommenheit feiner Spielfachen 
entfcheibenb für beren IDert. — tDas foll ber piunber, bu haft 
boch roahrlich Spieljeug genug, unb ba beroahrft bu bie nithts- 
nuhigen Steine auf, fagt bie TTluttet. Bern fiinbe aber finb ge- 
rabe biefe roertlofen Steine ein fo teurer Befifi,- läßt f»dl bamit 
boch \°W \i0\3e Burg bauen unb immer toiebet eine anbete. 
Barum finb fie ihm niel lieber als bie fchön lachierte feftung, 
bie man garnicht netänbetn kann unb batf. Baß feine Bau- 
fteine roenig ober garnichts gehaftet haben, bas ift in ben flugen 
bes Beutfchen fiinbes nicht bas Entfcheibenbe. TDas man bar- 
aus machen kann, barauf kommt es an! — Bie mit Spiel5eug 
überfättigten finb barum burchaus nicht bie glücklichen fiinber, 

59 



unb ber Entfaltung ber Gottoerbunbenheit ihrer Seele roirb mit 
öet tJenoöhnung nicht geholfen. Bebauernsroert bie Seelchen, 
bie früh fct]on oon ben Erroachfenen ba3u geführt roerben, alle 
Hinge nach ihrem 6elb- unb Tlunroert ein3ufchätjen, coie es bem 
3uben roefenseigen ift. fiinber, bie unter folcher Einteilung 
hetanroachfen, tnerben fpäter auch fähig/ fetbft bas heiligfte 
Gefühl, bie TTlinne, 3um Tiechengefchäft 3U erniebrigen. 

Gerabe im Deutfchen fiinbe ift bas TJhantafieerleben befon- 
bers lebenbig. Jhm banht ja ber Tlorben feinen fchöpferifchen 
Sdiönrjeitfinn, ber fo überreiches gefchaffen hat. — "Die Spaten- 
forfchung hat es ertoiefen, allen priefterlicrjen Gefchicrjtelügen 
3um Troh- — Bus einer nüchternen, uemunft- unb 3toechgebun- 
benen Seele konnte fo Diel Schönheitfetmen niemals quellen 
unb Geftaltung ftnben. — Has Phantafieerleben laßt fich bar- 
um auch einem nüchtern oeranlagten fiinbe niemals aner3ieh,en, 
benn es ift eine Gottesgabe ber Tlatur. Bber mir hönnen es 
fchühen, roo es keimt, unb bamit förbern. — Glücklich ein fiinb, 
bem Derftänbnisriolle Eltern bas Parabies feiner Seele liebeooil 
umhüten, bie es — um einer flnorbnung toillen — nicht jäh 
herausreißen, fonbern fich einfühlen in fein Erleben unb es 
fanft unb fchonenb in bie TJOirklichkeit führen unb bie pnforbe- 
rungen bes Blltags unb bes Dafeins hineinnerroeben in bas 
TTlärchenerleben bes fiinbes. Es gehört freilich ba3U, baß fic 
einen Bugenblick hinhorchen auf bas Spiel ober bas Buch, bas 
bie Seele ihres fiinbes gefeffelt hält. TP.it freube unb Dankbar- 
keit roirb bann bas fiinb ihren Bnorbnungen folgen, roeil es 
fich oerftanben fühlt. — Eine Überlaft uon Sorge unb prbeit 
hat oiele, einft fo traumreiche Elternfeelen 3errieben unb ftumpf 
gemacht. — Es ift ber göttliche Sinn ber Technik, baß fte bas 
TDirken unb TTlühen ber TTlenfchen erleichtern, ihre Brbeit3eit 
hür3en unb ihnen fo firaft unb TTluße geben fall, bie freiftunben 
nach ben göttlichen TDünfchen ihrer Eigenfeele 3U geftalten. — 
Eine roibergöttliche TDirtfchaftorbnung aber machte bie Technik 
3um fluche ber TTlenfchheit. — Brbeitlofigheit unb ebenfo über- 
bürbung mit prbeit macht bie körperlichen unb feelifdien 

60 



Gräfte ftumpf. Eine Überlaftung nimmt oot allem oudi öet frau 
unö TTlutter bie Befditoingung, beten fie 3U ihrem bebeutung- 
nollften flmt in bet Sippe — 311t Umhütung ber fiinbesfeele — 
bebarf. — 

ÜJie bie Sehnfucht nach, Sdiönheit in ber Deutfchen fiinbes- 
feele tout3elt unb fie ins TTlörchenlanb entführt, bas an Schön- 
heit fo überreich ift, fo mahnt im TJeutfchen ßinbe auch ein 
ftarher HJille 3ur Erhenntnis unb barum 3ur forfchung. Ulie 
Kommt es nur, bafj bie neugefchenhte Cohomotioe bie Bäber 
beroegt, roenn man fie auf3ierjt? — Bas muß unterfucht roerben. 
— Unb fchon ift fie reftlos in ihre Beftanbteile 3erlegt. — Solch' 
eine 3erftörungrout rierbient boch. Strafe, fagt bie TTluttet. Daß 
es ber fieim bes Entbechergeiftes mar, ber bie Tat auslöfte, 
unb bem mir — in feiner Enttoimlung — allen fortfchritt 
banhen, bas toirb überfehen. ÜJarum fich bie Bäber brehen, 
bas rei3t bie hinbliche töifjbegierbe. Unb ift folch,e ÜJißbegierbe 
nicht bie Dorbebingung für alles fernen im Eeben! IDo fie nicht 
ift, ba roirb auch menig Eernfreube fein. Her DJert bes Spiel- 
3eugs liegt für bas toahrheitfuchenbe Beutfche fiinb nicht in 
feiner DollRommenheit, in feiner Übereinftimmung mit bem 
Dorbilö, fonbern in ber Blöglich>eit, einmal felbft erforfchen 3U 
Können, toarum bas fo ift, unb toie es (ich 3ufammenfeht. Es 
ift auch barum garnicht nottoenbig, bafi bas 5piel3eug ein fo 
hochmertiges ift, benn, roenn es nicht unterfucht roerben barf, 
unb ber Meine forfcher nur acht geben foll, bafi es gut erhalten 
bleibt, bann ift ihm fchon ein Bogen Papier lieber, aus bem er 
fleh ein flug3eug faltet. Ungefcholten Kann er fich ^ ein gan3es 
Sefchroaber fchaffen. 

So ein Kleiner Baftlet oergifit über feine Entbecher- unb 
Schöpferfreube gan3 ebenfo bie Umroelt unb ihre forberungen 
roie fein Schtoefterchen im Traumlanb bes TTlärchens ober beim 
Erforfchen ber Schlafaugen feiner Puppe. Gönnt eurem ßinbe 
bies üosgelöftfein, bas fich freilich eher 3erftören als hünftlich 
herbeiführen läfit. ÜJie gut, bafj „bie fchirmenbe fjülle", bie in 

61 



ber fiinbesfeele Die äußeren Dorgänge oft fo oöllig oöm inneren 
Erleben abfthließt, allen ben 5eeld]en fiilfe fein Kann, bie 5er 
Eltern 3artfühlenbes Einleben entbehren muffen, unb ttafi fo 
allen ber IDeg 3um TDerh- unb Tatfd)öpfer ebenfo freigegeben 
ift roie 3ur fpäteren Selbftfdiöpfung, unb bie £c3ieriec nur helfen 
ober hemmen, nicht aber enbgiltig Aber bie Entroichlung bes 
fiinbes entftheiben hönnen. töte uns TTlathilbe Eubenborff fagt*, 
hat ein göttlicher tDeltenroille bafür geforgt, baß roeber Stanb- 
oct noch Umgebung bie Entroichlung ber ITlenfchenfeele feftlegen 
hönnen, fonbern fie felbft ihr eigener Schöpfer ift. 

Tlicht allein bas geroaltfame, unoermittelte üJeg3erren bes 
fiinbes aus feinem Traumreich ober feiner „Sdiöpferroerhftatt" 
bebeutet Gefährbung. Hoch anbere fchroere fehler 3eigt uns 
bas töerh „Des fiinbes Seele unb ber Eltern flmt". Da ift ein 
fiinb, bas aus feinem Phantafieerleben gar oft feine Umgebung 
unterhält. Es roeiß fo brollige Spaße 3U machen, hat fo luftige 
unb auch geiftreiche Einfälle, bie feine TTlitroelt aus ber öbe 
ihrer eigenen Seele fo angenehm befreien unb fte erfrifchen, 
baß man es mit Beifall unb Gunftbe3eugungen überfchüttet, 
3ur unfreiroilligen Üorftellung anregt, gar 3um IDunberhinb 
erhlärt unb ihm fo bie fchühenbe Unberoußtheit unb bie ruhig 
ftetige Entroichlung feiner Begabung raubt, ja fie oielleicht oor- 
3eitig erfchöpft ober in eine fchjießlich hranhhafte überfteigerung 
ober Der3errung, in abftoßenbe Selbftüberhebung hineintreibt 
unb auf jeben fall feiner Seele bie Selbftfdiöpfung erfchroert. 

Ein Übermaß oon £ob, befonbers roenn es öffentlich 9*- 
fpenbet roirb, gefährbet ein fiinb ebenfo roie fcharfer Tabel, oor 
allem, roenn er oor anbern ausgefprochen roirb. übertriebenes 
Hob oerführt 3ur Eitelheit, befonbers im fiinbesalter, roenn bie 
Seele 3ur Selbfteinfieht noch nicht erftarht ift. Scharfer, häufiger 
Tabel raubt bas 3U allem Schöpfen unb Schaffen fo notroenbige 
Selbftoertrauen. — TDenn bie Deutfdie frau ihrem Dolhe in 



* Dr. Tu. Eubenborff: „5elbflfd)Spfung" 
62 



ben ctitiftüdien Jatjrhunberten fo wenig fchöpferifche Großtaten 
fdienRte,.baß man ihr barum bie fchöpferifche Begabung über- 
tjaupt abfpradj, fo hat bas gan3 geroiß feinen Grunb in ihrer 
Unterbrüthung unb minberbetoertung, bie ihr bas 3utrauen 
3ur eigenen feiftung raubten unb ihre Schöpfergabe, bie fid| 
beim BJerben bea fiinbes fo überreich erroeift, auf geiftigem 
Gebiet lahmlegten. — HJie oft 3erftört bie all3u harte 3udlt 
unb bie ftänbige Beoormunbung ftrenger Eltern in ben fiinbern 
bie f reube unb ben TTlut 3ur eigenen £eiftüng, nicht minber ber 
öffentliche Tabel eines oerftänbnislofen £eh,rers, ber fidl 9f>» 
nicht bie TTlfihe macht, über bie Vorgänge in ber fiinbesfeele 
nacbjubenhen. 

3n ber Seele bes Beutfchen fiinbes ift ber Stol3 befonbers 
lebenbig, unb es ift barum auch tJtel emppnblicher für feine 
Derlehung. Bas ift ja bas ÜJefentliche bes Beutfchen Ehrgefühls, 
baß es fidl aufbäumt gegen jebe TTlißachtung feiner TTlenfchen- 
roürbe. Unb biefer Beutfche Ü)efens3ug abelt oor allem auch 
bie noch urfprüngliche Beutfche fiinbesfeele, oft in roeit ftfirhe- 
rem Blaße als alle bie Erroachfenen, bie als Chriften ben Stol3 
als fjoffart unb Sünbe werten lernten. — Bie priefterliche TDelt- 
ieitung mußte roohl, baß es 3ur Unterroerfung bes Tlorbens 
oor allem galt, ben 5tol3 — - bas fiüchgrat ber Beutfchen Seele 
— fchon im fiinbe 3U brechen. IDie follte fie es fonft erreichen, baß 
bie Erroachfenen pch, unter ihre fjerrfchaft beugen unb fid] oon 
ihr 3U blinbem Gehorfam * oerpflichten laffen. Erft müßte man 
bie Prügelftrafe einführen unb es gleich3eitig für gottroücbig 
barftellen, ftch qnfpuchen 3U laffen, beooc man bie Beutfchen 
Bechen 3ur finechtfehaft er3iehen unb fi* in Geheimorben burch 
Broheibe bänbigen Konnte. Unb fte alle mußten erft bie Beut- 
fche Seele in fich 3um Schweigen bringen, ehe fie fähig roaren, 
ftch 3" buchen. Sie roar bann ber „böfe Geift" ober ber „Teufel", 
ber fie 3U Derfud]en trachtet. So fchroahte man es ihnen oon 
Mein auf in bie Ohren. 



* £. unö Tu. £uöenbotff: Das 6ct)eimnis Öer 3efuitenmad)t unö ihr Enöe 

63 



Det £eitfatj bei allem Strafen oes Deutfchen fiinbes füllte 
fein, baß es ben Gott im Tnenfdien unb feine IDütbe achtet. £0 
mag Haffen geben, beten Seele an bet Dtügelfttafe nicht oet- 
hommt, toeil ihnen ohnehin ein hünbifches kriechen unb Sich- 
buchen eigen ift unb als Gegengetoicht eine bünhelhafte Ein- 
bilbung. Eine helbifch gebotene, ehtbetoußte Seele abet muß' 
batan fchtoeten Schaben nehmen. Unb helbifch ift bie Deutfche 
Seele, too fie noch fein unb utfptünglich fidl entfaltet. Seht nut 
ben Kleinen Blonbfchopf, roie et mit flammenben flugen unb 
trotzig aufgetootfenem fiopfe unb boch fo roehtlos unb fchuhlos 
bem mit einem bichen Stoch betoaffneten Batet gegenübetfteht, 
toie et ihn uoll Empörung anblitft mit großen, furchtlofen 
flugen, als roollte er ihn roarnen, 3U3ufchlagen. flber in bem 
chtiftlichen Üater löft folches aufbäumen bes Deutfchen Stoßes 
nur noch blinbete Hlut aus. Sollet Troh muß ausgeprügelt 
unb niebergetreten roerben, unb. fo fchlägt er 3U unb fchlägt 
auch m«ft für immer bas Tor 3U, bas eine oertrauenbe fiinbes- 
feele ihm fo toeit offen hielt- Solch' fchtoeter feelifcher Erfchütte- 
rung — 3umal, roenn fie ftch roieberholt — hält bie finofpen- 
hülle in ben feltenften fällen ftanb. ÜJenn bas fiinb bas Erlebte 
nicht oergißt, toeil es ein träumerifches fiinb ift, bas alle DJirh- 
lichReit nur fchroach erlebt unb allem häßlichen Erleben fidl 
oerfchließt, fo ift es um ben Dater in biefer Stunbe einfam ge- 
toorben, unb fein fiinb hat fchroeren feelifchen Schaben ge- 
nommen. Es ift in feinet fjilflofigheit auf bie Unterftütfung 
feines Daters angetoiefen, unb fo muß es fidl mit ihm «gut 
ftellen", um feiner Selbfterhaltung toillen. Das frühere 3u- 
trauen unb bie hinbliche liebe toerben burch eigenfüchtiges 
3toechbenhen nerbtöngt, an bem feine Seele abtoätts gleitet. 
— ftußetlich hat fidl bas üethältnis 00m Datet 3um fiinbe 
toenig obet garnicht geänbert, oielleicht fogar gebeffert. Der 
Dater fchteibt bas feiner Sttafmethobe 3U; abet bas fiinb ift 
nur Dorfichtiger getootben. Sein fteiheitroille, ftch fo 3" 3«9 en ' 
toie es fühlt, ift gebrochen. Seine Deutfche Offenheit ift 3ur. 
Heuchelei getootben. — Det Datet ift oiel 3U felbftbetoußt, um 
ben Schaben 3U fehen, ben et oerurfacht hat. Et ift ja felbft mit 

64 



Prügeln groß getoorben. IDas fallen fie oa feinem fiinbe 
fchaben? Tlut 3eittoeife fühlt et, baß et, troh bet fiinberfchat — 
einfam ift. — Bas Gleiche gilt beim £eh,tet, bet gar öffentlich 
oot ben anbeten fiinbern bie Ptügelfttafe t>oll3ieh,t. 

"Daß bet Bater meift felbft — in ben etften Jahnen bes 
fiinbes — bie IDillens3utht 3Ut Einorbnung in bas Sittengefeh 
oetfäumte, unb oielleicht bies Berfäumnis bie fehltat bes 
fiinbes ausgelöft hat« bas fagt et fidi nicht; eben fo roenig, 
baß et felbft in feinet Unbehettfchtheit bem fiinbe ein furdit- 
bates Borbilb 3U gleichet fpätetet Schranhenlofigheit ift. — 
Tlut bet Behettfchte hann h^ttfchen unb hat bas Tiecht, ben 
Deutfchen Ehrennamen „fierr" 3U ttagen. tDet — auch >m be- 
techtigten 3otne — Blaß 3u halten roeiß, bet toitb beim Deut- 
fchen fiinbe meht etteichen als bet gewalttätige "Rohling, Dot 
bem es fich fchließlich — aus furcht oot etneutet Bemütigung — 
beugt, bem feine Seele fich in ihtet 3uttaulich>eit abet meift füt 
immet oetfchließt. fjäufig roirb es bann als Erroachfener ebenfo 
unbehettfcht roie bet Batet. — £s gibt boch Strafen genug, bie 
bas fiinb tief tteffen, ohne feinen TTlenfchenftol3 3U 5etfchlagen. 
BJie oiel meht toitb erreicht, roenn roir gerabe biefen 5tol3 im 
Beutfaien fiinbe ftörhen. IDenn roir es bei einer fehltat an 
feinem Ehrgefühl pochen unb ihm tiorhalten, rote fie ihm fo 
garnicht anfteht. fluch, bas 3eitroeüige fllleinfehen bei ben 
lTlahl3eiten unb bas Bichtbeachten unb Biditgrüßen finb Stra- 
fen, bie ber noch unoerborbenen Beutfchen fiinbesfeele einen 
uiel erfolgreicheren Einbruch machen als bas furchtbare Bilb 
eines tobenben £r3ieh,ers. 

liebes fiinb hat feine Eigenart, bie bei ber Strafe berüch- 
fichtigt roerben follte. Ber 6rab bes feingefühls unb bes Stoßes 
in ber fiinbesfeele ift ein fehr oerfchiebener. Bei manchem fiinbe 
genügt fch.on ein oorrourfsaoller ober roarnenber Blich, es 3U 
ftrafen. fluch, fonft finb bie fiinberfeelen ja ebenfo taufenbfach 
rterfchieben roie bie ber Erroachfenen unb roie alles £eben in 
ber Batur. Bie TTlutter toirb am beften um bie Eigenart ihres 

65 



fiinbes roiffen, ha pe jo oon Klein auf feine Entroichlung miter- 
lebt, fluch, tft es it)te naturgegebene Gabe, baß fie meift tiefer 
in bie 5eele bes fiinbes fdjaut unb beffer barin 3U lefen oerftet|t 
als ber mann, unb gerabe barum audi häufig fein größeres 
Bertrauen befit^t; freilich nur, fo lange bie Gottnähe non 
TTlutter unb fiinb bie gleiche ift. 

Unfer fiinb hat Pdi fdion früti baran gemahnt, bafi roir 
abenbs cor bem Einfchjafen noch mal an fein Bettchen kom- 
men, unb fei es auch nur für coenige Augenblicke. — Sich beim 
pn- unb Ausbleiben felbft 3U helfen, bas hat es ja fch.on in ben 
erften Jahren gelernt. Ob bie TTlutter 3«t ba3U hatte ober nicht, 
fpielt babei heine Rolle. Bas fiinb muß an SelbfthUfe geroohnt 
roerben. TBiffen roir boch. nicht, roie früh es ihrer fchon bebarf; 
unb es foll auch nicht feine TTlutter als feine Bebienung an- 
fehen, roie oiele fiinber es burd) bie Schulb ber Eltern leibet 
tun. TTlorgens unb abenbs, oor unb nach feinem Tageserleben, 
ift bie 5eele bes fiinbes 3ugänglicher für ein Samenkorn, bas 
roir um feiner Gottentfaltung toillen in fie oerfenhen möchten. 
Tlicht aber, baß roir mit ihm beten, es follte niemanb in feinem 
fielen toohnen als ein Canbfrember. TBer anbers als feine 
Eltern unb Gefchroifter follte in bem fiinberfeelchen roohl feine 
fjeimftatt haben! Bas ift boch f" felbftoerftänblich. — Tlein, 
roir übetbenhen in ber ftillen feierftunbe noch einmal alles, 
roas es an bem Tag erlebt hat, alles Schöne unb auch alles, 
roas es beffer anbers gemacht hätte. Sein Seelchen ift bann fcr 
roeit offen für ein ermahnenbes TDort. Unb roie banhbar ift es, 
roenn roir ihm an einem folchen Tage, an bem es alles recht 
gemacht hat, noch ein TTlärchen oorlefen. TBie roirb es fifh oa 
anftrengen, baß es bas am nächsten flbenb roieber erlebt, unb 
roie tief roirb es betroffen fein, roenn bie Eltern eines pbenbs 
gamicht hommen, roeil es biefe freube nicht oerbient hat. 

Bas fjinhorchen auf bie 5eele bes fiinbes fagt uns, roarum 
es fehlte, ob es bem Göttlichen ober bem uTtbergötttichen folgte, 
unb banarfi allein follte bie Strafe bemeffen fein. — Ba ift ein 

69 



Junge auf bas Dach, gevettert, coeil et einmal über bie gan3e 
Stadt hintoegfchauen toollte. Ein anbetet hat bie Ut|t bes 
Datets 3etlegt, bie et ihm fchon fo oft an's Oht gehalten hat, 
roeil et enblidi roiffen toollte, toatum fi* ticht. Hie phantafie 
unb bet f otfchetbtang toaten bet flnttieb, unb bie Sttafe füllte 
biefem Etleben bes fiinbes angepaßt fein unb ihm bas Bettrau- 
en geben, bafj es bei folchenllntetnehmungen beffet oothet ftagt, 
um fich unb bie Eltern oot Eeib unb Schaben 3U betoahten. — 
flnbets, toenn ba ein fiinb feinem Btübetchen obet einem an- 
beten ßinbe ettoas toeggenommen hat, vielleicht gat, um es<3u 
3etftöten unb ihm fo feine fteube batan 3U tauben. Ein folches 
fiinb muß mit Derachtung hart gefttaft toetben. 

Das Ptieftettum et3ieht 3um bebingunglofen Sehorfam 
gegenübet ben Eltern unb ben ptieftetn. Hie batf bas fiinb 
fich 3ut Selbftänbigheit entfalten, bebeutet fie boch Befahr füt 
feine "macht. Bei folcher fibrichtung ojitb alles Schöpf etifche, 
aller Dtang nach tDahrheit, ja bas eigene Denhen, Urteilen unb 
Etleben abgetötet. Es toetben heine petfönlichheiten gefchaffen, 
bie bas Befte entfalten, roas fie in fttt] tragen, fonbetn fhlaoifche 
Tttaffenmenfchen, rote bas Ptieftettum fie btaucht. — 5ein an- 
betes beliebtes mittel, bie TTlenfchen füt feine 3meche tauglich 
3u machen, ift bie 3uchtlofigheit. Det Slüchstoille roirt) genähtt 
unb 3ut hemmunglofen Entfaltung gebtacht. — Det Bat unb 
bie Etfahrung bet Eltern unb bet im Eeben Gereiften toetben 
lächerlich gemacht unb bas fiinb 3ut Überheblichkeit übet bas 
fllter unb 3ut Einbilbung, 3ut Überfchähung feinet fähigheiten 
oerführt. Die Bbtoege, bie bies 3toeite Detbrechen an bet fiin- 
besfeele auslöfen muß, toetben bann ba3u genutzt, fie als 
Ettoachfenet bamit 3U behettfchen. — 3n bet Tlatur gilt bie 
gereifte furcht mehr als bie unreife, unb bie Tlatut follte 
immet bie Eehrmeifterin fein; benn ihr banhen roit unfet Sein. 

Die Deutfche Et3iehung, bie bas feelifche unb hötpetliche 
Sebeihen bes ftinbes erfehnt unb es 3um toettoollen Ttäget 
feines Dolhstums unb 3um gottbetoufiten DJefen entfalten toilt, 
geht anbete DJege. Sie toill bas fiinb oot allem felbftänbig 
machen. 3um gottbetoußten IDefen gehött fteiheit! 

6? 



Deshalb etmachte bet Betftanb, bet Utfache unö IDithung 
unterfdieibet. Bas Tier kann fdion Betftanb antoenben; abet 
nut bei nebenfädilidien Bingen. Seine Selbfterhaltung fidiett 
not allem bec Jnftinht. Et feffelt es abet auch in Unfreiheit; 
es h'anbel.t gebunben. Bet TTlenfch allein ift fteigeboten, unb 
biefe fteihrit ift fein oetpflichtenber flbel. BJer ihm bie fteiheit 
bes Selbftentfcheibs täubt, bet nimmt ihm bie fitone feines 
TTlenfchentums. — Batum muß es bie Aufgabe Des Bilbnets 
an ber fiinbesfeele fein, bem fiinbe oon klein auf bie fteiheit 
3u gönnen, bie ihm — feinem BJathstum entfptechenb — nut 
itgenb getoähtt toetben hann. Jn bet etften 3«t kann es ftei- 
lidi nut in fileinigkeiten Reh felbft übetlaffen toetben, nicht bei 
toiehtigen Entfärbungen; abet meht unb meht batf es felbft 
hanbeln — in bem Tllaße, toie es ficti bet Sippenotbnung ein- 
fügt unb feine Betnunft fidi enttoichelt. — TTlit 5tol5 unb 
fteube erfüllt bas fiinb bie toachfenbe Selbftoetanttoottung 
unb gibt ihm bas Selbftbetoußtfein unb bas Selbftoettrauen, 
bie es am fichetften not toillenslähmenben „hypnotifchen" obet 
„fuggeftinen" Einflüffen* fchütfen. — Biefe ftembtoättet, bie 
fich finngemäß nicht aetbeutfehen laffen, fagen fchon, ba|j biefe 
beliebten TTlachtmittel allen Berbtechettums bet Beutfchen Seele 
nicht enttoachfen flnb unb it)t batum Unheil bebeuten muffen. 
IDir betoahten unfet fiinb am beften not bet Getoalthettfchaft 
ftembet übet feine Seele, roenn toit feinen BJillen ftäthen, ihn 
3Ut Selbft3uct|t et3iehen, es 3um eigenen Benken unb Utteilen 
antegen unb es oon klein auf 3m eigenen Eeiftung entfachen 
unb begeiftetn. 

Bas Beutfche fiinb hat eine innige fteube, raenn es felbft 
etroas gefchaffen hat. „Ceiftungstyp" hat bie fiaffenfotfehung*' 
ben Tllenfchen bes Härtens genannt. — 3«ftött eutem ßinbe 
biefe fteube nicht butch ein hartes, n etachtlich.es Utteil, auch 
wenn feine Criftung befcheiben ift, fonbetn fpotnt es liebeDOÜ 
an 3U höhltet Entfaltung; abet fteilich. nicht butch neibDolles 

'■Dt. TTl. Cubenborff: „ünbuetertes 3rre[ein burdi Ohhultlrt|icn". 
" C. f. Clouß: „Die notbifdje Seele". 

68 



Dergleidien mit bem Tun unb BJirhen anberer. ÜJie oft roirb 
auf biefe Ükife bie Deutfche Schöpferfceube in häßlichen Ehr- 
geis Dement unb ihr fo ber göttliche fmtrieb geraubt. — Die 
Derbinbung bes ftol3en Deutfchen Hlottes Ehre mit bem 
niebcigen 6ei3 bebeutet fchon finnaoll, toie oerächtlich foldie 
Seelenentattung Deutfchem Empfinben einft toar, baß bamit 
Göttlicherhabenes in ben Staub ge3ogen roirb. — pianoolle 
Derberber unferes Dolhes oerfuchten barum immec oor allem, 
bie Deutfche Schaffensfteube auf biefen flbroeg 3U führen, pbec 
auch °on geroiffenlofen £r3ieh,ern roirb ber £hrgei3 als flnfpom 
3ur leiftung ge3üchtet unb bie Schöpferfreube bamit oft für 
immer lahmgelegt, fobalb ihr biefer Stachel einmal fehlt unb 
fie gan3 aus fich felbft toirhen foll. Selbft unter Gefchroiftern hat 
jebes fiinb anbere Anlagen, unb barum ift es auch fo oerhehrt, 
ihre £eiftungen miteinanber 3U meffen. Ein hünftlerifches, phan- 
tafiebegabtes Seelchen roirb anbere Tleigungen 3eigen unb ftch 
anbers betätigen als bas nüchtern oeranlagte. 3h,re Beftleiftun- 
gen roerben baher naturgemäß auf gan3 oerfchiebenen Gebieten 
liegen. £s ift für bie 6ottoffenbarung eines Dolhes ja gerabe 
bas DJefentliche, baß alle Saiten feiner Dolhsfeele 3um 
Schwingen unb klingen gebracht roerben, iaff jebes Dolhshinb 
an Taten unb DJerhen bas Befte feiner Eigenart feinem Dolhe 
fchenht *. — Die freube bes fiinbes am eigenen Schaffen ift 
auch Ein roertooller fjelfer, es an fpatere Dflichtarbeit 3U ge- 
mahnen unb bie aus ber Entroichlung3eit ererbte Tierfaulheit 
3u überroinben. tDie ftol3 ift fchon ber Säugling, roenn er er- 
hafcht, roonach er greift. Triumphierenb hält er es feft unb 
ftrahlt unb ftrampelt aor freube. Unb roie müht er [id\, bie 
erften DJorte feiner TTlutterfprache 3U erlernen unb ift glüchlich, 
roenn er fie h«aorbringt. Die Ceiftungfreube ihres fiinbes 
füllten alle Eltern pflegen. 

Die Schule, bie bie fiinber nur in ber TTlelmahl leitet, hann 
auf bas Ein3elhinb unb feine Eigenbegabung nicht fo eingehen, 
roie es ben Eltern möglich ift. fürforgliehe Eltern roiffen, \ia^ es 



* Dt. TTlathiibe fubenborff : .Dos ßottlitb t>« Dölher — Eine PNIofopliie 
btt fiuttuten". 

69 



feinen beförderen Rei3 hat, auch bei einem großen Gefchmifter- 
hreis, (ich bisroeilen nur einem aus Der Schar 31t roiomen, roeit 
ein Eingehen unb fitnhorchen auf bie Eigenart unb bas Eigen- 
benhen jebes ein3elnen fiinbes fo beffer möglich ift unb frucrjt- 
bringenber für bas Rinb, roenn auch oas pufroachfen unter 
Gefchroiftern ficher h"looller ift. Gefthroifter er3iehen ficti gegen- 
feitig unb fmb nicht fo in Gefahr, oerroöhnt 3U roerben unb in 
Eigenfucht 3U erftarren roie bas £in3elhinb. — Bebauernsroert 
auch «n 5eelchen, bas immer nur mit ben Eltern unb ben Gro- 
ßen 3ufammen ift unb heine gleich alterige fiinberfreunbfchaft 
hat. TDie leicht roirb es ba fchon früh ein nernüftiger Erroach- 
fener, oerliert fein Rinbheitparabies unb bie Schönheit feiner 
fiinblichheit. Gönnt barum euren Rinbern bas pufroachfen mit 
anbern Rinbern, ohne es freilich ber priefterlichen fjerben3ucr|t 
aus3ufehen, bie ber Eigenentfaltung eine fo große Gefahr ift. 
— manche für bie Er3iehung ferjc ungeeignete Eltern geföhr- 
ben nur barum ihre Rinber nicht in bem Ttlaße, roie man 
fürchten muß, roeil ffc roenig 3*it für [\z haben, unb fo bie 
Gefchroifter fleh gegenfeitig leiten unb helfen muffen. — Es ift 
burchaus nicht notroenbig, iafs toir uns bauernb unferem Rinbe 
roibmen hönnen, roenn roir uns nur eine tiefempfinbenbe, le- 
benbige Seele beroahren, bie bem Rinbe fein gottnahes Seelchen 
erhält unb bie feltenen StunDen bes 3ufammenfeins roeiht. 
Eine Seele, bie alle Schönheit ber Deutfchen Rnofpen3eit freubig 
empfmbet, mag nun bas eigene Rinb ober bas, Rinb einer an- 
beren Deutfchen TTlutter fie ausftrahlen. — freilich Darf unfere 
Begeifterung nie ba3u führen, baß fie blinb roirb für bie fehler 
unb Untugenben bes Rinbes. — IDie brollig ift ber Meine Red, 
roenn er mit "bem fuße aufftampft, um feinen TJOillen burchju- 
fehen; fo brollig, baß bie TTlutter ihn 3ärtlich an fidl brücht, 
anftatt ihn 3U oerroarnen. Ob fie fidi ihres eigenen fehlers 
roohl erinnert, roenn Jahre fpöter ber fjerangeroachfene mit 
grobem Unmut ihren pnorbnungen trotzt. — Es gibt Kein 
roichtigeres Elternamt, fagt uns TTlathilbe Eubenborff, als bas 
Rinb 3um „heiligen Quell ber Selbfterhenntnis" 3U führen, unb 
bies Geleit muß fchon in 3artefter Jugenb beginnen. Je mehr 

n 



es heranroöchft, um fo mehr oerhärtet fidl feine Seele ber 
Selbfteinfidit. 3ft es aber baran gewöhnt, über fein eigenes 
Tun fiichter 3U fein, unb tjaben bie Eltern ilim ge3eigt, toie 
manches TTlal es fein fjanbeln in ber Erinnerung unb ÜJieber- 
gabe befchönigt, unb bie tDahrheit fölfcht, fo roirb es als £r- 
roachfener eher ben DJillen unb ben ÜJeg 3ur Selbftoerbelung 
pnben unb fein gefdiärftes Deutfehes Geroiffen roirb ihm fjilfe 
fein, auch, wenn es ftür3en follte, roieber 3ur Höhe 3U fteuern. 

Glüchliche Jahre — bie finofpen3eit unferes fiinbes! Be- 
bauernsroert bie Eltern, bie über bem fjehen unb mühen bes 
Alltags nicht bie TTlufJe finben, fict] ihrer 3U freuen unb mit 
empfänglicher Seele ihre Schönheit 3U erleben. ÜJie fchnell fmb 
fie oerpflogen! — Die Meinen Schuhchen, in benen es bie erften 
Schritte tat, fmb bann ein fchmer3üolles, wehmütiges Erinnern 
an roärmenben Sonnenfchein, oor bem man bie fenfter ber 
Seele oerfchloß, unb ben man — nun er untergegangen ift — 
fo fehnfüchtig 3urüchroünfcht. — Üorbei! — Ein fchroeres IDort 
für alle, bie ben Sonnentag oerfäumten, ber ihren Garten Der- 
golbete, ober bie aus Eigennutj unb berechnenbem 3roechbenhen 
ihn ausfperrten, mit einer hohen Tllauer ihren Garten lichtlos 
machten, ro;ü fie es Donogen, hinberlos 3U bleiben. — Üorbei! 
— Ein glüchburchflutetes Erinnern allen, bie troh flrbeit, Op- 
fern unb Sorgen bem SonnenftrahJ, ben Deutfche fiinberfeelen 
fpenben, bas fjer5 roeit offen hielten. 

„Das aber fage niemals 3U einem TTlenfchen: 
Bleib, roie bu bift! Es heiße: 
ÜJerbe, roas Bu roerben hannft!" 

Botdi foth. 



71 



elterliches IDirken in Ijeim und 5chule — 
der 5eelenfchut3 des Üeutfchen Rindes 

Bas ift es not allem, roas ben Borfrühling unferes fiinbes 
3U einem fo glümlichen Erleben ber Eltern mad]t, baß es uns 
in biefer 3eit noch, fo gan3 gehört, baß bie Hiebe 311 ben Eltern 
all fein fühlen unb Hennen überftrahlt, unb mir noch fo innig 
mit ihm nerroachfen finb. Je älter es roirb, befto mehr löft es 
fich, naturgemäß oon benen, bie ihm bas £eben gaben unb 
beren Teil es ift. Es ift barum für jebe tief empfinbenbe TTlutter 
ein fchmer3lidier Tag, roenn fie ihr fiinb ber Schule übergibt. 
Sie roeiß, hafi ihr eigenes Hürnen an ihm, ihr forgliches Um- 
hüten feiner Seele nun feh,r befchrännt roirb, baß es nun Ge- 
fahren ausgeferjt ift, bie fie trotf aller fürforge ihm nicht fern- 
halten Kann. — fluch, bas fiinb, fo feh,r es fidi meift auf ben 
TDanbel in feinem leben freut, fo feh,r es ihm am fielen liegt, 
nun auch tmlb — ari* bie Sroßen — lefen unb fchreiben 3U 
Können, fühlt bie Bebeutung, bie biefer flbriß für fein £eben 
hat. fefter als fonft root]l brücht es bie fjänbe ber Eltern an 
biefem Tag, unb ein leifes fieimroeh, meint in feinem Seelchen 
tcotf all ber lernfreube, BJißbegierbe unb Spannung auf bie 
neue ÜJelt, in bie es geführt roirb. 

Spielenb lernte bas fiinb in ber freiheit ber Borfchul3eit. 
Biel Stöhnen unb Blühen hoffet bagegen ben meiften ber £r- 
roerb ber Schulmeisheit. Ob bas feinen Srunö nur barin hat« 
baß Baum unb 3«t es nun fo gefangen halten? Born Bafeins- 
nampf, ber bas forfchen ber Erroachfenen fo überfchattet, unb 
es fo oft an bie Jroechmäßigheit oerfhlaot, roeiß fein Seelchen 
auch i e W »" ben feltenften fällen, flber roährenb es bisher 
felbft entfdjeiben Konnte, roas ihm roiehtig unb roiffensrotrt 
roar unb fich, fo nur bem 3uroanbte, roas feine flufmerhfamheit 
an3og, fein Bafeinsroille forberte ober fein Brang nach tDflb,r- 

72 



heit unb Erkenntnis unb feine freube am eigenen fiönnen ihm 
ruiditig machten, toitb nun eine fülle aon IDeisheit an es 
hinangettagen, bie ihm felbft oft gan3 untoefentlith, ift, bie es 
batum auch 3 um größten Teil toiebet aetgißt, fobalb es bec 
Schule enttoachfen ift. Ob feine häufige Abneigung gegen bie 
Schule nicht eben bähet rührt, roeil es inftinhtmößig fühlt, baß 
ihm hier fo manches nicht gegeben toirb, roas es an filatrjeit 
erfehnt, fo roenig, roas fein "Deutfehes Blut beroegt unb an- 
fpricht unb fo oieles, bas es mit innerem ÜJiberftreben auf- 
nimmt unb nach beenbeter Schul3eit als Ballaft fo fchnell toie 
möglich lieber über Borb toitfr, roenn fein Beutfehes Seelchen 
nicht baoon oetfehürtet rourbe. 

BJas follen bem Beutfchen ßinbe bie Et3t)äter Abraham, 
Jfaan unb Jahob mit ihren anrüchigen Schachergefchäften, roas 
alle bie anbern un3än,ligen Juben unb ihr, ber Beutfchen 5eele 
gan3 unb gar unoerftänbliches, meift fehr fchmuhiges Tun unb 
Treiben. — TTlögen biefe Sefchichten ber jübifchen fiinbesfeele 
roertooll fein, roeil fie es feft mit bem Bolhe feines Blutes ner- 
binben unb es in feine GefchUchterfolge, roenn fie auch 3um 
größten Teil erfabelt ift, hmeinftellen; mögen fie auch feinet 
Seele Keinen bebeutenben Schaben tun, roeil alle biefe ifraeliti- 
fchen £r3- unb Stammoäter — toie bie Stammütter — ja in 
ihrer Unmoral unb Berroerflichheit echt jübifd] bennen unb 
hanbeln, unb fo nur jübifches fiaffeetbgut geftätht roirb. BJie 
muffen fie aber bie fo oöllig anbers geartete Beutfche fiinbes- 
feele tiergiften! Jm beften falle machen fie «h* Q<x heinen Ein- 
bruch unb finb ihr nur bas aufge3toungene Gepäck, bas eben 
mitgenommen roirb, roeil es fo oetlangt toitb, bas abet bann 
bas 5chulfadi Beligion 3um luftigen 3toang macht obet 3U einet 
Stunbe, bie netfchlafen, aetfpielt obet im Ttaumteich bet Seele 
oetbracht toitb. — Bas Tlachbenhen übet teligiöfe ftagen hat 
fdion bie Etinnetung an biefe Schulftunben manchem für immer 
oetleibet obet läßt es ihm entbehrlich etfehrinen. Unb boch hann 
getabe iht etnftes Umfinnen ein fo toettnollet fjelfet 3Ut Selbft- 
fchöpfung fein unb übetbies auch 3ut Tat- unb tDerhfchöpfung. 



Ein artfrember Glaube hann bas TJeutfche Gemüt, ben Quell 
ber Beutfchen 5chöpferföhigheit unb Schöpferfreube, nidit 3um 
TTlitfchtDingen ent3ünben. Es muß barunter Detatmen. Et bringt 
alfo bas roertoollfte Deutfche Haffenerbe 3um Schtoeigen. 3ft 
es ohnehin ein nüchternes fiinb, fo ift es in Gefahr, im Gemüts- 
leben Döllig 3U erftarren, bas furchtbare Schichfal wohliger 
TJeutfchen. — Sinb fie ihm nicht felbft erlegen, bie troh höherer 
Einficht ihr fiinb ihm ausfegen, unb es in ber f remblehre unter- 
toeifen laffen, toeil fie felbft — nach ihrer TTleinung — ihr un- 
befchabet roieber entroachfen finb. Hier fo benhen Kann, beroeift 
fchon, roie toeit er fich oon feinem TJeutfdifein entfernt hat, benn 
TJeutfdifein forbert boch nor allem TJJahrheittoitlen unb bulbet 
nein ftoroeichen aus 3n3echmäßigheitgrünben, — TJeutfch ift es 
nicht, bas Göttliche, 3U bem boch öie fieligionftunben führen 
follten, mit toirtfdjaftlichen Tlutjgebanhen 3U aerbinben, aus 
Grünben bes forthommens im Eeben bie blutsgemäße religiSfe 
Über3eugung 3u verleugnen unb bie fiinber 3U gleicher TJer- 
logenheit an3uleiten. — Es hommt noch h»n5u, lta$ heute Mar 
erroiefen unb toiffenfchafHich beftätigt ift*, ba|j bie Bibel Tllen- 
fchentoerh — aon ben Juben für ihre TJJeltherrfchafotoeche 3U- 
fammengetragen unb nicht göttliche Offenbarung, roie bie fiirdie 
es trohbem roeiter lehrt. — macht einmal ben Derfuch, unb legt 
nor bas TJeutfche fiinb bas biblifche Gefchichtebuch unb bie 
Deutfchen fielbenfagen, nach roelchem oon ben beiben es roorjl 
mit leuchtenben flugen greifen roirb. Dann roißt ihr, roas 
feiner Seele heilfam ift. 

3ft es überbies nicht eine Sdianbe für bas fjermannsooln, 
Xtafi es feine fiinber mit blutsfremben Er3ählungen unb Sprü- 
chen großzieht, als hätte es felbft überhaupt nichts 3U geben. 
Die meiften finb boch ber TTleinung, bafi ihr fiinb ohne biefe 
jübifche "Religion garnicht „exogen" roerben nannte, freilich, 
fie hörten ja felbft auch fo roenig oon ben flhnen ihres eigenen 



* Genetol lubenbotff : „Das große Entfetten — bie Bibel nid)t 6ottes 
CDott" u. „Eingeftanbenes üubenraollen: D8lhet3erftötung bucd) Chtiftentum ". 

Eubenborffs De dag, TTlünrfitn. 

74 



Dolhes, oon ihrem hdbifchen fiämpfen unb 5terben für ihre 
oölhifdie Eigenart unb freiheit, oon ihrem Schönheitoerlangen 
unb bem tjehren Seftalten aus biefem unerfchopflichen Born 
ihrer fehnfuchtroeiten Seelen, bie fo flugftarhe Schillingen 3ur 
Fjöhe hatten unb barum fo Unoergöngliches unb Triumphieren- 
bes fthaffen Konnten. IDas meiß unfere nüchterne, non jübi- 
fdiem Buh- unb 3coechgeift oerfhlaate heutige Hielt noch tion 
biefer Erhabenheit einftigen Deutfchen TDirhens, bas jeben 
Gegenftanb abelte unb auch bem fllltag ein feftlich Getoanb 
fchenhte. — Derfunhen, nergeffen unb nur non roentgen noch 
für roahr gehalten! IDie möchten ba bie Deutfchen fiinberfeelen 
oon Cernfreube erglühen, roie möchten bie jungen pugen auf- 
leuchten, roenn ihnen ftatt ber blutsfremben jübifchen 3uhälter-, 
Betrüger- unb Bimengefdiichten bie h^lbifchen Sagen ihres 
eigenen Blutes 3ur Dölhifchen feftigung gegeben mürben: 
„Beligion" ihres eigenen Blutes — Binbung ans Göttliche ober 
oielmehr Berbunbenfein mit bem Göttlichen — mit bem gott- 
gewollten Bolhstum. — freilich, ber Sagen finb roenige, bie 
noch urfprünglid] quellen, bie Priefterlifte nicht fälfdite unb 
umbog, unb man müßte fie erft roieber ins Beine bringen, in 
Einklang mit ber als Beutfeh empfunbenen Sittlichheit. Benn 
baß ein Siegfrieb mit fjilfe einer Tarnkappe eine Brunhilbe be- 
fiegt, bas gleicht gar [ehr ber Gefd]ict]te aom liftigen Danib. Unb 
ber Streit Beutfdiec frauen um berr Bortritt .jur fiirche", ber 
entftammt gan3 getoiß auch nicht bem Sagerifchah ber noch un- 
ein3ugreifen in bie Beutfdie Gefliehte, unb eine fülle herrlicher 
euyugreifen in bie Beutfche Gefchichte unb eine fülle herrlicher 
fjelben unb ebler frauen Rannte ben fiinbern Beutfehes tDefen 
unb Beutfche ÜJerte tief in's Gemüt unb in bie jungen Seelen 
fenhen: ein Hermann, eine Thusnelba, eine Ttpota, bie priefter- 
qaß 3U Tobe peitfdjte, roeil fie intern Bolhe Bettung fein roollte, 
— ein BJittehinb unb fllboin, ber fielbenhampf ber flllemannen 
unb all' ber anbern Deutfchen Botnsftämme in ihrer tieiligen 
pbroehr gegen Born, nicht 3uleqt ber ftol3e Pommernher3og 
Stoantepolh, ber fo mannhaft ber überroältigung bes Beutfchen 
Oftens trotte unb fo niete, uiele anbete; cor allem auch ber 

75 



£eibens3ug bet fjunbetttaufenbe aon Beutfchm TTläbchen, j tau- 
en unb TTlütter, bie ditiftlidiet fjafi 3U Tobe mattette um ihres 
Blutes unb ihres tiefen Schauens toillen. — "Die fiinbet, beten 
Bugen beim lebenbigen fahlen Beutfchm Schjchfals nidit 
blitzen unb beten IDangen nidit glühen, bie mögt ihr bann mit 
ben jübifdien TTlStchen füttetn. Sie toerben ihnen Keinen 
Schaben tun, benn ihre Beutfch,en Seelen finb tot unb 

„heilige "Runen tauben Ohren 3U geben ift freoel!"* 

IDas lernten fie früher Dom Deutfchen Sefdiehen, unfete 
fiinber? — filägliche Btuchftüche, 3ahlen — Schlachten — ohne 
inneten 3ufammenhang, ohne bie tOahtheit. — Unb gerabe eine 
toahrhafte Sefrhichte, bie allen Jrrtum, alle pbroege unb fehler 
bet Bergangenheit ebenfo beleuchtet roie bie Großtaten unb 
Erfolge, braucht ein Bolh, toenn es nicht untergehen fall. Bas 
BJiffen batum etfetjt ihm ben Schuh, ben ber Jnftinht bem 
£eben bes Tieres gibt. — Born unb Jube trachteten barum oor 
allem banach, uns biefen — für ben £ebenshampf eines Bolhes 
fo unentbehrlichen — £ehrmeifter 3U rauben obet ihn fo 3u 
feffeln unb 3U fälfchen, baß er feine Bebeutung oerlor, alle 6e- 
fchichteforfchung in feinen Bann 3U bringen. Jahrhunbertelang 
roat fie bas ausfchliefjliche Bortecht bet filöftet unb Otbens- 
btübet unb blieb auch fpätet gefeffelt — roenn auch toeniger 
fichtbar. IDo einmal ein Seltener es roagte, fte im hellen £ich,te 
bet TOahrheit 3U fchreiben, ba mußte er fie in Bomane bleiben 
unb ihr ben ttlantel ber phantafie umhängen — roie ein felir 
Bahn — um fie feinem Bolhe geben 3U Können. — fiein töun- 
ber, bafj unfer Bolh fidl fo rion fich, felbft oerlor, la ihm fein 
Schuh unb ÜJeghelfer — bas ÜJiffen um feine Gefliehte — 
genommen toar. Bies ÜJiffen ift es bodi not allem, bas ben 
£in3elnen feft in feinem Bolhe oettout3elt, ihn einreiht in bie 
Sefchlechterfolge feinet flhnen, feftet als ein Stammbaum mit 
leeten Barnen. 



* Dt. TTl. £ubenborff : „Triumph *>es Unftetblidjlmtujillens" 
76 



Dies HJiffen gibt ihm auct] ein hlates Bilb Deutfchen Ü3e- 
fens, feinet Tugenden unb Dor3üge roie feiner Schmächen unb 
fehler, gibt ihm bie Deutfche Sittlichheit, bie ihm "Rückgrat fein 
foll im £eben. fiann es bie aus blutsfremben Sprüchen unb Ge- 
boten lernen, bie roieberum ber gegenfötjltchen, ber fo oerachte- 
ten Orientraffe entftammen, bie 3um Beftanbteil bes Beligiöfen 
erhebt, toas nach Deutfcher puffaffung TTlinbeftforberung unb 
unterfte 6ren3e bes Sittengefehes ift, bie jeber anftänbige 
Deutfche als eine Selbftoerftänbüchheit innehält. „Du follft nicht 
ftehjen!" Ein Gebot für 3igeuner! — „Du follft nicht ehebrechen", 
lernt ba ein 3ehnjäh.riges Deutfehes TTlübchen, unb roeil es fidl 
fo garnichts babei benhen kann, fo macht es baraus: Du follft 
nicht erbrechen. So hat bas Gebot nach feiner TTleinung toenig- 
ftens einen Sinn. — frembraffige Sprüche unb Dibelroorte! — 
fjat bie Deutfche Seele auch öa ihrem fiinbe garnichts Eigenes 
3U geben! fjat nicht ber Deutfche üolhsmunb — über alle fon- 
ftige üernichtung hinweg — bie Sittengefehe bes Deutfchen 
Blutes erhalten, fie ungefchrieben toeitergegeben oön Gefchlecht 
3U Gefchlecht, non Uahrhunbert 3U Jahthunbert — in feinen 
Sprichroörtern, bas Sittertgefen. ber Deutfchen Seele, bas fo 
fchlicht unb Mar fagt, roas als eine Selbftoerftänblichheit jeber 
Deutfche leben follte: 

„ÜJas bu nicht roillft, bas man bir tu, bas füge auch 
Keinem anbern 3U". 

Tliemanb roeiß, roer es bas erfte TTlal fagte. Die Dolhs- 
feele hat es geprägt, ber üolhsmunb erhalten als Bichtfchnur 
Deutfch.ee Sittlichheit, pnbers, gan3 anbers freilich als bie Tal- 
mubmoral bes Juben ober feine biblifchen Gebote: „pm Tlicht- 
juben magft bu rouchern*" ober „bu follft hein pas effen; aber 
bem frembling, ber in beinen Toren roeilt, bem magft bu es 
geben, bap" er es effe ober oerhaufe es an ihn*." — 

Doch öne fülle mütterlich forgenber Hlegroorte h°t bie 
Deutfche 5eele ihrem fiinbe gegeben. Sie hlingen 3um Teil aus 



*5.mofe14,21unD15. 



fecnftec Dot3eit 311 uns hetübet, fo bie IDorte bet Ebba: 

„Don bet fldjfel bit fchiebe, toas übel bit fä|eint 
unb richte bid] felbft nadi bic felbet!" unb 
„Ethennft bu bas Übel, fo nenn es auch, fdilimm 
unb ftifte nicht Stieben bem fceoel!" 
unb oiele anbete. Stath unb ftol3 machen biefe IDotte unb oet- 
pflichten 3ut Deutfchen Getabheit unb Offenheit. Sagt fte ben 
Deutfchen fiinbetn. Sie roetben beffeten BJibethaü toechen als 
bie lanb- unb blutsftemben Jubengefetje. — 

„Tue recht unb fcheue niemanb!" 
„Pjilf bit felbft, fo hilft bit Sott!" 
Das ift Deutle Gottoetbunbenheit unb Deutfehes Sutfein. 

ÜJie ftellen biefe IDotte bie Deutfche Seele feft auf fkh 
felbft, helfen iht getoiß beffet im £eben als bet chtiftliche Sang: 
„Jch hann allein nicht gehen, nicht einen Schritt!" — DJie hat 
bie ftembletjte ben Dichtet biefes Oebes gefchtoächt unb ihn in 
Gegenfatf gebtacht 3U bet helbifch-ftutmfeften fjaltung Deutfchen 
TTlannes- unb ftauentums. fteilich fo fchtoathe, tpttenbebütf- 
tige Seelen finb bem DJeltptieftettum eine gefügige Gefolgfchaft. 

TDit haben noch fiele anbete Deutfche 5ptid]tootte, bie 
Deutfehes DJefen behunben unb Deutfche Cebensfitte: 

„Ehelich mährt am längften!" 
„Eugen haben hut3e Beine!" 
„ftifch getoagt ift halb geroonnen!" 
„Dem mutigen hilft Sott!" 
„Untecht Gut gebeiht nicht!" 
„Befcheibenheit ift eine 3iet!" 
„Det Gei3 ift bie ÜJut3el alles Übels!" 

unb noch fiele meht. Die Deutfche Getabheit be3eugen fie, bie 
IDahtheitliebe, bie Bechtliehheit unb Ehrlichkeit, utfptüngliche 
pbels3üge Deutfchen TDefens. — Deutfche Gottethenntnis oet- 
oollhommnete fie unb ptägte bie TTlahntootte, bie Tüathilbe 

78 



Cubenborff ftatt bei Sinaigebote hünbete: 

„Sei Deutfeh. 

Sei toaht 

Sei 3uoerläffig 

Sei ftol3 

Sei ftarn 

Sei furchtlos 

Sei beherrfcht 

Set beroußt beines Blutes 

Sei fjilfe bem Eblen 

Sei het3eigen bem Dolhe 

Sei feinb feinen feinben!" 

Das Sefdienh einer Deutfchen frauenfeele, bas Eltern für 
ihre fiinber inerten füllten. — „Sei beherrfcht!" Ein TTlahnroort, 
bas ber fditoingungreichen Seele bes Deutfchen finaben ein 
ftarher Schutz fein Kann. „Hier fieb, nicht felbft beherrfcht, bleibt 
ftets ein finecht!" So fagte es auch ein Schiller. Es ift bas 
Deutfche Blut unb bie Deutfche Seele — bas Baffeerbgut — 
bas immer roieber gleiche 6ebanhen in uerroanbte ÜJorte blei- 
bet. Der Dame „fjerr" ein oerpflichtenber Begriff! — TDie finn- 
noll ift boch bie Deutfche lTlutterfprache! Unb roarum roohl ift 
bie lTlutterfprache, bies innigfte unb feftefte Blutsbanb 3um 
Deutfchen üolhstum, in ihrem Damen mit bem Deutfchen 
frauentum oerrooben? Deutet bas nicht barauf h»n, bap" es 
rior allem Eignung unb Aufgabe ber frau ift, mit ihrem Sagen 
unb Singen bie Deutfche Seele im fiinbe 3U roechen unb 3U 
ent3ünben unb feft mit ber fjeimat, bie bes Daters fjanb 
fchüht, mit bem Daterlanb 3U oerbinben! 

Saga, bie Schöpferin aller Sagen bes Dolhes, roar unferen 
Phnen eine ber flfinnen, bie ber bebeutfamften Eignung ber 
Deutfchen frauenfeele ein Sinnbilb roar. Buch bas Deutfche 
Dichtertum fah feine göttliche Begabung immer als ein frau- 
liches ßefchenh unb feierte als Spenberin feine „TTlufe". Jn 
oielen Deutfchen fjäufern hat bie Dlutter fidl oas Fm* oct Saga 

79 



erhalten. — £s ift etwas Eigenes um ben Deutfdjen „feier- 
abenb", wenn bie fiänbe oon aller TDethatbeit ruh/n, bie um 
bes Dafeins willen getan werben muß, bie fiinber fidi um bie 
Eltern fdiaren, unb bie 5ippe fleh loslöft com fllltag unb feinen 
mühen. UJenn bann bie TTlutter ober audi eines oon ben fiec- 
anwadifenben aus ben TEerhen ober oon ben Taten Deutfcher 
Ebelinge oorlieft ober er3ät]lt, unb alle mit fehnfudjtweiten 
Seelen laufdien unb ins Traumlanb ber Schönheit unb Güte 
entfliegen möchten. — Deutfdier Eltern Sorge follte es fein, fidi 
biefe feierftunben 3U fdiaffen, roo fie fehlen, unb fie 3U erhalten, 
roo fie Sitte finb. Sie ftärhen bie Seelenflügel bes fiinbes 3um 
fluge in's Erberhabene, 3um Göttlichen, unb löfen auch bi* 
Seele fo manches Erroadjfenen aus ben Banben nüchternen 
3wechbenhens ober eines oergifteten Sinnenlebens. — fluch, bie 
Sterne, bie bes flbenbs oom fjimmel leuchten, als wollten fie 
bie TTlenfchen 3U fidi lochen, finb ein göttlicher Befreier oon 
aller Erbenfdjwere. So einbrüchlich lehren fie bie Erwachsenen, 
nicht in 3wechgebanhen, im fjehen unb Streiten bes fllltags 3U 
erftichen. IDürben bie TTlenfchen mehr in bie Unenblichheit bes 
Fimmels fchauen, würben oiele wohl freier unb größer hanbeln; 
aber bie meiften (äffen fleh, oon ben Bogenlampen ber Groß- 
ftäbte ben Blich 3u ben Sternen abblenben unb wiffen nichts 
oon folch' heilig tiefem TDeltall- unb Gotterleben. Unb es finb 
wenige, bie fid) bie Seele weit offen halten für biefe wahrhafte 
pnbadjt, bie fo innig mit unferem Blute oerwoben ift. "Denn am 
Sternenhimmel beobachteten unfere Ahnen bie Gefehe bes IDelt- 
alls unb bewunberten ihre unerfdjütterlidie Stetigheit. 3rttet 
Klaren Gefehmäßigheit orbneten fie ihr leben ein unb oerwoben 
ihre fefte mit ihr. Es fiel ihnen babei nicht ein, ben Sternen 
etwa Einfluß auf ihr Sdjichfal 3U3ufd)reiben unb fie um ihre 
Entfdilüffe 3U befragen. Solch' tat- unb willenlähmenbe Torheit 
ift bas 5eelener3eugnis bes Orients, ber bie Arbeit als fluch 
wertet, weil er heine freube an ihr finbet, unb barum auch 
Schichfalsmädite, einen perfönlidjen Gott ober Sternenhräfte, 
erbichtete, bie ihn fdpeben unb ihm fein fianbeln oorfchreiben. 



80 



Der Einfluß ber Sonne auf den IDechfel ber 3ah.res3eiten, 
bet bem Tlotben fo fühlbat ift, hatte bie gan3 natürliche folge, 
baß ihr Eauf fein IDithen unb feiern beftimmte. — Unb weil 
es etroas Eigenes um bie Deutfche Seele unb bas gemütstiefe 
Deutfche Empfmben ift, fo ift es auch, um bas Ueutfdie feiern 
etroas arteigenes. Jft es bod] ber blutsbeftimmten Deutf/chen 
ISeltenfchau entroadifen, bie non anberen üölhern barum auch 
garnicht nachgefühlt roerben Kann. Unb bies Arteigene gilt es 
befonbers im Deutfchen fiinbe 3U ftärhen, roenn uns unfer 
Dolhstum am fjer3en liegt. — 5um Deutfchen feiern gehört 
ber DJalb, roeil bie naturoerbunbene Deutfche Seele mit ihm fo 
innig oerroachfen ift. Unb roenn es auch nur ein einiger Daum 
fein Kann, ben man fich in ber ÜJeihenacht in bie Stube holt, 
um bie Sonnroenblichter 3U ent3ünben, bie aus ber langen 
IDinternacht in bas auffteigenbe Jahr hinein leuchten. — An- 
trieb unb Seftaltung gab ben Deutfchen feftbräuchen bie innige 
Derroobenheit bes urfprünglichen Deutfchen TTlenfchen mit bem 
Sonnenlauf. Sein bäuerliches tDirhen mar ja an ihn gebunben. 
Er gab feiner felbbeftellung bie 3eitbeftimmung. freilich, als 
erft ein großer teil bes Dolhes in Stfibte gebannt unb oon ber 
Erbnerbunbenheit gelöft roar, ba konnte es gelingen, ben Deut- 
fchen Sonnenfeften einen anberen, gan3 lanbfremben Sinn 3U 
geben, fie in chriftliche feiern um3ufölfchen, um auch hta bas 
ftarhe Dlutsbanb 3um eigenen Uolhstum, bas bie hrimatoer- 
bunbenen fefte fchlingen, 3u 3erreißen unb bas Dolh 3U einem 
fo entrour3elten Ulaffenmenfchentum 3U machen, roie bas 
priefterliche 3iel: »Es f oll ein fjirt unb eine fjerbe fein", es er- 
fehnt. — Gebt barum bem Deutfchen fiinbe ben roahren, ur- 
fprünglichen Sinn ber Deutfchen fefte*, roie er fich aus bem 
Tlaturgefchehen ber Deutfchen fjeimat ergibt: 

Bus tiefem BJinterfchlaf erroachen aus ber U3ur3el fieim 
unb finofpe, Dlüte unb frucht unb finhen roieber in fich 3urüch 



* General Cubenborff unb ftau Dr. UlatliUbc: Eubenborff : „U)eihnad|ten 
im Iid|te bet Raffetrhenntnis". 

ftitj fiugo fjoffmann: „feft unb Brauet] im 3ahreslauf'\ Derlag Pfeiffer, 
Canbsberg. 

81 



im Steigen und neigen bes Sonnenlaufs. Ein feft bet 5ippe 
— bet IDutjel bes Dolhes — ift bacum bie nrintetliche IDeihe- 
nodit, bie DJintetfonnentnenbe, htt Jahresbeginn bet Deutfchen. 
Ein feft bet fiinbet bas Oftatafeft, bas feietn bes ftühüngs, 
bet aus bem Ei bas leben toecht. Das feft bet Jugenb unb 
roonneteidiet TTlinne bie flohen Tflaien: Ein Tag, bet ben TTlut- 
ftoheften unb ttlütbigften unb bie Ebelfte unb Tugenbreicbjte 
bes Botfes obet Gaues 3u TFlaienhönig unb fiönigin erhebt 
unb ihre Fjochjeit im Spiel unb Tan5 feiett. Unb bann bie 
Sommetfonnentoenbe, bie bas gan3e Dolh 3ufammenfülitt unb 
es bei lobetnbet flammen Glut 3ut Einheit 3ufammenfct|roeif3t 
füt jebtoeben fiampf unb jebtoebes Schichfal. Unb bas ftüchte- 
feft — ein Etntefeft allen mühteichen DJithens! — 3n tiefer 
Einficht unb Selbftbefinnung fühtt bann bet Totengebenhtag 
toiebet 3utüch auf bie Sippe, auf bie H)ut3el bes üolhstums. 
Das Deutfche fiinb braucht bie utfptüngliche Datutoet- 
bunbenheit bes Deutfchen Tflenfchen, btaucht Satten, btauchr 
Sonne unb Blumen 3um hätpetlichen unb feelifchen Sebeihen. 
Dann tiettoächft es fo feft mit bet Deutfchen Pjeimatetbe, roie 
es ihm 3U toünfchen ift, unb bie Gtoßftäbte toetben ihm als 
Ettoachfenet nicht fo 3ut Gefaht, roenn es mit bet Tlatut auf- 
blüht, lebt unb fühlt. Einen gefunben, blutstümlichen ÜJibet- 
roillen betoahtt es fleh, "ot biefen Tflaffenpfetchen unb ihten 
Entattungetfcheinungen. — Diel ftembes Blut, bas biefes Det- 
toachfenfein mit bet Tlatut nicht nennt unb bem bie bauetliche 
unb hötpetlidie fltbeit ein Gtauen ift, muß in bie Deutfchen 
flbetn gefloffen fein, bis es fo roeit toat, bafr TTlillionen, ent- 
rout3elt unb bobenfcheu, (1dl in öie Stäbte btängten unb in 
ihrer Gottfetne fich, heimifch fühlten. 

Das Eebenbigethalten, bas „feftigen" bes Göttlichen unb 
bet Dolhs- unb Sippengemeinfchaft, bas roat bet 5inn bet 
Deutfchen fefte. Unb toeil bas Göttliche oot allem 3toechethaben 
ift, mußten es auch öie f eftbtöuche fein, f eietliche TOotte, frohe 
unb etnfte Hebet, Beigen, flnmut unb Tapfetheitfpiele — toie 
bie Stimmung fie auslöfte — bie bas Deutfche Gemüt betoegen,. 

82 



roaren bas IDefentliche am feiern. Sie feftigten auch ben 3"- 
fammenhalt, roeil fi* bie Bolhsfeele roechten unb 3um TTlit- 
fchroingen brachten. Uno ebenfo ftäthten Die Sippenfeietn bie 
6efct]lo([enheit bet Sippe. — tDie feelenatm finb bie Beutfchen 
geroorben, bafi fie 3u ben BJeiheftunben in ihrem Fjeim, 31t ben 
Sippenfeften: Tlamengebung, Schulabfchluß unb fjochjeit einen 
Priefter, einen fremben, braudien, bet außerhalb bes Sippen- 
hreifes fteht unb nach ber lehre, bie er oertritt, Ehe unb Sippe 
Demeint, beleibigt unb in ben fiot jübifther Sinnengier 3ieht. 
(„5o ift es gut für einen TTlenfchen, Nein ÜJeib 3U berühren, 
flbet um ber fjurerei toillen t\abt ein jeber fein eigenes Bleib".)* 

— Traurig, roenn Beutfche nicht felbft fähig finb, an folchen 
Tagen fidl tiefgreifenbe BJorte 3U fagen, unb feien es auch nur 
roenige, roenn fich nicht frei unb unuermittelt ein Beutfehes Eieb 
oon ihren tippen löft unb ihre Seelen 3ufammenhlingen läßt. 

— Ob nicht auch hier bie Entroürbigung TJeutfchen f rauentums 
bie Schulb trägt unb rtiele Blutterfeelen fo oerflacht \\at, baß 
ber einftmalige, reiche Quell ihrer Gottbegabung, aus bem fie 
bie feftgeftaltung fchöpften, oerfichert ift! — Bringt ihn in ber 
Beutfchen TTläbchenfeele roieber 3um Sprubeln, inbem ihr fie 
roeitet für's Erhabene unb Schöne, für's Göttliche; fei es in ber 
Tlatur, in ber fiunft, in ben BJerhen unb Taten unferer Beften. 
Unfer Eanb unb unfer Bolhstum birgt, troh jahrhunbertelanger 
Bernichtung unferer höchften BJerte, boch immer noch uner- 
fchöpften "Reichtum! Es gehören nur offene flugen unb offene 
Seelen ba3u, um 3U erf äffen unb 3U erleben. BJenn bas Beutfche 
frauengemüt roieber lebenbig ift, bann roitb es auch roieber 
roarm im Beutfchen Fjeim, unb es pnbet feine urfprüngtiche 
BJeihe unb Tiefe roieber. Es bebarf bann Keines Habio unb 
heinet Schallplatten, um nicht 3U oeröben. Pflegt bie Blufih- 
freube bes Beutfchen Rinbes burdj Beutfche fiausmufih. 

Ben oerfd)ütteten ftraftquell ber Beutfchen frauenfreie 
roieber 3U roethen, ba3u gehört cor altem, baft ber Beutfche 
ftnabe 3ur Gleichachtung bes Beutfchen "FTIäbchens et3ogen roirb, 

* 1. fiot.?. 1 — 2. 

83 



baß enblidi Schluß gemacht xaitb mit ber TTUnbetbetoettung 
unb Untetftellung bet ftau um ihcet fduDädieten fiötperhraft 
»tuen, fieinem Tiere fällt es ein, bas minbec ftatke TDeibcrjen 
gelinget 3U aditen. 3m Gegenteil, es gilt in bei Tlatuc meift 
mehr, roeil es für bie fluf3uch,t bes Tladitouchfes ja non triet 
höherer Bebeutung ift, unb fo toirb es mit Achtung unb füt- 
forge non bem männlichen Teil befchüht unb betreut. TUie roäre 
es bem TTluttertier fanft möglich, ben fileinen bie Schulftunben 
bes Tebens 3u geben, roenn bie Eltern nicht gleict]toertig unb 
einheitlich 3ufammenftünben. 

6an3 befonbers bie Ceitung bes fiinbes oerlangt bie Gleich- 
achtung bet frau, benn bies flmt erforbert nor allem TJJürbe. 
Ein Tierbrechen an bet fiinbesfeele unb bet 3uhunft unfetes 
Dolhes ift es batum, fie ber TTlutter 3U nehmen. Un3ähligen 
finaben toitb butch, bie Entröürbigung unb tytannifche Untet- 
brüchung ber TTlutter, bie ber Dater ihnen notlebt, fdjon in 
3atteftet Jugenb ber fjalt geraubt, ben bie fchütjenbe unb 
mütterliche Seelfotge ihnen geben Könnte, unb fo ihr fpäteres 
chatahtetliches pbgleiten, iht TJettohen unb Sinhen in Gottfetne 
netfchulbet. — £s hotten fich freilich nie fo roillfährige finechte 
ber TTlännerbünbe aus Deutfchen TTlännern machen laffen, 
roenn bas Gefchlechtetoerhältnis fidl nicht fo in's Unbeutfche, 
ins Otientalifche, oet3errt hätte, baß bet TTlann in Dielen fällen 
geiftigen flustaufch nut beim Ttlanne, alfo außerhalb bes 
fjaufes fudite. TJJenn bie TJeutfche ftau bie Seelen- unb Geiftes- 
gefähttin bes TTlannes geblieben toäte — toie es ihte raffe- 
tümliche Beftimmung ift, bann hätte bas TJeutfche fjeim bie 
einftmalige TOeihe behalten, bie ein geiftiges unb feelifches 3u- 
fammenleben bet Gatten ihm fchenht. Ein folches Heim unb fein 
heiliget ftiebe ift ben fiinbetn Sonne unb Segen. Daß es 3Ut 
Seltenheit rourbe, erklärt ben traurigen Tliebergang unferes 
Dolhes, ben befchämenben flbftieg non feinet ftühgefdiiehtlich 
erroiefenen fjöhe. Sie roieber 3u erreichen, ift nur bann möglich, 
roenn bie Gtunblage bes Sippen- unb üolhslebens, bas Ge- 
fchlechtetoethältnis, fich. toiebet taffetümlidl geftaltet. Der TJDeg 

84 



Daju ift bie Gleichberoertung oon finaben unb TTläödien unb 
ihte Anleitung 3ut gegenteiligen Achtung unb 3ut Erhenntnis, 
baß fie Bollroertiges nur in bei Ergebung oollbringen hönnen. 
Eine foldie puf3uct]t trennt bie Gefchlechter nicht ängftlich. Sie 
3eigt ihnen, rote manche geiftige unb hörperliche Eeiftungen 
beffet oom Ulanne, anbete beffet oon bei frau ausgeführt 
roerben, unb baß bas IDithen beibec Gefd|leditet oon gleicher 
IDichtigheit für bas Bolhsroohl ift- Sie macht not allem Schluß 
mit ber entehtenben, nur gefchlechtlichen IDertung ber frau, 
bie — bei allen anberen Schüben — auch 3ur Berbitterung all 
ber Tlläbchen führen muß, benen bie Erfüllung ihrer frauen- 
unb TTlutteraufgabe nom Schichfal oerfagt bleibt. 

Bölhifche Selbftbefinnung öffnet ber Beutfchen frau roieöer 
bie BJege 3u ihrer höchsten Aufgabe, ber feelifchen Befruchtung 
allen mannlichen BJirhens im Sinne bes 6öttlictjen, bie ihre 
Sehnfudjt ift. Ba3u gibt ihr nur ihre Gleichstellung bie TTlöglidi- 
heit. Jft ihr biefe oerfagt, fo muß fie oereinfamen unb oer- 
hümmern. Bas niebrige, uneble BJeibstum allein behalt bann 
TTladit über ben TTlann unb 3ieht ihn immer tiefer in ben 
Sumpf. Ein gan3es Bolh, bas einft gottnahe roar, als es noch 
feine raffetümliche frauentoertung \\at\t, hann fo im Tüoraft 
enben. 

Bölhifches tDollen gibt ber Beutfchen frau oor altem auch 
bas Eehramt am finaben. BJeil bie Beutfche frau, befonbers, 
roenn fie felbft TTlutter ift, bas Gemütsleben ftärher 3U erfaffen 
oerfteht, oermag ihr tPirhen in eine noch unoerborbene fina- 
benfeele Werte 3U fenhen, bie ihr für bas gan3e Eeben fjöhen- 
richtung geben unb auch fäon oetgifteten Gemütern fjeilung 
bebeuten hönnen. Ü3ie roeit bie junge fflannesfeele fich folcher 
Einroirhung öffnet, bas hünbet am fkherften ihre fjöhenlage. 
fluch, im fpäteren fllter ift es ein untrüglicher BJertmeffet bes 
TTlannes, ob er fidi 3u eblem, reinem f rauentum ober 3um ge- 
funhenen, feelifch oerroeften Bleibe h>ngc3ogen fühlt, roo er feine 
Erholung fucht. — fjätte auch We Beutfeh« ftüu an ben fina- 

85 



benfchulen bie Eehrgebiete, bie ihrer BJefensart entfprechen, 
fo roücbe ftd) bas balb 5um fjeile unferes Dolhes bemerhbar 
madien. — ÜJie mandier finabe, bem 3U fjaufe ber Einfluß ber 
TTlutter öurdi ihre Unfähigheit ober auch burch, einen rohen 
Dater entgeht, hönnte in ber Schule noch empfangen, roas er 
3u fiaufe entbehrt, fluch, toürbe bas Eehramt ber frau am 
finaben am beften füt ihre Gleichberoertung unb Gleichberechti- 
gung fprechen unb balb bem finaben bie Einbilbung genommen 
haben, baß er ber naturbeftimmte fiert unb bas TTläbchen bie 
naturbeftimmte Dienerin fei. — „Dienen lerne bei3eiten bas 
ÜJeib nach feiner Deftimmung". Diefe jübifch-chriftliche Einftel- 
lung muß bre Deutfche Jugenb 3um Derhommen führen. Den 
finaben oetführt fl^ 3"r Setbftüberhebung unb 3ut Unter- 
suchung unb TTlißaditung bet frau; bem mäbdjen raubt fie 
ben ihm fo notu>enbigen Stol3, ber gerabe bas artreine Deut- 
fche TTläbchen abelt unb über Die Dirnenroelt bes Orients er- 
höht. 5ein fjerabbrüthen in finechtfchaftftellung unb in ein 
fiörigheitoerhältnis gegenüber bem THanne muß es 3U unroür- 
biget fjingabe oerlriten unb folche jammeroolle Geftalten er- 
3eugen, roie bas Gretchen unb fiätchen bes 19. Jahrhunberts. 
Jhr Dtrgleich mit Gubrun unb BrunhUt 3«gt am hlarftcn ben 
riefen 5tur3 Deutfdjen Jrauentums. 

3um £ehrberuf an ber Deutfchen Kugenb follten freilich 
oon TTlännem foroorjl roie oon frauen nur bie 3ugelaffen roer- 
ben, bie in äußerer unb innerer fjaltung bem Deutfchen fiinbe 
Dorbilb fein hönnen unb feiner Sehnfucht nach Schönheit unb 
geiftiger Befruchtung Erfüllung. 

Unfere 3ugenb 3U leiten, ift ein fo ernftes, oerpflichtenbes 
flmt, baß es nur berofihrten, roürbigen Deutfchen übertragen 
werben follte. Die Unfähigheit oieler Eltern für ihre Aufgabe 
am ftinbe läßt uns fdjon bie glüchlidie Entroichlung bes ftinbes 
umforgen; bie Ungetignetheit fo oieler £ehrer erhöht noch bie 
6cfätjrbung. — Dölhifche Eeitung unb Belehrung hann in hur- 
3er 3eit unferem Dolhstum roieber fein urfprüngliches Gepräge 

96 



geben. IDie ber Untettidit bes Deutfdien Rinbes geftaltet fein 
muß, um es 3um roertnollen, feft in fidl felbft ruhenben Trägern 
Beutfdier flrt ju machen, bafür hat TnathUbe Eubenborff mit 
bem „£eh,rplan für Deutfchgottgläubige" bie hlaren "Richtlinien 
gegeben. — £s roirb ein anbetes Gefchlecht fein, bas in öet 
Erhenntnis reift: bas Göttliche in bir, bu fein beroußter Träger, 
entfalte feine ÜJefens3Üge in beiner äußeren unb inneren Hal- 
tung, bas näßt TJeutfdifein! — Dies hommenbe Gefchlecht roirb 
auch beffer gefdiürft fein cor allen Gefahren, bie feiner Selbft- 
erhaltung aus ber menfchlichen UnoollRommenheit erroachfen 
unb fo befähigt fein, bem Deutfchen Dolhe bie Unfterblichheit 
3u fidiern, bie fein Dölhifdier Eebensroille erfehnt. 

finaben unb mäbchen 3U ftarken Stüfien einer oölhifdien 
3unhunft 3U machen, ba3u bebarf es nor allem auch eines 6e- 
fchichteunterrichts, ber beibe Gefchlechter in ber Dergangenheit 
ihres Dolhstums oerrour3elt. Diefe heilige Aufgabe roirb bie 
Deutfche frau — ba3u oorgebilbet — beffer löfen als ber 
TTlann fie bisher löfte unb feinem ÜJefen nach löfen hann; roeil 
bie Deutfche frau beffer oerfterjt, ben Schüler im Gemüt 3U 
begeiftern unb bie Gefliehte lebenbig 3U geftalten. Die troftlofe 
Tlüchternheit bes bisherigen Gefchichteunterrichts mit feinem 
trochenen puf3ählen oon Rriegen, Schlachten unb fiaiferge- 
fchlechtern unb bem geift- unb feelentötenben „flustoenbig- 
lernen" non 3ahres3ahlen beroeift nur 3u traurig bie fchroeren 
fehler, bie gemacht mürben. Gerabe ber Gefchichteunterricht ift 
ba3u angetan, bie Dolhsfcele 3U roechen unb lebenbig 3U er- 
halten. BJirb bas Gefchehen ber Dergangenheit bem fiinbe 
feelifch nahe gebracht, fo prägen fidl ihm feine Jahres3ahlen 
oon felbft ein. — Ein Rinb, bem bie Hebe 3U feines Dolhes 
6efd|ichte burch bie Tlüchternheit ber IDiebergabe geraubt ober 
in bem fie garnid)t ent3ünbet rourbe, bleibt 3eitlebens ein Ent- 
rour3elter. IDirb ihm bafür bie jübiftrje Gefchichte um fo mehr 
an's rler3 gelegt, fo ift es auch möglich, es in gan3 blutsfrem- 
bem Dolhstum ju oerrour3eln, ebenfo, roie bas bie puf3ucht in 
einer frembfprache ftatt ber Dlutterfprache erreichen Nann. Die 

87 



nieten Priefter unb Otbensbrübet, bie entoolRt finb aus ihrem 
Beutfchtum, geben ben Betoeis, toas eine flufjudit in bluts- 
frembem Glauben und blutsfrember Gefliehte tiermag! 

Bie Beutfdie frau als Hehrerin bei Gefliehte unb bet 
Beutfchen „Blutterfprache" — fch.on bas BJort bebeutet finn- 
doII, toem bies Amt gehören foüte — roütbe bas Beutfdie ßinb 
butdi ihr gemütstiefes BJerten in ben Pflid|tenhreis feinet 
Blutsgemeinfdiaft ftellen unb ihm auch bas Beutfche Sitten- 
gefetf 3ut 5elbffomftänblich.Reit machen. — BJie bie Blutter bie 
Bilbnetin bec tuachfenben fieinyeüe ift, fo ift es auch ih* gott- 
gewollter Beruf, bie Bilbnerin ber reifenben Seele 3U fein, fie 
im Benfcen, fühlen unb fjanbeln 3um Göttlichen 3U führen, 
bamit bie 3chfuch.t unb bie Triebroünfche fie nicht abtöten. Unb 
tote bie Blutter bas fileinninb nor giftigen Pflan3en betoahrt, 
fo toirb fie auch bem heranroachfenben fiinbe bie Gefahren ber 
Raufchgifte Klar machen, bie heimoerfeuchenbe unb heim5er- 
ftörenbe tDirhung non Alkohol unb Bifcotin, mit benen bie 
geheime BJeltleitung bie Bölhet 3ur Unbehetrfchtheit oetleitet 
unb ihre Gefunbhrit fchmächt unb geföhrbet. BÜöhrenb bie 
Rirche ben ttolRsethaltenben Paarungroiüen, ber bie Seele 3um 
Göttlichen führen Rann, als Sünbe, Teufelei unb unreine £ufl 
fchmäht, hat fie ben Bahrungtrieb, ber biefe Eignung nicht hat 

— nor allem bas Betrinken — immer nach Gräften geförbert. 
Ber Gottesfohn felbft oerroanbelt angeblich BJaffer in BJein 
unb förbert fo bie Trunkenheit ber fiochjeitgäfte. — Bie Bölle- 
rei unb Sauferei, bet bie meiften filöftet hulbigen, ift bekannt. 

— BolRifch.es BJirhen in ber Schule muß bem fiinbe folche Ent- 
artung unb Bertoahdofung oerächtlich machen unb ihm feine 
Berantroortung an ben hommenben Gefdilechtern ans fier3 
legen. — Ber ftatiftifche Bachtoeis, bafi bie meiften Jbioten 
fiochjeitnächten entftammen, hünbet erfchüttemb, roas an Auf- 
klärung früher oerföumt ober oerhinbert rourbe. — Eine 
ßinberbelehrung, bie ber Bolkserhdtung bienen roill, toitb bie 
pusroahl bes £ehrftoffes fo treffen, \m$ fie bie Selbftbehaup- 
tung bes fiinbes nach Blöglichkeit jlcriert. 

88 



Hut gemeinfames elterliches DJirhen in ber Schule — toie 
im fjeim — gibt bet Beutrehen Jugenb bie Ertüchtigung 3um 
Cebenshampf. — 3u einem ganjen TTlenfchen gehören TTIann 
unb f tau. Bet Einfluß aon beiben ift barum auch bie Grunb- 
bebingung füt bie gebethUche Entroichlung bes fiinbes. Jebes 
Sefdiledit hat TJJefenseigenes 3U geben, mit bem es bas eigene 
ftütjt, bas anbete beteidiett unb ergäbt. Eine einfeitige frau- 
liche fühtung mürbe bem fiinbe ebenfo Entbehtung bebeuten 
toie eine nut männliche fie bebeutet. XDill es bas Sdiichfal, ba$ 
nut eines bet Eltetn bie Obhut bes fiinbes ttägt, fo führt bie 
Hiebe 3u ihm 3um Berfenhen in bie Jahte ber eigenen ßinbheit 
unb 3um Umfinnen bes TJOirhens, bas es bem fiinbe eiferen 
muß; abet freilich oolltoertig Kann ein foldiet Erfah nie fein. 
— TJOenn bies Büchlein ben Segen ftaulichet Teilung auf bie 
fiinbesfeele befonbers heroorhebt, fo batum, toeil bies leibet 
3ut Tlotroenbigheit getnotben ift feit bet Untersuchung, Ent- 
techtung unb Etniebtigung bet Beutfchen frau, ein Jrrroeg, bet 
bes Bolhes flbfinhen 3ut natutgefehlichen folge haben mußte. 

TOas bet Einfluß einet Beutfchen TTluttet fchon am hleinen 
fiinbe aetmag, bas fagt uns bie Tatfache, bafi „bie fiinbet- 
ftube" noch bie Ettoachfenen methlich. unterfchribet unb roohl 
3U ethennen ift, toet fie entbehten mußte. Bas fileinhinb roadift 
noch ga"3 unter gefchtechtlichet 6leichtoettung auf. 3hm hat bie 
TTtutter noch öie TOürbe, bie ein TOirhen, bas Segen fein foll, 
etfotbett. Bie Tatfache, baß bas fileinhinb fo aöltig auf bie 
fürforge bet TTluttet angeroiefen ift, erhält fie iht, felbft bann, 
roenn ein roher Bater fie ihr 3" rauben fucht Gelingen roirb 
ihm bas erft, roenn bas fiinb bie mütterliche Obhut mehr unb 
mehr entbehren hann. Bor allem ift es aber bie 5chule, bie 
bem finaben ben Bünhel ber TTtehrroettigheit gibt unb bamit 
fein Bethältnis 3ut TTluttet unb Schtoeftet oetfdiiebt. Bie ptie- 
ftetliche Sefchichte, itafi Etia bie Sünbe in bie TJDelt gettagen 
habe, ift nicht fo hatmlos, toie fie mohl erfcheint. Bas ÜJeib 
Berführung unb Berhängnis bes TTlannes, ber fluch ber BJelt, 
ber fich in alle Etoigheit austoirht, eine folche £eh.re mußte bie 

89 



Dölher ber mütterlichen Seelforge berauben unb auch, Die 

reinften in ben flbgrunb reißen. 
„Seit ihr oerfluchtet bie fiunen, 
Unb nanntet fte D3erhe bes Teufels, 
Derftummten bie Tflüttec, 
Derbargen bie IDeisheit in Schroeigen." 
„So fthuft ihr allein benn bas traurige Eeben. 
Jt|t fthuft md] allein unfeliges fjaften, ruhlofes Jagen 
Unb bautet euch M3 bie Stäbte ber plappernben Toten, 
Erftichet bei Gohen bes Tluhens bie Seele! 
Ein heiliger fjort noch blieb euch! 
Die einftmals gepflegte Ehrfurcht cor ihr, 
Der TTlutter ber Sippe, bie euch 3um Trotte 
Der fltm unausrottbar in eure Seelen gepflan3et, 
Sie fchuft ihr euch um in frembe flltSre, 
Derachtet aber bes IDeibes DJeisheit." — * 



' Dt. Tnathütx Cubcnborff : «Triumph bes Unfletblidihcihpillmfl" 



90 



fTtütterliches Beleit 

in der Reife* und Sturn^eit. 

Die größte Gefahr unferes tjeranroachfenben fiinbes ift ber 
Paarungtrieb? — fiann bas göttlicher Schöpfungroille fein, baß 
ber TTlinnetrieb, ber bie rieifige Bolhserhaltung fichttt» ben 
menfdien Derhängnis unb Untergang bebeutet? fjat bas Gött- 
lidie barum ben menfdien fo Königlich hoch über bas Tier er- 
hoben, ihn non ber 3eitgebunbenh,eit bes Paarungroillens er- 
löft, bie bas Tier in Unfreiheit feffelt, ihm bas göttliche Ge- 
fdienh — bie freiheit bes Selbftentfdieibs — gegeben, bamit 
er am paarungtrieb oerroefe unb untergehe, unb er ihm 3um 
fluch unb Sünbe roerbe, roie ber Orient ihn erlebt unb fein 
Prieftertum ihm Gleichnis unb IDortgeftaltung gab! — Ob es 
nicht oielmehr roollte, baß gerabe ber Paarungroille, biefe glut- 
nolle TTlacht, bas Fjödifte, bas Göttlichfte im menfchen ent3Ünbe 
unb mach halte — feine Seele! — Daß bies Erleben, bas fo 
5roech- unb erberhaben ift, fo räum- unb 3eitentronnen roie 
bas Riefen bes Göttlichen, ihn hinausführe über fich, felbft, baß 
feine Seele baran roerbe unb toadife! Sinb nicht bem minne- 
erleben bie göttlichften fiunfrroerhe 3U banhen, ebelfte l\zt\t\te 
Taten! Fjat es nicht 3U allen 3eiten menfchen hinausgetragen 
in fjimmelsroeiten 3U gottgleichem Pjanbeln! — Soll barum ber 
Paarungroille noch länger bas Unheil unb bie größte Gefahr 
unferes heranroachfenben fiinbes fein! Sollte er nicht oielmehr 
bas Göttliche in ihm ftörhen unb cor ber Einfargung fchütien, 
mit ber feine Pernunft ihn immer mehr bebroht, roeil fie fein 
fjanbeln an bie 3roechmößigheit nerfhlanen unb oom Göttlichen 
fo gan3 unb gar abfchnüren roill! — Jft es nicht ber fluch ber 
roibergöttlichen Sinnbeutung, ba^ ihm ber Paarungroille 3um 
Perhängnis ftatt 3um Segen unb flntrieb bes Göttlichen rourbe, 
ba^ er hoffnungreichfte menfchenhnofpen 3um meinen bringt, 
beoor fte nur bie Blüte entfalten Konnten, Blumen «nicht, junge 

9t 



Stämme im Dollfaft fällt unb ben eifigen Tjauch bes Seelen- 
tobes übet bie Erbe fenht! Soll ber heilige, oolhserhaltenbe 
ITlinnetrieb noch, länget fo manchen Ebeling unferes Bolhes — 
3U hödiftet fdiöpfetifdiet Ceiftung begabt — 3um mobern brin- 
gen unb in Tiefen frühen, aus benen et oft etft als ßteis, oft 
nie mehr, fid) auf fid) felbft unb fein oerpflichtenbes Ueutfd|tum 
befinnt: bem TJolhe bie fiöpfe tauben! — Ttägt nidit feine 
Entfeelung, feine fmnroibrige Beutung bie Schutt», baft unfet 
Dolh Don feinet einftigen flöhe h«abglitt unb unfet Rönnen 
nut ein Stammeln unb Stümperroeth ift im Betgleich 31K ftüh,- 
gefdiiditlidien fiunftoffenbatung, bie noch, um bie göttliche, 
feeienettjaltenbe unb feelenbefd]toingenbe firaft bet Beutfdien 
ITlinne mußte! — Ob nidit oielmehr bas fjeimfinben 3U ihtem 
göttlichen Sinn, bas TJOieberoerroachfen mit bem enttoichlung- 
gefdiictjtlidien UJetbegang allen Hebens, bas TJOiffen um bie aet- 
pflidjtenbe Erhabenheit bes TTlenfchen übet bas Tiet, bie üJelt 
tetten foll not bet Bettoefung in Ttiebfünben, not bem Seelen- 
tob unb bet £eichenftatte, mit bet bie mißbeutung unb Ber- 
3ettung bes Paarungtriebes fle bebtohen! 

TTlag bet Orient an bet Sinnenläftetung bes Paarung- 
toiltens nicht oethommen, toeil fie bet IDeltenfchau unb Selbft- 
einfidit feiner Tiaffenfeele entftammt, ber buhletifchen Birnen- 
haftigheit bes jübifchen TJOeibes, bet tierhaften TrieboerfRlaot- 
heit bes jübifchen Tllannes, für bie ja bie jübifchen Stammes- 
gefchichten ber Bibel Beifpiele in menge geben: Spiegelbilber 
bet Otientfeele, bie felbft bas TTlinneerheben mit Schadietge- 
fchäften ober mit ber überliftung arglofer TTlenfchen unb TJölher 
oereinbar hält. Beim Orientalen fteht bas fiötperliche im Bor- 
betgtunbe unb feffelt ihn in einet Fjötigheit, bie in ber falo- 
monifchen TJieltoeiberei unb fjaremsroirtfchaft ihren fichtbaren 
Ausbruch fanb. IDeil biefe hörperoerfklaote Sinnengier fein 
Selbftberoußtfein oerleht, muß bie Unterbrüchung bes IDeibes 
feiner ftathen Abhängigkeit 00m BJetbe Genugtuung geben. — 
Um feinet TriebRnechtfchaft toillen empfinbet et auch bie Hebe 
als eine teufliche macht unb ging batum ben Jrrtoeg ber flshefe 

92 



ober gar ber gleichgefchlechtlichen TDahl, üölher unb Erbfeile 
burd] Blutmifchung 3U gleicher Entartung nerfeuctjenb. Es ift 
kein ftaffebünkel, roenn roir betonen, baß unfer TJeutfdies Dolk 
einftmals eine hohe, teine IDertung ber Tllinne tjatte; es ift 
bas nur ein f efthalten einer gefdiicrjtlid]en TDahrheit, bie fogar 
filöfter bewahrten unb Borns IDürbenträger eingeftanben 
haben, roenn aud] mit mancher entftellenben unb roahrheit- 
roibrigen Einfdiränkung. — 3n jener frühgefthiehtlichen 3eit 
muß unfer Dolh blutsmäßig noch artreiner geroefen fein. — 
fluch, bas ift ja beftätigt. — Es lebte barum in feiner TTTehrheit, 
ja man kann fagen in oölkifcher ßefdiloffenhrit, bie Deutfche 
Sinnenreinheit, bie feiner blutgemäßen Einstellung 3um IDerben 
entfprach, bas ihm fo rein roar, roie bie Eihaut, bie es um- 
fchHeßt. — Sicher, baß bie TTlütter bes Dolkes ihr oolkstüm- 
liches Herten ber Tllinne unb bes TDerbens ihren heranroact]- 
fenben Söhnen unb Töchtern mit auf ben tDeg gaben 3um 
Schürf unb Geleit. Jhre hohe Stellung im Dolke ermöglichte 
ihnen bies heilige flmt. Unb bies flmt roieberum roar es, baß 
(le felbft 3ur Feinheit unb TDürbe oerpflichtete, bie ihnen aber 
auch keine Bürbe bebeuteten, roeil fie ihnen eben raffetümlich. 
roaren. 

Erft enttour3elte Deutfche Dolhseltern, burch jübifche 
Schöpfungfabeln Don ber TDahrheit unb Beinhrit bes IDerbens 
getrennt, ftellten in banger Sorge bie frage: „TDie fage ich/s 
meinem fiinbe?" flls hätten fie ihm ein Dergetjen 3U beichten, 
unb als fchämten fie fich bes heiligen 3ufammenhangs mit ihm, 
feines IDerbens unb IDachfens im minnegeroeihten TTlutter- 
fchoße. Sie türmten — fchon in feinen finofpenjahren — bie 
£üge nom Sumpfoogel 3roifchen fich unb ihr fiinb, 3erfchnitten 
fo felbft bas innigfte Banb, bas Eltern unb fiinb, flhnen unb 
Enkel 3ufammenhält unb bie Gefchlechterfolgen Ober bie Jahr- 
hunberte hinroeg 3um Dolke uerbinber. — Das Deutfche fiinb 
mit feinem ftarken Drange nach TDahrheit unb Erkenntnis muß 
bie plumpe £üge, mit ber bie Eltern es oon fifh. trennen, gar 
balb erkennen. Ein leifes TDeinen roirb in feiner Seele fein, 

93 



toenn es jum etften TTlale metht, baß feine Eltern es angelogen 
haben, bafr fie (Ich ihtec Berbunbenheit mit ihm fchämen. Die 
Schule fagt ihm ja non ber Entroichlunggefchichte roenig oöet 
gatnichts, unb toenn fie es tut, fo muß öas benhenbe fiinb an 
bem TJOiberfpruch 3toifchen ben TDahtheiten bet Tlatutujiffen- 
fchaft unb bem Glauben, ben ein £ehrer notträgt, bet als 
fiünber ber fieligion befonbere Hochachtung forbert, in tiefen 
feelifchen 3miefpalt Kommen, bet meift bamit enbet, ba$ es im 
fieligiöfen ein Fjeuchlet, im £eben ein fjaltlofet mitb. — ftüh- 
oetbotbene fiinbet, bie ihre Umtoelt obet Betbtechet ober auch 
bie Blutmifmung aus bem fiinbheitpatabies geriffen haben, 
finb immer ta, bie aus ihrer oetgifteten Seele bas noch unbe- 
rührte Deutfche fiinb 3um TTach&enhen bringen, bas ihm bisher 
nielleicht noch Q^3 ferne lag, roeil fein Träumen noch ein gan3 
hinbliches toar. 

Seine lange TJeutfdie fiinblichheit ift ber Segen, ber es 
tton. folcher Bebtohung oielfach behütet unb ihm ben ftieben 
ber Seele läßt, ber feinen Eebensmorgen überftrahlt. £s ift mit 
feinen Träumen noch im fieidi ber Puppen ober bes Solbaten- 
fpiels, unb nur toenn ein Ereignis, toie ettoa bie Geburt eines 
Brüberchens ober Schtoefterchens in fein £eben greift, ober es 
bas Erfcheinen eines Jungtieres erlebt, umfinnt es bas Bätfel 
bes TJJetbens unb fucht filatheit. Bet TITutter 3artfinniges 
fühlen toitb es bet Seele ihtes fiinbes ablefen, toenn es fim. 
biefe fragen ftellt unb ihm bann fagen, toie innig es 3U ihr 
gehört hat, bafr fie es untet bem Fjet5 trug, als es noch fo Mein 
unb 3att roat, als es in bet Hielt, bie es nun umgibt, noch nicht 
leben nannte. 3ättlichet unb inniget als fonft toitb es (1dl öann 
an bie TTluttet fchmiegen unb roünfchen, oon ihr auch toeitethin 
behütet 3U fein. TBenn es fo 3um heiligen Brunnen bes BJer- 
bens geführt tourbe, bann toitb es toiebet unb arieber 3ut 
TTluttet eilen, toenn es meht bet Erkenntnis fucht. Betbotbene 
fiinbet können ihm bann heinen Schaben meht tun. Es roeiß, 
ba$ feine TTluttet es nicht anlügt, unb bafi fie ihm fagt, toas 
fein THahtheittoille umftagt obet anbete ihm nahe btachten. 

94 



Den ftühoetgifteten kann es fo fiilfe unb fjeilung fein in feinet 
flbtoeht unb Detachtung irjtet Dethommenhrit, ben Suchenben 
ben TDeg 311t TTluttet 3eigen. 

Hut aus bet Enttoicklunggefchichte Kann bem fiinbe bie 
Einficht in bie Gefetje bes TDetbens fo heilig unb tein etfdjloffen 
toerben, toie fie es finb. Dorbebingung ift bo3u freilich, baft bie 
Eltern nachholen/ toas bie Schule ihnen an roichtigfter febens- 
klatheit meift 3U geben oetfäumte, toeil fie bas biblifche Schöp- 
fungmätchen nicht ftüt3en toill. Daß fie fidl mit bem TBetbe- 
gang bes TBeltalls unb feinet Ceberoelt oetttaut machen unb 
fo ben 3ufairimenhang mit ihm toiebet hetftellen, aus bem 
feine Unkenntnis fie löfte. Eine folche £oslöfung bes TTlenfchen 
aus bet Entroichlungteihe allen £ebens mußte ja natutgefehlich 
futchtbate flbtoege unb üetfallsetfcheinungen 3eitigen. — 

Es ift bas gottgewollte flmt bet TJeutfchen TTluttet, bie 
bas heilige TDetben im eigenen Schöße etlebte, bie feine fiüterin 
ift, ttafi fie bas hetantoachfenbe fiinb in bie Geheimniffe bes 
UJerbens eintoeiht, toenn bie Tieife3eit naht, früher toitb fie es 
nut bann 3um Utbbotn führen, toenn bas ftagen obet Uet- 
halten bes fiinbes fein Umfinnen aettät. 3b,t fotgenbes Ein- 
fühlen in bie ftinbesfeele fagt ihr, toann unb toie oiel bet £t- 
henntnis fie geben batf. fluch, macht bas TJJiffen um bie Ent- 
toichlunggefchichte ben Paatungtoillen 3U einet folch' natutge- 
fehlichen Selbftoerftänblichkeit, baß feine teine TDiebergabe bem 
fiinbe keinen Schaben tun kann, unb allen oetgifteten, aer- 
kommenen Seelen bie TTlöglichkeit nimmt, fein TJafein mit ihrer 
Sumpfphantafie 3U befchmuhen. Getabe bie TTluttet, beten 
eigene fiinber fchon ihrer Obhut enttoachfen fmb unb bie fo 
fähig ift, neue Cebensaufgaben 3U erfüllen, toitb bie TDahtheit 
unb Schönheit ber Enttoicklunggefchichte mit bem 3artgefühl 
unb bem teinen Etnft auch ben teifenben Schulkinbetn geben, 
mit bet fie ihre Selbftgebotenen in bie £ebensgefetje einführte. 

Befeuchtung bebeutet fkterhaltung, üotksethaltung, Un- 
ftetblichkeit unb ift allen Eebetoefen fo eigen roie bie Sehnfucht 

95 



nadi ihr. Die Blume erblüht, reift, ftreut Samen aus um 
njeiter3uleben, bas ift ihre eroige Sehnfud]t, aus ber fie fich 
immer roieber oerjüngt. Jft bie Befruchtung auf ben unteren 
Entroichlungftufen noch eine getrennte, roie bie nieberften 
Gruppen ber IDirbeltiere, bie fifche, bie fcöfctje fie 3eigen, ja 
bei ben Stufen noch tieferer Unberoufitheit — bei ben Pfla^en 
— fogar Dielfach eine burch Dritte übermittelte, bie bas Jnfeht 
non ber männlichen 3ur roeiblichen Blüte trügt — fo bebingte 
bie roachfenbe Gefahr unb ber höher entroichelte flufbau, ber 
eine längere pusbilbung3eit erfordert — bie forglicrje Umhü- 
tung bes fieimes unb feines TJOachstums, feine Bergung im 
TTlutterfchoß unb bamit bie innere Befruchtung — eine entroich- 
lunggefchichtliche Tlotroenbigheit, fo erhaben unb rein roie bie 
gan3e göttliche Tlatur. — Jn heiligem Erfchauern roirb bie 
Deutfche fiinbesfeele ben DJeg bes DJerbens in ber Entroich- 
Iung3eit mitgehen, roenn 3arte, forgliche Tnutterhänbe fie fo 
3ur Erkenntnis führen, ihrem allmählichen Beifen ihr Geleit 
anpaffenb. Eingereiht in bie Entroichlungreihe ber Eeberoelt, 
pnbet bas Deutfche fiinb auch roieber bie innige üerbunbenljeit 
mit ber Tlatur, bie ihm ein fo guter Schuh im Ceben ift unb ein 
BJeghelfer 3um Göttlichen; befonbers bann, roenn bie Schöp- 
funggefchicrjte aon ber Deutschen 6ottfch.au getragen roirb, bie 
Tflathübe Eubenborff in ihren TDerhen niedergelegt hat, unb bie 
ihr erft Sinn unb roahrheitmäfjige Deutung gibt. Eine Deutung, 
bie nicht bie Denh- unb Urteilskraft bes Schülers einfchläfert 
unb abtötet, roie bie biblifche Schöpfunggefchichte mit ihren 
naturgefehlichen Unmöglichheiten, fonbern fte anregt, felbft 
mit3ubenhen unb ihm ben Einklang gibt 3roifch.en feinem Suchen 
nach ÜJahrheit, bem Tlaturgefchehen unb feiner Gottfehnfucht, 
bie ihm aor allem auch m öen Stürmen, bie ber Paarungtrieb 
in feiner Seele auslöft, ein fchühenbes Steuer ift. Gibt bod] 
biefe Deutung bem Tflinnefehnen feinen Boln- unb Perfönlich,- 
heit erhaltenben ÜJert unb nermag fein Triebleben 3U abeln. 

Da bas Jugenberleben ber TTlinne* non fo tiefer, meift 



* Dt. TTlathilbe £uöenbotff : „Der TTlinne ßenefung". 
96 



lebenslänglicher Bedeutung ift, muß es Sorge aller toohlmei- 
nenben £eitung bes Beutfchen fiinbes fein, ihm fjöhenlage 3U 
geben, eble Begeiferung für hohe» feelenoerbunbene TTlinne 3U 
roechen, rote öie norbifchen Sagen (le hünben, unb eble Beutfche 
fie 3U allen Seiten norlebten, roeil fie ihr blutstümlidies Erbgut 
ift. — Darum ift auch bie junge Beutfche Sele leicht für fie 3" 
ent3ünben. — Es ift bie Baffetümlict|Reit bee Beutfchen fiinbes, 
baß es fpät reift, fluch beutet bie flrt feines Beifens fchon ben 
Stil an, ber fein Blinneerleben henn3eichnet. lange beoor fein 
Paarungroille erroacht, ift ihm ein fjang 3um Schroärmen eigen, 
ber gan3 unabhängig ift oom Sefchlecht bes Umfchroärmten 
unb meift bem flußergeroötmlichen, bem geiftig unb Körperlich 
Eblen gilt unb nur im Seelifdien rour3elt. 3ur aufopfernbften 
fjingabe ift folche Schroärmerei fähig, unb ihr Erleben erfchüt- 
tert bie noch hinbüctje Seele ebenfo, toie fpäter bie Stürme bes 
Paarungtoillens in ber Beife3eit; aber es gefährbet fie nicht, 
es bereichert fie nur. Sein Körperliches Berlangen ift geftillt 
unb beglücht, roenn es in ber Bähe bes Umfchroärmten fein 
hann, roenn ein roohlmeinenbes, gütiges BJort ober ein Fjänbe- 
bruch ihm bafür bannt, ober es fidl anfchmiegen barf in 
heufcher 3ärtlich,heit, bie in fich felbft ihre Slücnfeligheit finbet. 
Bies burchfeelte Schroärmen ift bem Beutfchen fiinbe ein roert- 
rioller Pjelfer 3u fpäterer burchgeiftigter TTlinneroahl — bem 
fjeilsroeg feiner Seele — unb bereitet fie oor. Elterliche Sorge 
muß es barum fein, bies finofpen ber Blinne nicht mit bem 
halten Urteil einer nüchternen Seele 3U 3erreißen, fonbern 
folches Beifen ihres fiinbes liebeooll 3U fchonen unb fich feiner 
3U freuen. 

Befonbers ber Beutfche finabe bebarf biefes Entroichlung- 
roeges feines fflinneedebens. Sein fiörper, ber bie fieinyellen 
äußerlich trägt, roährenb fie beim Bläbchen im 5choße gebor- 
gen finb, führt ihn früher 3um Urbborn bes Bkrbens als bas 
Bläbchen. fluch bie höhere 3aty oon fiein^ellen trägt 3u feinet 
früheren Beife bei. BJie unheiluoll muffen fich oa Einflüffe aus- 
rotten, bie ben Fjeilsroeg fetner Seele nicht achten. Schon bie 

9? 



Tatfache ift Gefahr, baß ber finabe möglichft frültfeitig auf [ich 
felbft geftellt, oielleicht fchon burch flnftalter3iehung in 3attet 
Jugenb ber feelfotgenben Obhut feinet Fluttet ent3ogen toitb. 
— tDäct]ft et nicht untet bem Schuhe einet Tüuttetfeele auf, 
bie um feine Seelen- unb fieifegefetje toeiß, toeil nölhifche 
Selbftbefinnung fte iht mit bet Derbinbung füt iht TFlutteramt 
gab, fo ift et allen Detgiftungüetfuchen unb fitanRheitheimen 
einet entarteten Umtoelt ausgefeht. Die h«tfthenbe „boppelte 
TTlotal", auch nn Gefchenh bet UJüfte, ift noch befonbets ge- 
eignet, feine Entwicklung 3Ut Tiefe, 3ut Bieltoeibetei bes 
Orients, 3U begünfttgen unb ihn arttetnem TJeutfdiem ftauen- 
tum 3U entftemben. Sein pbftüt5en Kann et nicht tierbergen, 
fluch bas beftgepflegte fiußere täufcht nicht übet bie Höhen- 
lage bes TTlenfchen. Sein Blich oerrät fie allen, bie noch 
mit Maren TJeutfchen pugen ins Eeben fchauen. So foünben 
Bilber ben 5eelen3uftanb, ben bet Betteffenbe als fein tiefftes, 
oetfchroiegenes Eigengeheimnis behütet glaubt. — Sorgliche 
TJeutfche ftauenliebe lieft in ben pugen bes fiinbes unb etföhtt 
inftinhtmäßig, toas es iht oerfditoeigt. Ein tiefet 5chmet3 ift es 
iht, baß fie >hm batum nicht meht bie Eiebe 3eigen hann, bie 
ihr Pjet3 füt es betoegt; abet nut bet Kühle flbftanb, ben fie 
bann toahtt, kann ihm fjilfe 3ut Umhehr fein, niemals bas 
chtiftliche Det3eihen, bas alles flbgleiten mit bet angebotenen 
Sünbhaftigheit entfchulbigt. — ÜJahtfcheinlich, baff es bann 
lange fernbleibt, toeil bie ftummen TJottoütfe fein TJeutfches 
Geroiffen toechen. fiehtt es boch einft 3Utüch, fo oertät feine 
Haltung, bafi es ein pnbetet getootben ift, baß es heimfanb 
3um TJeutfchfein, 3um fiöhenpfab feines Blutes. 

TJeutfche Elternliebe ftöhlt ihre fiinber fct|on ftüh3eitig füt 
ben feelifchen fiampf, ben bet paatungtoille auslöft unb geleitet 
fie fo, top et ihnen 3um fjeile, nicht 3um Unheil toirb, itafs er 
bie Gottentfaltung ihrer Seele fteigett. In beiben Gefdilechtern 
roeckt fie bie firaft 3Ut 5elbfteinfict]t fchon Don Klein auf, bie 
ein Umhehren oon 3tttoegen immet erleichtert, bie aber auch 
fefthält, baß es ein fluslöfchen aon fehltaten nicht gibt, toohl 

93 



aber ein IDadifen an ihrer Erkenntnis. — Sie fchärft oor allem 
audi ben Jnftinht, bas fjinhorchen auf bie Stimme bes Blutes, 
bie ben flrtreinen fo gerne in feiner TTlinneroahl leiten möchte, 
roenn er fte nur beachten roollte; unb bie itjm ein fo guter 
führer im leben fein hann. — Sie ftärht ben Stol3 — befon- 
bers im TTläbchen. Uie meiften TTläbchen rierfallen ber Ber- 
führung nicht aus Sinnentjörigheit fonbern um eines Ber- 
gnügens ober eines materiellen Dorteils toillen. Sie oerhaufen 
fich, für einen fiinobefudi, ein fchönes fileib, einen Schmuch ober 
fchon für ein flbenbeffen unb |mb bei folcher fiäuflichheit, bie 
fie einmal ins Gleiten brachte, bann fpäter auch fähig/ ous ber 
liebe einen Erroerb 3u machen, roie Sara unb ihre Bluts- 
fchtneftern es taten. — Don TJeutfcher frauenroürbe unb Hal- 
tung roiffen fie nichts. Jft es ein BJunber, ba fie oon Klein auf 
ja oiel mehr oon ben Salomos unb Bebehhas härten als oom 
fjochabel unferer Bor3eit. — flnbere unterliegen aus BJillens- 
fchtoäche, roeil oiele TTlänner es oerftehen, burch Bliche, TJOorte 
ober Seroalttätigheit ben IDiberftanb bes TTläbchens 3u brechen. 
Bei ben 3ur Bemut unb Bulbung exogenen chriftlichen Schäf- 
chen roirb ihnen bas befonbers leicht. 3ur „Bon-3uannatur" 
gehört burchaus Nein Pjelbentum, nur eine halte, fhrupellofe 
Seele, bie hein Beutfehes Geroiffen mehr in ihrem freoelhaften 
Treiben ftört. Sie trägt barum ja auch einen fermblänbifchen 
Hamen. 

So oiele fiinber roerben geboren, bie nicht ber Sehnfucht 
nach Elternfchaft ihr Bafein banhen, auch nicht ber feelifchen 
Berbunbenheit 3roeier TTlenfchen, fonbern nur bem Sinnenraufch 
einer flüchtigen Stunbe. pls Bürbe unb Ärgernis roerben fte 
bem Ceben entgegengetragen unb Bitterheit ftatt freube grüßt 
ihr.Erfcheinen. — fiein Sonnenftrahl, hein Eltemglüch lacht in 
ihrer BJiege. fialte Selbftfucht ober bie 6ier nach Genufj hat 
ben Batec 3ur £eugnung bes eigenen Blutes geführt, ihn 3um 
Gottmörber feiner TFlannesfeele gemacht, unb ber Tllutter fjer3 
ift erftarrt oon Gram unb £eib ober auch oon Oberflöchlichheit, 
Ceichtfinn unb Eigenfucht. 3n's £eere greifen bie 3arten fjänb- 

99 



dien, bie flct] ihr entgegenftrechen — liebebittenb. — Jn einem 
nölhifctien Deutfchlanb toirb foldies fiinberelenb 311t Seltenheit, 
ja 3m Unmöglichkeit werben, coeii bet TRuttet Geleit 311m Utb- 
born bes IDerbens bie Gefchlechter heimführt 3U Deutfchem 
Etirberoußtfein, bas Daterfriiaft ebenfo oerpflichtenb erachtet 
als Tnuttetfctiaft, unb allein bie Hebe bet Berbinbung bec 
TTlenfdien bie tDeihe gibt, nidit ber Kirchliche Segen. 

TJeutfd]e Eeitung pflegt barum im finaben bie angebotene 
Bettung cor bem TTläbctien, 00t TJeutfdiem ftauentum. Sie 
fötbert feine Selbftbehetrfchung not allem butch, bas üorbilb 
unb erinnert ihn immet toiebet batan, baß bet Deutfche Tlame 
„Pjerr" ein oetpflichtenber Begriff ift — roie ihn nut bie 
Deutfctie Sprache hat/ roeil eben bas Behettfchtfein unb Pjetr- 
fein über bie Ttiebroünfche ber hohe flbel unb bie freiheit mar, 
bie ben Tlorben über ben Süben fo hoch emporhob, flicht, bap" 
biefe Behertfchtheit unb freiheit etroa flshefe — Berneinung 
unb pbtötung bes körperlichen — bebeutet hätte ober bebeuten 
foll. Das £iebeerleben bes Tlorbens hotte feine tDur3el im 
Seelifchen. Das feelifche Einsfein mar es, bas erft bas hörper- 
liche erfehnte. Der Entroichlungroeg feiner burchfeelten, noch 
triebfteien Schtoörmerei 3um Ecroachen bes Tflinnebegehrens 
hat bas feftgehalten unb roürbe es be3eugen, auch roenn alle 
norbifchen Sagen oernichtet mären, bie non ber feelifch oetan- 
hetten Deutfchen TTlinne et3ählen. Jh,t mar bie Treue, bie felbft 
ben Tob überbauette, eine SelbftoerftänblichNeit, bie ihr heinen 
3toang unb heine feffel bebeutete, unb bie barum auch bie 
Einehe lebte. — Rannte BrunhUt nicht an fiönig Günthers 
Seite glüchlich fein, roenn nur ihr Paarungmille Erfüllung 
fuctjte! BJarum fttrbt fte an 5iegftiebs Bahre ben freitob? — 
BJeil fie bie Seele, nicht ben fiörper fucht. — XOarum mattet 
Gubruns Üedobter jahrelang auf bie Braut, nur aon bem 
einen Gebanhen erfüllen, fle 3U retten — fei es auch f*«n Tob! 
— Gab es auf Seelanb Kein TTlabchen mehr, bas ihm Oebe 
fchenhen roottte? BJar es nicht feine Seele, bie eben nur oon 
biefer einen f rau fich gmi3 Derftanben unb burchbrungen fühlte! 

100 



— Bas ift bie Etoigheittiefe Beutfcher Blinne, bie nodi nach 
Jahrtaufenben Beutfche Seelen 3U gleichet fjöhenlinie leiten 
kann, toenn ihr fie in bas junge Beutfche Gemüt oerfenht. — 
Beiben Gefchlechtetn toar fie einft gleich roefenseigen unb iht 
6tunb3ug mar, baß fie bem Eblen, Hohen, Beinen galt unb 
bas BJibergöttliche abcoehtte unb oetachtete. But folche Treue 
ift heilig unb Beutfeh! 



101 



Sieg der Üeutfchen 5eele 



„mag alles bidi audi trügen 

TTlit £ug und falfdiem Schein, 

Eins toitö Dich nie belügen: 

fiorttj tief in bich hinein, 

Detnimm bes Blutes Stimme, bie eroig mach unb roahr, 

Tlann roirft bu IDege finben — arteigen, g'rab' unö hlar!" 

Erich limpadi. 



Die "Raffen finb nerfchieben! tDer roollte es etma leugnen! 
Unüberbrückbar aerfchieben ber Tlotben norn Orient. Das be- 
3eugt fein Seelenleben unb ber mäditigfte tDille, ber es Durch- 
glüht, bas Erleben ber Paarungferjnfucrjt — fein Gefchlechter- 
oerliältnis. Ein Dergleich. ber Sagen unferes Blutes mit ben 
Stammesgefcr|icr|ten bes Orientalen rnadit es beutlict|. — Jahr- 
hunbertelang nahm bie Deutfdie Seele bas Gift ber tDüfte auf. 
Un3ählige gingen baran 3ugrunbe. Dielen rourben ihre Traum- 
flügel "Rettung. — Sie forgten bafür, baß ihre Seele in gan3 
anberen Regionen roeilte, roenn ein Dolhsentfrembeter — ein 
Driefter — ihnen bie jübifdie fjeilslehre hünbete. "manchmal 
hatte ber fitt| auch unter bem Rabbinerroch eine Deutfche Seele 
beroahrt — unb umbichtete aus feinem Deutfchen Erbgut ben 
fjafj- unb "Rachegott ber TDüfte, ber bas üerfühten, ßuppeln, 
Schänben unb bie graufamften, ungeheuerlichften Derbrechen 
feines „auserroählten Dolhes" gutheißt, mit ben eblen ÜJefens- 
3ügen bes eigenen Deutfchen Blutes. Doppelte Gefahr für bas 
Deutfche fiinb, bem fo bie filarhnt ber Gegenfähe nernjifcht 
unb bas Gemüt für ben artfremben Glauben erroärmt rourbe. 
— löte oft hat bie Deutfche Seele — in hrißeni Ringen — fi<*l 
auseinanbergefeht mit bem 3n>iefpalt 3roifchen Blutserbe unb 
frembglauben unb hat mit ber 5d]önheit unb Tugenb ihres 
Deutfchfeins bie IDüftenlehte umrooben: fteil aufftrebenbe, 
ätrjerburcrjflutete Dome, fchmale, blonbe Alanen, norbifch- 

102 



tjelbifche Defusgeftalten, oon Sphätenmufih getragene Uleffen 
gefchaffen — Deutfdie fjöhenfehnfudit, bie Bfiens fpottete, bie 
aber feinet fltglift unb Tuche, otme es 3U ahnen, ben IDeg 
bahnte in's Deutfdie fjer5! — Die Einbilbung ber ÜJüfte, um- 
hleibet unb übergolbet rion Dorblanbs reinet £id|tflut! — 

Gefallen ift bet fragliche TTlantel, entlarot bet Trug, er- 
kannt bie Ausgeburt non Pjaß unb Fjößlidiheit. — fjeim 3U fidj 
felbft hehtt bie Deutfdie Seele, laufdit tief hinein in ben heiligen 
Quell ihres Blutes unb fdjenht feinem Raunen, feinem Sagen 
unb Singen toiebet — toie einft — ben unerfchöpften Heidirum 
ihrer Seftaltunghraft, ihrer Traumfchönheit unb TOeite — oon 
Deutfdiem, burdigeiftigtem Tflinneerleben befditoingt. 

Ein neues ßefdiledit 3ieht herauf, tuenn roieber — roie 
einft — ber TTlütter forgenbe Seele bie Blüte unferes üolhes 
mit ben fiunen Deutfcher TTlinne fegnet, aus bem Töerbegang 
allen Eebens bas geroaltigfte Erleben ber Seele — bas TTlinne- 
fehnen — ihr beutet unb ihr bie höniglidie freiheit 3urüth- 
fdjenht, bie in ben 3eiten bes Bafferoerbens bas Deutfdie Blut 
fidi errang, als es bie 3eitfeffel abftreifte, bie bas Triebleben 
bes Tieres gebunben hält- flbftreifte, roeil bie feelenoerbunbene 
TTlinne, bie bem Deutfdien Etfüllung unb höchfte Begleichung 
bebeutete, ihtet nidjt meht bebutfte, unb fein TTlenfdienftol3 
fie nicht etttug! — Geleitet non TTluttethönben oetmögen bie 
Stütme, bie unfeten £en3 bebtohen, bie Deutfdien Blüten nicht 
meht 3U btechen. — 5diichfalstierbunben fteht unfer Dolh 
roieber mit feinen phnen fernfter Üor3eit in ber fiette ber ner- 
gangenen unb 3uhünftigen 6efdiled|ter unb lebt artreines 
Deutfdifein! — 3ns Dunhel ber Dacht entweichen geächtet bie 
£etjten, bie noch Geilheit unb Gier in Ttiebfümpfen feffelt. Es 
ftitbt bet Sinnenoerroefung giftiger fjaud) über ben Tanben. 
Seelenaeranhert ift Deutfch.es TTlinneerleben roieber! 

Die Einfargung, bas üetblaffen bet göttlichen TDünfdje in 
bet TTTenfdienfeele, iht Detatmen unb Detöben, iht Erlahmen 

103 



unb Erftarren unb ihre feltene Befreiung hein Tlaturgefeh — 
nein, Die tieftraurige folge oon Blutsmifchung unb falfcrjer 
Leitung. DJäre es möglich, ein "Rubel Beh,e jahrelang nad] bem 
üorbilb bes Schafes 3u beeinfluffen ober ber fjyäne, fo mürben 
biefe Beh,e gan3 geroiß baran 3ugrunbe geh'n. Die Dollhom- 
menheit feines Selbftbehauptungroillens . fchüht bas Tier oor 
folitjer Gefahr; ber Blenfch, aber ift ihr preisgegeben. 

Doch, noch, riefelt in Unge3ät|lten ber heilige Quell art- 
reinen Blutes, ben bas Töeltprieftertum feit Jahrtaufenben 
burch, firiege, öurcrj Dergiftung, Entraffung, burch. geiftige unb 
feelifdie Selbftentfrembung aus3urotten luch,t, um fein erfehn- 
tes fiollehtioreidi auf3urich.ten. — £aufch.t nur hinein in bie 
Sagen ber Deutfchen Seele! Eure Blutsüerroanbfchaft mit ihnen 
fagt es euch, roelche non ihren Pjelben ungefälfchtes TJeutfchfein 
lebten, ein Beutfchfein, oon bem es hein flbroeichen unb flb- 
finhen gab, bas feine raffetümliche Fjöhe hält oon flnfang bis 
3u Enbe, bas auch fdiroerem Schjchfal nicht aus bem TOege 
geht aus £eibfurch,t unb Tuftgier. 3ieh.t nicht roie eine Sonnen- 
tinie folch/ h^htes mannes- unb frauentum burch unfere gan3e 
TJeutfche Gefliehte trotj ber Derfrembung oon hlein auf. Der 
Sieges3ug ber Deutfchen Seele, bie in aller Überfrembung fleh, 
felbft bie Treue titelt. 

Die Baffen finb oerfchieben, unb bas feherifche tDort: „Bm 
Deutfchen DJefen foll einmal bie IDelt genefen", hat feine &- 
füllung noch nicht gefunben. Der Sieg bes oölhifchen Geban- 
hens roirb fie ihm fchenhen! 

„Unb als fie gelaufchet ben Bunen bes ÜJerbens, 
Unb als fle gelaufchet ben Bunen bes Seins unb ber Blinne, 
Erwachet in ihnen ber Sott! — Sie fchauen umher 
Unb roiffen 3u trennen ben Blich ber Cebenb'gen 
Don flachernben flugen begrabener Seelen. 
Sie hören umher unb roiffen 3u fcheiben 
Die feelenooll roahren Stimmen ber töeisheit 
Dom Bafpeln unb Türmen ber Toten! 

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Unb fditeiten in heißem frohlocken 

Ob ihrer Erlöfung in ber Erkenntnis 

Don Gau 511 Gau in bie £anbe 

Unb hünben allen bas Troftroort ber TRutter. 

Unb roethen ein hranhes 3ertretenes Dolh 

3u hrafrooll erhabenem Gottfein!"* 



' Di. fltatt)Ube tubcnbotff : „Triumph Des UnftttblittiheitroilUns". 

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